cd-reviews



CD-Reviews, die ich für www.medienkonverter.de gemacht habe (keine bestimmte Reihenfolge):


[Manchmal kommt es zu Darstellungsfehlern, auf die ich keinen Einfluß habe.]



S.K.E.T. - Capitalism-Continuing Crisis

Nach 8 Jahren, in denen die einzelnen Künstler keineswegs untätig waren – der geneigte Festival- und Konzertbesucher wird es wissen, bringen S.K.E.T. ihr mittlerweile viertes Album bei Hands raus. Capitalism-Continuing Crisis ist rhythmisch, kraftvoll und intensiv. Jeder Track ist ein politisches Statement, jeder Sound eine Aufforderung zum Handeln – so könnte die Essenz dieses Albums klingen und so wie jeder Track eine bestimmte politische Aussage hat, so hat er auch ein bestimmtes Element, welches ihn einzigartig macht und hervorhebt bzw. die Aussage unterstützt. Das ganze Album wird vom S.K.E.T.´schen Rhythmus getrieben, von jenen vertrackten und verschachtelten Beats, die S.K.E.T. ausmachen und dazu kommt eben jene Melodie oder Bassline, die das gewisse Etwas und auch den Wiedererkennungswert ausmacht. Man muss gar nicht lange suchen bzw. so sehr in die Tiefe gehen, um diese Merkmale ausfindig zu machen – fast gleichberechtigt stehen sich Melodiösität und Rhythmus gegenüber und ergänzen sich wunderbar. Das ganze Album wird sowohl in den Clubs, als auch im Kopf des Hörers funktionieren, denn politische Aussagen, sei es mit Samples, Vocals oder musikalisch ausgedrückt, und Rhythmus müssen sich ja nicht zwingend gegenseitig aufheben. Capitalism-Continuing Crisis kommt mit voller Wucht und weiß sehr zu begeistern – musikalisch wie auch inhaltlich. Selten wird man trotz Kopfnicken und Mitwippen so sehr zum Nachdenken angeregt und aufgefordert. Zum Schluß sei noch S.K.E.T.´s Message aus dem Pressetext zitiert, denn das fast das Ganze sehr schön zusammen: „If anything bothers you in this time of economic meltdown and social tension, get your ass up, go on the streets, get together and be loud. Every single voice counts. Make a change, be part of the revolution! A society based on the economic principle of the exploitation of the less fortunate, needs to be conquered - now and always!“ (5 von 6)

Tomohiko Sagae - Sensory Deprivation

Tomohiko Sagae bringt mit Sensory Deprivation sein Debutalbum bei Hands heraus und bereichert das Label mit frischem Rhythm and Noise, der irgendwo zwischen Industrial, Techno und Noise liegt und bringt mit genau dieser Mischung frischen Wind in so manche Hörgewohnheiten. Schon der Opener Cold Eyes bringt eine derartige Wucht mit sich, dass man glauben könne, mitten im Epizentrum eines Erdbebens zu stehen. Überhaupt ist das das ganze Album mächtig, alles scheint mit voller Kraft von Oben auf den Hörer geschmettert zu werden – es wird gar nicht erst versucht, sich langsam seinen Weg in die Gehörgänge zu suchen, es geht sofort zur Sache. Wem das jetzt zu sehr nach Hau-Drauf-Taktik klingt, der wird eines Besseren belehrt, denn Sensory Deprivation ist viel mehr. Alleine schon die benutzten Sounds klingen anders, als man es mittlerweile gewohnt ist – beim Hören fühlt man sich in eine riesengroße Werkshalle versetzt, in der auf wirklich allem, was auch nur ansatzweise in Frage kommt, herumgeschlagen und gehämmert wird. Eisen, Stahl, große Maschinen und metallene Loops finden ihren Weg zum Hörer und versetzen das trainierte Ohr in Verzücken. Der gesamte Hintergrund brummt und quietscht, es passiert auf jeder Ebene etwas und wirkt doch nicht überladen, sondern anständig ausgefüllt. Es tut gut, diese Sounds zu hören, denn trotz des wirklich krachigen Gesamtbildes sind feine und leichte Strukturen zu hören, die tief im Lärm eingebettet sind. Sensory Deprivation zielt eindeutig und ohne Umschweife auf die Tanzfläche und auf die Bewegung des Zuhörers und ist dennoch mehr als ein einfacher Soundtrack für den verzerrten Dancefloor. Tomohiko Sagae verbindet treibende Beats mit fast schon in Vergessenheit geratenen Industrie-Sounds und schafft damit eine mächtige Atmosphäre, die vor Kraft und Krach nur so strotzt. Sehr empfehlenswert. (5 von 6)

New Frames - Resistance Through Rituals

New Frames, das sind Mathis Mootz (The Panacea/Squaremeter) und der Berliner David Frisch – also keine unbeschrieben Blätter. Diese beiden Herren haben sich zum neuen Projekt New Frames zusammengetan und ihr Debütalbum bei Hands herausgebracht. Resistance Through Rituals nimmt, nach einer perfekten  ziel- und siegessicher Fahrt auf und spätestens ab Eternal Body weiß man, wohin die Reise geht. Der Bass drückt ganz schön in den Magen und der Beat zwingt bedingungslos zum Einsteigen – Kompromisse werden keine gemacht. Die hohe Kunst ist es ja, monotone Strukturen und Loops, welche diese Art von Musik nunmal mit sich bringt, eben nicht monoton und langweilig klingen zu lassen, also zu veredeln bzw. so zu bearbeiten, dass eine spannende Dynamik entsteht. New Frames beherrschen diese Kunst zweifelsohne aus den Handgelenk und setzen Track für Track noch einen drauf, indem unbemerkt Spannungsbögen eingesetzt werden, deren Existenz man erst nach mehrmaligen Hören bewusst wird und da können neun Minuten schonmal wie gefühlte drei vergehen und man fragt sich, wo die Zeit geblieben ist. Zielrichtung ist natürlich auch der Dancefloor, aber New Frames verpacken die Clubtracks gekonnt in einer düster-elektronischen Mischung, die zwar einleitend und vorbereitend wirkt, aber keinesfalls als solches verstanden werden sollte. Alle Tracks fügen sich zu einem gemeinsamen, brodelnden Großen Gesamtwerk zusammen. Resistance Through Rituals ist ein Hybrid zwischen Dark-Techno und Industrial, die perfekte Mischung sozusagen. Dass Industrial, nach allgemeiner und moderner Definition, eigentlich schon immer Elemente aus Techno und Artverwandtem in sich trug, ist kein Geheimnis, aber wenn man es gewollt und gezielt verschmelzen lässt, kommt eine solche Perle wie dieses Album heraus. Ein sehr starkes Debüt. (5 von 6)

Kaibun - Gloomy Alice and Sinister Jack

Laurent Delogne (Le Moderniste) and Marie Hubart haben vier Jahre an dem Nachfolger ihres Debutalbums Illogism gearbeitet und entfernen sich mit Gloomy Alice and Sinister Jack von den verzerrten Beats des Vorgängers. Der Hörer begleitet die tragische und traurige Geschichte der von Depressionen geprägten Partnerschaft von Alice und Jack. Beim Lesen der Tracklist bildet sich sofort ein Klos im Hals, denn von Anfang an merkt man, worum es bei diesem Album geht, nämlich um die Anfänge der Depression bis hin zum gemeinsamen Todeswunsch der beiden Akteure. Das klingt nach sehr hartem Stoff und genau das ist es auch, was Gloomy Alice and Sinister Jack einzigartig macht. Laurent Delogne, der auf seinem letzten Album als Le Moderniste schon ausgefeilten Minimal-Noise präsentierte, setzt diesen auch hier ein, allerdings auf eine so sehr passende Art und Weise, dass es wirklich gelingt, den Hörer die Emotionen musikalisch näherzubringen. Flächen und Melodien, beides auch sehr gekonnt und beabsichtigt minimiert eingesetzt, krönen diese Mischung aus Gefühl, Intensität und Musik. Die minimalen Strukturen, das reduzierte Arrangement und die zurückhaltende Instrumentierung transportiert die gewünschte Stimmung ohne Umwege direkt zum Hörer und lässt ihn an den schmerzlichen Ereignisse teilhaben, lässt ihn die Verzweiflung spüren, welche die beiden Protagonisten umgibt. Im weitesten Sinne könnten Minimal-Noise, Dark-Techno und IDM als musikalische Vergleiche herangezogen werden, aber dann auch nur auszugsweise, denn im Grunde besteht die Geschichte von Alice und Jack aus vollkommen eigenständigen Kompositionen mit vielen verschiedenen Einflüssen und Merkmalen. Die hohe Kunst, die mit diesem Album geschaffen wurde, ist die, daß die Stimmung und die Energie  gleichermaßen in Einklang und somit die gesamte Thematik auf den Punkt gebracht wurde. Gloomy Alice and Sinister Jack ist nicht anderes als ein kleines Meisterwerk, das ein sehr ernstes und auch schwieriges Thema aufgreift und durch die musikalische Umsetzung etwas ganz Eigenes erschafft. Absolute Empfehlung. (5,5 von 6)

Various Artists - Forms of Hands 17

Das Forms of Hands ist, ausser einem jährlichen Labelfestival und Familientreffen, längst kein Geheimtipp mehr, sondern mehr als etabliert und eine feste Größe in der Szene, sowie ein absoluter Pflichttermin für alle Freunde elektronischer Musik und experimentierfreudigen Neugierigen, die ihren musikalischen Horizont gerne erweitern möchten. Sowohl das Festival als auch die parallel dazu erscheinende Festival-Compilation Forms of Hands sind eins der jährlichen Highlights, die aus der Musiklandschaft einfach nicht mehr wegzudenken sind. Leider mussten Dirkty K. und Geistform ihre Liveauftritte absagen und so sind sie zwar auf der Compilation vertreten, die freigewordenen Slots aber wurden von  Phasenmensch und Mono No Aware ebenso hochkarätig neu besetzt. Dirty K. startet mit einem fast schon klassischen Rhythm and Noise-Track, der einen gelungenen Start ins Hörvergnügen bietet. Neuzugang Tomohiko Sagae geht mit seiner Mischung aus Rhythm-Industrial und Technoise sehr gut nach vorne, während Hysteresis das Tempo zwar nur leicht rausnehmen, aber dafür den Noise dezent im Hintergrund wirken lassen und mehr auf vertrackte Elektronik setzen. New Frames, das neue Projekt von Mathis Mootz (The Panacea) und David Frisch ist ebenfalls neu bei Hands und lässt es sehr technoid angehen, wobei sich dieser Beitrag innerhalb seiner Laufzeit sehr schön aufbaut und so den Spannungsbogen konstant aufrecht erhält. MS Gentur spannt den Bogen noch etwas mehr und verwöhnt den Hörer mit sich grandios aufbauendem Rhythm-Noise. Geistform verlässt sich auf seine typischen Elemente aus tanzbaren Rhythmen und analogen Sounds und bietet zwar gewohnte Kost, aber wie auch auf seinen Alben versteht er es, die Tracks abwechslungsreich zu halten – sehr schön und tanzbar. Winterkälte hingegen tischen ihren Drum and Noise auf, dass es nur so eine Freude ist. Rhythmus und Noise in Perfektion. Zum sehr druckvollen Track Planet Earth First gibt es auch einen Videoclip, der zum Wave-Gotik-Treffen Premiere feierte. Kaibun präsentieren wunderbaren Minimal-Noise mit reduziertem Rhythmus und SaturmZlide präsentieren, ganz so wie auf dem aktuellen Album, analoge Sounds mit Retro-Feeling. Neben einer glasklaren Produktion, bekommt von von Last Days of S.e.x. eine geballte Ladung Rhythm-Noise um die Ohren gehauen, dass er nur so kracht, denn das Hauptaugenmerk liegt hier beim Noise. Heimstatt Yipotash animieren umgehend zum Mitmippen, während S.K.E.T. und Greyhound jeweils ihre eigene Interpretation von Rhythm-Industrial auffahren, die sie seit Jahren zu ihrer eigenen Marke gemacht haben. Zuletzt verbinden  Orphx auf ihre ganz eigene Art und Weise Techno mit Industrial – ein würdiger Abschluß. Auch der diesjährige Festival-Sampler spiegelt die unangefochtene Ausnahmestellung des Labels wider und es bedarf keiner weiteren Erklärung oder Beschreibung, warum dies so ist, denn die Musik spricht für sich. Forms of Hands ist auch in diesem Jahr das Nonplusultra der Compilations und darf in keiner Sammlung fehlen. (5,5 von 6)

SaturmZlide - Human Art Engines

SaturmZlide wagt mit dem dritten Album auf Hands einen kompletten Neuanfang. Alles, was vorher gewesen ist, wurde nicht beachtet und es wurde komplett auf Hardware umgestiegen, alles per Hand kreiert und erschaffen. Das Wissen um eine solche Herangehensweise macht das Hören von Human Arts Engines umso interessanter. SaturmZlide zollt unverkennbar Tribut an die elektronische Musik der 80er und 90er Jahre. Es gibt Bleeps, wabbernde Bässe und Sounds von Computerspielen, überhaupt ist im Hintergrund sehr viel los, es gibt viele kleine Details und Anspielungen. Es macht einfach Spaß, dieses Album zu hören. Von ruhigen und kürzeren Zwischenspielen, über Soundspielereien bis hin zu treibenden Beats ist auf Human Arts Engines alles vertreten, was das Herz begehrt. Man kann die Handarbeit quasi heraushören, das Drehen der Knöpfe, das Schieben der Regler – es ist alles so herrlich Oldschool und trotzdem am Puls der Zeit. Es sind aber nicht nur die Sounds, die diesem Album einen gewissen Retro-Touch geben, vielmehr die Bilder, die beim Hören entstehen. Pilldriver zum Beispiel würde sehr gut in Filmen wie Tron oder Bladerunner funktionieren. Experimentierfreudige Djs werden Education gerne auf das Publikum loslassen, ansonsten ist Human Arts Engines aber eher zum heimischen Geniessen gedacht, wobei die Grenzen ja fliessend sind. Human Arts Engines macht alles richtig: Geniale Sounds, eine gute Mischung der einzelnen Tracks, sodass genug Abwechslung vorhanden ist und zu guter Letzt sind auch noch Teile des Mixdowns im Geisterfahrer-Studio von Matthias Schuster vorgenommen worden, was bestimmt auch zu der wirklich exzellenten Produktion der gesamten Scheibe beigetragen hat. SaturmZlide macht hier genau das, was er sich vorgenommen hatte und das Ergebnis kann sich mehr als nur hören lassen – es kann im Kopfkino auch angeschaut werden. Zurücklehnen und genießen – der Neustart ist mehr als gelungen. (5 von 6)

END.user - Enter to exit

Spätestens nach dem Überhit 2/3, bei dem er Tasmin Archers Sleeping Satellite durch den Wolf gedreht hat, wird END.user auch über Genre- und Szene-Grenzen hinweg ein Begriff sein. Mit einem beachtlichen Backkatalog im Rücken ist Lynn Standafer nun Mitglied der Hands-Familie und weiß mit deinem dortigen Debütalbum Enter to Exit auf Anhieb zu überzeugen.Die hektischen Beats, die END.users Sound hauptsächlich ausmachen, sind ein-, aber niemals aufdringlich und begleiten die Flächen und die typischen Bässe perfekt. Das Herausragende an diesem Album aber sind die Melodien, die leicht melancholisch wirkenden, sehr emotional aufgeladenen Harmonien, die Enter to Exit so hörenswert machen. END.user gelingt die Gradwanderung zwischen begleitenden und aufbrausenden, gradlinigen und ausgesetzten Beats perfekt und schafft so, zusammen mit den warmen Flächen und Sequenzen, einen zwar immer leicht düster wirkenden, aber niemals hoffnungslos klingenden Soundtrack für die Seele.Enter to Exit besticht mehr durch die schlichte Eleganz als durch aggressive Wucht, verliert aber trotzdem niemals den typischen Sound, das Markenzeichen von END.user. Dieses Album ist das perfekte Breakbeatalbum für alte und neue Liebhaber des Genres und ein perfektes Album könnte niemand besser servieren, als Lynn Standafer aka END.user. Absolut empfehlenswert. (5,5 von 6)

Orphx - Pitch Black Mirror

Bei Orphx weiß man eigentlich nie so ganz, was einen erwartet, wenn ein neues Album herausgebracht wird. War der letzte Output eher im Bereich des Minimaltechno angesiedelt, wartet  Pitch Black Mirror mit einigen Überraschungen auf. Pitch Black Mirror kommt vom Sound nicht ganz so knochentrocken daher, wie die unmittelbaren Vorgänger, aber dennoch mit sehr hohem Wiedererkennungswert. Statt minimalen Technostrukturen, können auch vermehrt Synthsequenzen, Electro- und teilweise auch EBM-Elemente herausgehört werden. Aussergewöhnlich ist die Arbeit mit Vocals, seien es die eigenen oder Gast-Vocals, in diesem Fall von Marie Davidson. Die Arbeit mit Gesang macht das Album insgesamt etwas schmutziger und verleiht diesem insgesamt etwas Raues und Dreckiges. Mal als Samples verarbeitet oder direkt eingesprochen bzw. gesungen geben diese Stimmen dem Orphx-Sound das gewisse Etwas und machen Pitch Black Mirror zu einer wahren Perle. Es ist aber, wie immer bei diesen unglaublich kreativen Soundtüftlern, dass es die unfassbare Bandbreite ist, die Orphx mit einer fast schon spielerischen Leichtigkeit bedienen können. Ich bin der festen Überzeugung, dass man  Rich Oddie und Christina Sealey mit nur einem einzigen Bassdrum-Sound für 14 Tage in einen Raum sperren kann und am Ende ein komplettes Album dabei herauskommt, welches vor Abwechslung und Variation nur so strotzt. Es ist schier unglaublich, was die beiden mit minimalen Sounds erschaffen können. Pitch Black Mirror besitzt sowohl typische, als auch komplett neue Merkmale, die allesamt den so eingängigen und typischen Orphx-Sound ausmachen und es vielleicht sogar zum bisher ausgereiftesten Album des Duos werden lassen. Minimaltechno trifft auf Industrial, auf Bleeps und Noise, auf Clicks and Cuts, auf Electro und EBM, auf… es könnte ewig so weitergehen. Das Album wird zusammen mit Sonic Groove präsentiert, wo es als Doppelvinyl und in digitaler Form erscheint, bei Hands gibt es die CD-Version. Unabhängig vom Format ist Pitch Black Mirror eine unbedingte Empfehlung. (5,5 von 6)

Ah Cama-Sotz - Exorcise - Murder Themes III

Ah Cama-Sotz bzw. Herman Klapholz ist ohne Zweifel ein Meister seiner Klasse und auch Schöpfer eines Genres, dass sich mit der düstersten aller Musikrichtungen befasst – dem Dark Ambient. Der dritte Teil seiner Reihe Murder Themes trägt den Titel Exorcise und ist schlichtweg ein düsteres Meisterwerk. Ah Cama-Sotz treibt sich in vielen musikalischen Genres herum, das beweist zum Beispiel sein letzter Output State of Mind, der sehr orientalisch klang. Mit Exorcise begibt sich Herman Klapholz quasi zurück zu seinen Wurzeln bzw. in die Gefilde, in denen er sich offensichtlich wohlfühlt, denn sonst könnte dieses Album nicht so wunderbar düster klingen. Es gibt viel Dark Ambient und düster-bedrohliche Musik, aber Ah Cama-Sotz streut immer noch einige ganz besondere Zutaten mit in seine Musik, nämlich das Mystische, das Unbekannte, Bedrohliche, das Geheimnisvolle. Zusammen mit den dunklen und tiefen Bässen, den tragenden Flächen und verstreuten Samples ergibt sich auf Murder Themes III der perfekte Soundtrack für eben jene, titelgebende Thematik. Überwiegend wird der Dark Ambient seiner Bezeichnung gerecht und es dominieren düstere Flächen, die eine unheimliche und diffuse Stimmung erzeugen, aber teilweise werden auch dezent Beats eingesetzt, die nicht aufdringlich sondern sehr aufbauend wirken und gerade diese rhythmischen Parts zeugen von einer derart kraftvollen hypnotischen Wirkung, dass man sich fast schon zwingen muss, bei der Sache zu bleiben und nicht hineingezogen zu werden, die in tiefen Abgründe, die sich auf Exorcise auftun. Exorcise – Murder Themes III ist ein Album, das seine Wirkung nicht verfehlt und seinem Titel gerecht wird. Es ist soviel mehr als nur ein weiteres Album von Ah Cama-Sotz, es ist eine Offenbarung, ein Machwerk der dunklen Musik, Dieses Album hat weder Aussetzer noch Längen, es ist quasi das perfekte Album des Ah Cama-Sotz´schen Klangkosmos. (6 von 6)

Supersimmetria - Materia

Auf Supersimmetrias Erstling Kosmogonie folgt nun, ebenfalls auf Hands, Materia als direkter Nachfolger. Musikalisch hat Armando Alibrandi mit seinem ganz eigenen Stil schon auf seinem Debut überzeugt und auch Materia steht dem in nichts nach. Vieles im Bereich der elektronischen Musik klingt teilweise recht überladen. Da werden hier und da noch ordentlich Flächen eingebaut, damit genügend Atmosphäre und Hintergrund erzeugt wird und der Beat nicht ganz allein dasteht. Supersimmetria erreicht mit minimalen Mitteln ein Maximum an Intensität und Fülle und kann daher auf eine gewisse Überladung verzichten. Die Beats bleiben stets im Vordergrund und sind dominierendes Stilmittel, aber was  Armando Alibrandi abseits des Rhythmus schafft, sucht schon seinesgleichen. Pulsierende Bässe und industrial-angehauchte Sounds, Clicks und vereinzelte Schläge werden nach und nach eingebaut, hinzugefügt und ergänzt, sodass im Laufe der Spielzeit die gewünschte Gesamtstruktur samt voller Atmosphäre entsteht. Supersimmetria nutzt auch die Monotonie, die stetige Wiederholung für sich und seinen Sound, die sich ganz deutlich in den Beats zeigt und somit auch Hauptbestandteil auf Materia ist. Jeder Track, ob nun eher zurückhaltend oder temporeicher, entwickelt aber genau aufgrund dieser monotonen Beats eine fast schon hypnotisierende Eigendynamik, der man sich einfach nicht entziehen kann. Materia findet seinen gelungenen Abschluss mit den beiden Remixen von Zaliva-D, der Vibrating Particles in ein noch
minimaleres Gewand steckt und Tomohiko Sagae, der Quantum Fluctuations für experimentier-freudige Club-Djs aufbereitet hat. Supersimmetria zeigt auf seinem zweiten Release bei Hands ganz klar, wo die Reise hingeht. Mit seiner Mischung aus Beats, Soundexperimenten und angezerrten Flächen schafft sich Armando Alibrandi seine eigene Nische im großen Elektro-Kosmos und drückt seinem speziellen Sound, der irgendwo zwischen Minimal-Techno und Elektro-Industrial liegt, seinen ganz eigenen Stempel auf. (4,5 von 6)

Morbus M. - Fight or Die

Sechs Jahre nach Forget the Past, dem Debutalbum von Morbus M., kommt nun, ebenfalls auf Hands, der Nachfolger Fight or Die. Inhaltlich ist sich René Klimaczewski treu geblieben, beschreibt er doch mithilfe seiner Musik, eine dystopische, düstere Welt und lässt uns an seiner dunklen und intensiven Klanglandschaft teilhaben und es fällt sofort auf, dass Fight or Die voll ist, von vermeintlichen Gegensätzen. Man ist ständig hin- und hergerissen, wandelt immer zwischen den wuchtigen Beats, den angezerrten Schlägen und den atmosphärischen, fast schon cineastischen Flächen und Melodien. Ein Wechselspiel zwischen Gut und Böse also? Eher ein gewolltes Wechselbad der Gefühle. Die Grundstimmung ist durchweg düster, das unterstreichen die wohl gewählten Sprachsamples und der musikalische Unterton - Flächen und Melodien verbreiten eher eine positive Stimmung. Beide so gegensätzliche Ausrichtungen bringt Morbus M. auf einzigartige Weise in Einklang, sodass so unterschiedliche Tracks wie das rhythmuslastige Fight or Die, welches durchaus in einigen Clubs zu hören sein könnte, das melancholische Sad about oder auch das, auf seine ganz eigene Art, wunderbare The Day After nicht aus der Gesamtheit herauszuspringen scheinen. Auf diesem Album bilden die Gegensätze das Gesamtbild des Einheitlichen. Ob nun Minimal-Electro, Rhythm and Noise, IDM, Ambient oder was auch immer René Klimaczewski bewusst oder auch unbewusst in sein neustes Album hat einfließen lassen, es klingt so, als wenn es niemals eine andere Verwendung dafür geben hätte. Dieses düstere Werk elektronischer Musik komplett zu beschreiben ist nicht so einfach. Es wird viel geboten und erklärt, aber auch Platz gelassen um sich selber Gedanken machen zu können. Morbus M. Macht durch die gegensätzliche Stimmigkeit,  dieses Album zu einem besonderen Leckerbissen. (4,5 von 6)

Trackologists - No Surrender, No Retreat

Trackologists ist ein gemeinsames Projekt von the_empath und Heimstatt Yipotash. Das Debutalbum, No Surrender, No Retreat, ist aber weit mehr als eine simple Mischung auf dem Style beider Projekte. Das Album steht irgendwie zwischen Melodie und Beat, zwischen sphärischem Elektro und rhythmusbetonter IDM. Wer mag, könnte versuchen herauszuhören, welche einzelnen Sounds und Strukturen nun von dem jeweiligen Projekt beigesteuert wurde, vielleicht funktioniert das ja sogar, aber es handelt sich hier ja schließlich um ein gemeinschaftliches Projekt und als solches sollte es auch wahrgenommen und gehört werden. Dass mit diesem Projekt auch Musik mit einem gewissen Anspruch geschaffen wurde liegt bei Titeln wie Modified Newtonian Dynamics oder ?=2? zwar auf der Hand, aber ganz so kopflastig, wie die Titel vermuten lassen, ist es dann doch nicht und mit Songs wie Suicide with a plastic gun zeigt sich auf die Clubtauglichkeit der Trackologists und gerade dieser Song bietet eine schön-schmutzige Atmosphäre mit leicht dreckigen, industrial angehauchten Vocals – sehr schönes Ding. Beide Projekte, die sich auf diesem Album vereinen, verfügen über genügend Erfahrung und Routine um eine saubere, punktgenaue Produktion abzuliefern und darüber hinaus nicht ihre Experimentierfreudigkeit zu verlieren und sämtliche Sounds und Beats professionell und stimmungsvoll miteinander in Einklang zu bringen.Sphärisches trifft auf gebrochene Rhythmen, Anspruchsvolles trifft auf Leichtigkeit.
No Surrender, No Retreat ist ein gelungenes Debut und macht durchaus Lust auf Mehr. Eine gesunde Mischung aus den jeweiligen Projekten steht beiden sehr gut zu Gesicht. Man spricht sooft von elektronischer Musik mit Ecken und Kanten, was auch hier zutrifft, allerdings sind sie hier nicht ganz so sperrig wie bei manch anderen Releases dieses Genres. (4,5 von 6)

Yura Yura – Rumu Namba

Nach einem perfekten Debüt in 2013 schickt sich der Franzose Grégory Yura an, mit seinem zweiten Album den errungenen Status zu festigen bzw. auszubauen. Yura Yura bleibt mit Rumu Namba seinem Stil treu, nämlich ordentlich Krach zu machen und dabei nicht auf eine gehörige Portion Verzerrung zu verzichten. Waren das die Grundzutaten des Erstlings, mischt Grégory noch so einige weitere Leckerbissen hinzu. Natürlich gibt es die Oldschool-lastigen Rhythm and Noise-Knaller und auch die düstere Atmosphäre ist geblieben, Das treibende La Mort oder das dunkle Vlad sind perfekte Beispiele für die Bandbreite, die in diesem Album abgedeckt wird. Die Grundrichtung ist Rhythm and Noise, das liegt auf der Hand, aber Yura Yura spickt diesen mit vielen neuen Ideen, mit modernen Elementen, die nicht nur hintergründig eingesetzt werden. Grégory Yura kreiert Loops, die auch nach zig Durchläufen nicht langweilig werden, und monotone Sequenzen, die gerade wegen der Monotonie so aufregend sind. Verschachtelte Beats, Rauschen, Knarzen und verdammt tiefe Bässe, die gerade bei den ruhigeren und langsameren Tracks sehr gut zur Geltung kommen und ihnen somit noch mehr Atmosphäre verleiht. Auf diesem Album wird das Genre mit allen verwandten Spielarten gekonnt aufgemischt, neu bestückt und mit zahlreichen neuen Ideen versetzt – es tut gut, diesen frischen Wind zu spüren. Rumu Namba ist eine konsequente Weiterentwicklung des Debütalbums und auch hier gelingt es mühelos, dem eingefahrenen Image des Genres frische Ideen zu verleihen und allen Zweiflern zu beweisen, dass Oldschool-Anleihen nicht zwangsläufig auch alt klingen müssen sondern durchaus auch frisch, modern und neu sein können. Absolute Empfehlung. (5 von 6)

Cervello Elettronico - Logical Fears

David Christian bringt mit seinem Projekt Cervello Elettronico das zweite Album bei Hands raus und bereichert den dortigen Backkatalog um eine weitere Perle. Logical Fears ist düsterer als der Vorgänger, aber mindestens genauso treibend und abwechslungsreich, denn David Christian bleibt nicht innerhalb der vielleicht erwarteten Pfade und produziert konsequenten Rhythm-Noise, sondern bedient sich hier und da bei anderen Genres und lässt sich gerne aus anderen Bereichen beeinflussen, was dem Ergebnis sehr gut steht. Der Hörer bekommt hier zwar eine geballte Ladung technoiden Rhythm-Industrial um die Ohren gefegt und das mit einer gnadenlosen Konsequenz - Cervello Elettronico treibt seinen Sound und seine Beats in nur eine Richtung: Nach Vorne – aber Ausflüge in etwas ruhige und experimentelle Gefilde werden durchaus unternommen und das bringt neben Abwechslung zum Beispiel auch melodiöse Passagen mit sich. Monotones Geballer ist zwar kein Fremdwort, aber auch nicht unbedingt die Quintessenz aus diesem Album, denn neben eben solch brachialen Momenten wird zwischendurch auch gerne mal das Tempo heraus- und der Noise-Faktor etwas zurückgenommen – düster, bedrohlich und treibend bleibt es trotzdem. Elektronische Musik hat viele Facetten und das Genre Rhythm-Noise oder Rhythm-Industrial scheint doch eng abgesteckt zu sein. Schön, dass es Künstler wie Cervello Elettronico gibt, die zwar bei ihren Wurzeln bleiben, aber keine Scheuklappen tragen. Logical Fears ist ein weiterer Beweis dafür, dass das Genre des Rhythm-Noise längst nicht so eingefahren ist, wie man es vielleicht glaubt und genauso ist es ein Beweis dafür, dass das Hands-Label mit einem seiner Outputs wieder einmal dafür sorgen, dass es auf diesem Gebiet spannend bleibt. (5 von 6)

Geistform - Transmitter

Geistform setzt nahtlos an seine letzte Veröffentlichung Tension an und es wurde auch Zeit, dass sich der Sound dieser 10“ Vinyl auf Albumlänge ausweitet. Transmitter beschert fast 70 Minuten weitaus mehr, als lediglich den typischen Geistform-Sound. Mit Geistform im Ohr geht alles irgendwie besser - dafür sorgen die treibenden Beats, die Rafael Espinosa seinen Maschinen entlockt. Egal welches Tempo, egal ob 4/4-Takt oder gebrochener Beat – der Kopf wippt immer mit und die Beine wollen sich im Takt bewegen. Schneidende Sequenzen und pumpende Bässe bringen alles in Rollen, ergänzt und manchmal unterbrochen von Noise, Rauschen, Fiepsen und Knistern - es macht richtig Laune, die im Hintergrund aktiven Geräusche zu erleben. Transmitter knüpft musikalisch an Tension an, das heisst, dass der Sound etwas düsterer und rauer, also eher im Industrialbereich anzusiedeln ist, wobei hier wohl eher die technoide Seite angesprochen wird. Für die jetzt beginnende dunkle Jahreszeit ist dieses Album der ideale Begleiter, sofern man es nicht ganz ruhig mag, denn die düsteren und angezerrten Beats sorgen für die passende Stimmung. Die auf den Punkt gesetzten Breaks sorgen für Auflockerung, bevor es wieder nach vorne geht. Geistform weiß genau, was er tut und spielt alle seine Trümpfe aus. Transmitter bietet mit jedem Track einen potentiellen Clubkracher, der sowohl den typischen Geistform-Sound, als auch erfrischende Variationen und Experimente beinhaltet. Liebhaber dieser Klänge müssen also nicht auf Rafael Espinosas Markenzeichen, dem treibenden analogen Sound verzichten, bekommen aber, wie schon bei der Vorgänger-EP Tension, die etwas dunklere und industriallastige Seite zu hören. Transmitter ist eine absolute Empfehlung und sollte unbedingt laut gehört werden. (5 von 6)

Hysteresis - Hegemonia Cultural

Hysteresis bringen bereits ihr drittes Album bei Hands raus und machen da weiter, wo der Vorgänger aufgehört hat und zeigt, dass mittlerweile aus dem anfänglichen Geheimtipp eine feste Größe geworden ist. Hegemonia Cultural besticht durch die hervorragende Mischung aus industriallastigen Rhythmen, IDM-Flächen und -Strukturen, Ethno-Samples und technoiden Beats, die auch schonmal aus dem üblichen Raster herausspringen und aufgebrochen werden. All diese Komponenten werden vermischt, aufbereitet, neu geordnet und strukturiert – herausgekommen sind dabei 12 Tracks, die mit maximaler Eingängigkeit und Melodien aufwarten.
Gesang und Stimme werden als Sample eingebracht und auf den Punkt in den Sound integriert. Trotz und gerade wegen der Verschmelzung so vieler verschiedener Stile ist Hegemonia Cultural ein sehr intensives Album, welches aber dennoch eine gewisse Leichtigkeit versprüht. Hysteresis haben ihre Experimentierfreudigkeit auch bei diesem Album ausgelegt und so sind die Tracks zwar überwiegend gradlinig, zeigen aber hier und da noch genug Ecken und Kanten, Rauschen und Knarzen, um nicht mit der Skiptaste bestraft zu werden. Gekrönt wird das Album mit dem abschliessenden Remix von Ah Cama-Sotz, der dem Opener Coercion & Consent seinen Stempel aufdrückt und dem Album somit eine gelungene Umrahmung verleiht. Hegemonia Cultural ist ein Schmelztiegel aus Eingängigkeit und Experimentierfreude, an dem sowohl Clubgänger als auch diejenigen, die es eher gemütlich mögen, ihre Freude haben werden. Auf Ihrem dritten Album haben Hysteresis einen gewaltigen Schritt nach Vorn gemacht, einen Schritt, für den so manch andere bestimmt noch das ein oder andere Album als Zwischenschritt benötigt hätten. Sehr empfehlenswert! (5 von 6)

Le Moderniste - Desistere Mortem Timere

Le Moderniste ist bekannt für kompromisslosen Rhythm-Noise und -Industrial. Dass Laurent Delogne das kann, beweist er auf seinen zahlreichen Veröffentlichungen zu genüge. Demnach war es schon fast an der Zeit, auf seinem neuen Album den eingeschlagenen Pfad zu verlassen.Anstatt auf bloßen Rhythm-Industrial und Noise zu setzen, geht es Laurent Delogne aufDesistere Mortem Timere etwas gemäßigter an. Allein der Einstieg ins Album wird zunächst für etwas Verwirrung sorgen, denn statt wuchtigen Beats dröhnen eher langsame Bässe und ambiente Klänge aus den Boxen, die später dann doch noch in gewohnte Gefilde führen, zunächst aber durchaus dominieren und den Hörer auf das vorbereiten, was folgen wird. Fast jeder Track auf dem Album wird düster und bedrohlich eingeleitet um sich dann in rhythmischen Industrialklängen und fast schon purem Noise zu ergießen. In diesen Phasen holt Le Moderniste alles hervor, was ihn und seinen Style ausmacht. Eingebettet in und umrandet von diesen doch eher ruhigen und experimentellen Passagen, machen sich die rhythmischen und krachigen Teile sehr gut und fordern quasi dazu auf, immer wachsam zu sein, denn der Augenblick, in dem das Konzept gebrochen, die Stille also unterbrochen wird, ist nicht vorhersehbar, allenfalls spürbar, wenn man sich auf den Fluss der ruhigeren und sehr düsteren Passagen einlässt. Le Moderniste macht alles richtig, indem er die krachigen Passagen quasi einleitet oder darauf hinarbeitet. Allen diesen Tracks kommt diese Herangehensweise sehr zugute und es macht in diesem Fall mehr Spaß beim Zuhören, als wenn die einzelnen Tracks einfach hintereinander präsentiert würden. Desistere Mortem Timere ist ein rundum gelungenes, düsteres und spannendesAlbum, welches beinahe sämtliche Facetten des Genres bietet. Sehr empfehlenswert. (5 von 6)

Wieloryb - Semantik

Harte Sounds und gnadenloser Bass, gespickt mit Sprachsamples und ungewöhnlichen Geräuschen – das ist das Markenzeichen von Wieloryb, welches er sich auf den bisherigen drei Releases auf Hands zu Eigen gemacht hat. Auf Semantik, dem aktuellen Album, bleibt er sich zwar treu, nimmt aber etwas Tempo raus. Der Sound wirkt beim ersten Hören etwas ausgedünnt, aufgeräumter und strukturierter als noch auf den vorherigen Alben, aber genau deswegen geht jeder Ton direkt vom Ohr ins Tanzbein über. Konsequent im Mitwipptempo knallt uns Wieloryb einen Kracher nach dem anderen um die Ohren, als Beispiel hierfür ist der Track Syntetik wohl am besten geeignet, unterbrochen nur von einigen sehr kurzweiligen experimentellen Ausflügen, wie das wunderbar hypnotische Sensis, die auf Albumlänge für die nötige Abwechslung sorgen. Natürlich entdeckt man vermeintlich schon Dagewesenes in der einen oder anderen Songstruktur, aber das tut dem Ganzen keinen Abbruch, im Gegenteil, bringt es doch ein wenig Gewohntes in die neuen Soundgebilde, die aufzeigen, dass harte Sounds nicht unbedingt gnadenlose Ballerei benötigen, sondern intelligent und abwechslungsreich dargeboten werden können und trotzdem nichts von ihrer Wucht und Tanzbarkeit verlieren. Das Herausnehmen des Tempos, so wie im einleitenden Absatz geschrieben, geschieht zwar hörbar, aber nicht dominierend oder sehr auffallend, es ist mehr im Zuge der Strukturierung des Albums geschehen und wirkt fast wie eine Frischzellenkur, die dem Wieloryb-Sound noch mehr Auftrieb gibt, noch mehr nach Vorne bringt. Wieloryb scheint unermüdlich im Schaffen neuer Musik zu sein und trotz des hohen Outputs kommen weder Langeweile noch übermäßige Wiederholungen auf. Semantik macht einfach Spaß, geht ins Bein und sorgt für rundum gelungene Unterhaltung und schafft als mittlerweile viertes Album in fünf Jahren eine weitere Steigerung in Sachen Sound und Dynamik. (4,5 von 6)

Monolith - Domination

Zwei Jahre nach seinem Crashed, seinem Debut bei Hands, bringt Monolith mit Domination den Nachfolger und auch dieser schickt sich an, die Dark-Techno-Dancefloors zu füllen. Wem das Vorgängeralbum vielleicht etwas zu glatt oder zu gradlinig war, der wird bei Domination voll auf seine Kosten kommen. Die Beats sind angenehm verzerrt und auch die Bässe sind etwas schmutziger, als noch beim Debut-Silberling. Die Essenz aber, die Monolith so unwiderstehlich macht, ist geblieben: Minimale Beats und dezente Noise- und Bass-Akzente, deren Wirkungsgrade zu 100% ausgenutzt werden. Trotz überwiegend monotonen Sequenzen und nur leichten Variationen schafft es Monolith, jeden Track so dermaßen abwechslungsreich zu gestalten, dass man sich hinterher fragt, wie das überhaupt vonstatten ging. Zu jedem Beat wird nach und nach, zunächst vollkommen unbemerkbar, eine weitere Sequenz eingeschoben und somit ins Spiel gebracht.Passgenau zum bereits laufenden Beat fügt sich der Neuling ein und übernimmt seinen Platz im stampfenden und unaufhörlich nach Vorne strebenden Rhythmus. Diese Vorgehensweise wird besonders dann deutlich, wenn der anfängliche Beat zunächst etwas holprig daherkommt, sich aber schon nach wenigen Augenblicken wieder gerade zieht. Trotz aller zum Bewegen auffordernden Rhythmen, hat Monolith auch Platz für Experimente, die mal mehr zum Noise als auch zu orientalischen Sounds tendieren und auch durchaus ruhiger Natur sein können. Dieser Mix aus Dancefloor-Knallern und ruhigen Experimenten hat Monolith auch in der Vergangenheit schon ausgezeichnet, denn auf Albumlänge ist es genau das, was eine interessante und ausgewogene Mischung ausmacht. Alles in Allem ist Domination etwas düsterer und rauer ausgefallen, was dem Album sehr gut steht und durch diese Eigenschaft sowohl alte als auch neue Fans ansprechen wird. Man kann es drehen und wenden wie man möchte, aber auf diesem Gebiet ist Eric van Wonterghem mit Monolith, passend zum Albumtitel, dominierend. Ein absolutes Muß für jeden, der Monolith in allen Facetten mag und natürlich für diejenigen, die diese perfekte Mischung aus Dark-Techno, Minimal und verzerrten Beats kennenlernen möchten; aber hinterher nicht meckern, wenn man gar nicht mehr von loskommt. (5 von 6)

Forms of Hands 16

In einer Zeit, in der Compilations lange nicht mehr den Stellenwert haben, den sie in den 1980/1990ern hatten, ist es umso erfreulicher, in regelmäßigen Abständen eine solche in der Hand halten zu können, die in Sachen Exklusivität und Qualität den Kult-Compilations von damals in nichts nachsteht und dabei stets aktuell am Puls der Zeit und darüber hinaus ist. Das Labelfestival Forms of Hands ging am 22. und 23.04.2016 in die nächste Runde und als Quintessenz erscheint die dazugehörige Label- und Festivalcompilation mit exklusiven Titeln aller teilnehmenden Künstlern. Phasenmensch eröffnet mit einem sphärischen und sehr treibenden Track, was einen sehr guten Einstieg in die Compilation ermöglicht. Ruhig bleibt es auch bei Morbus M., dessen Beitrag Engelradings etwas düsterer wirkt und die Beats nehmen sich auch etwas zurück. Neuzugang Trackologists bieten Vocals auf vertrackten Beats während Wieloryb wie gewohnt ein Soundgewitter auf den Hörer loslässt. Gleiches gilt für Proyecto Mirage und Nullvektor. Als kleines Zwischenfazit kann hier gesagt werden, dass die bisher gebotenen Tracks eher in die Tiefe gehen als nach Vorne, was nicht negativ zu sehen ist. Elektronische Musik in diesem Bereich braucht auch Tiefgang, Ecken und Kanten, die hier bei sämtlichen Künstlern in vorzüglichem Maß vorhanden sind, was man besonders beim technoiden, sich wunderschön aufbauenden Beat von Monolith bemerken kann. Alles gut also soweit. Den Schritt nach Vorne machen Cacophoneuses während Le Moderniste diesmal mehr Wert auf düstere Atmosphäre mit Noise-Elementen legt. Für Breaks und Geschwindigkeit sorgt 16Pad Noise Terrorist. Talvekoidik knüpft an sein hervorragendes Album an und nimmt den Hörer mit auf die Reise. Rhythm-Industrial mit einer gehörigen Portion Noise bringt MS Gentur auf den Punkt und wird dann von Neuzugang End.User abgelöst, der gekonnt Melodie, Atmosphäre und Breakbeats unter einen Hut bringt. So ruhig, wie diese Scheibe angefangen hat, so laut hört sie auf. Mono No Aware beendet mit krachigen Beats und Noise die diesjährige Zusammenstellung. An den verschiedensten Stilrichtungen und Spielarten der elektronischen Musik, die auf Forms of Hands 16 vertreten sind, ist wieder einmal erkennbar, welch enorm weites Feld das Dortmunder Label Hands unter einem Dach beheimatet und trotzdem, oder gerade deswegen, alles zusammenpasst. Ob ruhig oder heftig, ob melodiös oder krachig. Noise, Techno, Elektro, Ambient und noch unzählig mehr - alles ist bei Hands zu finden und alles gehört zusammen. Das muss man erst mal schaffen. Die Forms of Hands-Festival- und Compilationreihe ist erneut um ein Exemplar gewachsen und auch diesmal bleibt kein Wunsch offen, außer vielleicht, dass die Zeit bis zum nächsten Mal schnell vergeht. (5 von 6)

Greyhound - Inner Noise Level

Hier und da, bei Gesprächen über Musik, bei Berichten und Reviews, bei Interviews und Beiträgen klingt durch, dass das Genre Rhythm-Industrial seine Grenzen erreicht haben könnte, dass auch hier nicht unendlich viele Variationen möglich sind. Greyhound zeigen auf ihrem neuen Album aber genau das Gegenteil, nämlich daß es doch geht, dass frischer Wind im Genre wehen kann. Inner Noise Level klingt frisch und aufregend. Man kann heraushören, dass Greyhound Spaß an der Sache haben, dass die Energie, die beim Musikmachen entstanden ist quasi eins zu eins mit auf die CD gepresst wurde. Neben permanenten und rhythmusbestimmenden Patterns und Sequenzen, sind es die kleinen, fast unmerklich auftauchenden Strukturen und Sounds, die dem Ganzen diese gewisse Würze geben, eben jene Qualität, die man erlangt, wenn man sich ausgiebig mit dem gewollten und gewünschten Entstehungsprozess seiner Musik auseinandergesetzt hat, also einfach gesagt: Wenn man weiß, was man tut und eben auch genau das hinbekommt, was man möchte und Greyhound wusste ganz genau, was am Ende herauskommen sollte, denn das kann man mit jeder Sekunde des Hörens spüren. Weitab von purem Noisegewitter und stupidem Geballer lassen Greyhound die Funken sprühen und zeigen, was alles noch möglich ist, wenn man ausbricht, wenn man die zwar bequemen aber doch ausgetretenen Pfade verlässt und ab und zu die richtige Idee hat und neue Impulse einstreut. Allerdings sind auch Greyhound sind nicht davor gefeit, dass dem Hörer die ein oder andere Rhythmussequenz bekannt vorkommt, aber kaum hat man diesen Gedanken zu ende gedacht, wird eben genau diese Sequenz aufgefächert und von allen Seiten kommen neue, verschobene Rhythmen hinzu, die alles vorher Gedachte zunichte machen und genau das ist es, was dieses Album so frisch und spannend macht. Verstrickt, vertrackt und verschachtelt, dennoch übersichtlich und geordnet – das ist das Rezept, mit dem Inner Noise Level so gut funktioniert und Greyhound hat mit dieser Mischung eine Punktlandung auf die Spitze des Genres geschafft. Inner Noise Level hebt das ganze Genre eine Stufe höher und lässt alle Kritiker im Regen stehen. Rhythm-Industrial bzw. Rhythmic Noise ist weder eingeschlafen noch stehengeblieben und Greyhound haben durch neue Impulse und Sichtweisen den Grundstein für eine kleine Auffrischung gesorgt, indem sie mit Inner Noise Level neue Impulse und Ansätze bieten, mit denen in dieser Form vielleicht sogar niemand mehr gerechnet hat. Absolute Empfehlung. (5,5 von 6)

Talvekoidik - Spitzbergen

Klingt es langweilig, wenn bei sphärischer und soundtrackartiger Musik das schon so oft und viel herangezogene Kopfkino erwähnt wird? Eigentlich nicht, wenn es denn passt, was bei Talvekoidiks neuestem Album Spitzbergen zu 100% der Fall ist. Eiskalte Sphären, wunderschöne Melodien, vertrackte Rhythmen – das ist der Stoff, aus dem Spitzbergen ist und genau damit wird der Hörer verzaubert. Der Sound ist rund, überwiegend weich, schleichend, aber immer wieder so umstürzend, dass niemals auch nur ansatzweise am Rand der Belanglosigkeit gekratzt wird, ganz im Gegenteil, Talvekoidik kann gut und gerne als Künstler und Virtuose bezeichnet werden, der Klangwelten erschafft die dort beginnen, wo andere schon verzweifeln. Es wird mit Piano und Streichern gearbeitet, die diese besondere Atmosphäre, die das gesamte Album umgibt, perfekt reflektieren. Die einzelnen Tracks bauen sich wunderbar auf und umhüllen den Hörer mit entsprechenden Bildern für das besagte Kopfkino, allerdings zieht sich dieser Aufbau auch nicht unnötig in die Länge, ist aber auch niemals überhastet – hier wurde einfach das perfekte Maß getroffen. Melodien, Flächen, mal zurückhaltende, mal treibende Beats und auch mal Breaks und leicht verzerrte Sounds, aber niemals störend oder unpassend, denn auch hier wurde auf jedes Detail geachtet. Man erlebt tatsächlich eine Reise durch den arktischen Ozean, man sieht die Eisschollen, Nordlichter und Eisberge, man fühlt quasi die Kälte, man hört das knirschende Eis und trotzdem fühlt man sich unsagbar warm, obwohl man eigentlich mittendrin ist, mittendrin im Talvekoidik´schen Klangkosmos. Spitzbergen ist ein herausragendes Album, das eine außergewöhnliche Atmosphäre schafft und die Gratwanderung zwischen Anspruch und Vergnügen perfekt und beinahe schon spielerisch meistert. Absolute Empfehlung. (5,5 von 6)

Ancient Methods - Turn Ice Realities Into Fire Dreams

Ein weiterer Neuzugang bei Hands und ein weiteres Vinyl-Release - besonderer Sound braucht eben auch ein besonderes Format. Michael Wollenhaupt, DJ und Producer aus Berlin, bringt seine Musik nur sehr spärlich unters Volk und somit ist dieses Release schon wirklich etwas Besonderes. Ancient Methods, so Wollenhaupts Projektname, vereint auf Turn ice realities into fire dreams minimale Beats und sehr eingängige Melodie-Loops, die man so schnell nicht mehr los wird. Diese Melodien werden durch die direkten Sequenzen oder durch die Bassline bzw. auch durch die Beats erschaffen, wie es bei This is all I could do der Fall ist. Mit My ice baby wird Wollenhaupt experimentierfreudiger und kommt mit industrial-lastigen Loops sogar dem geneigten Krachliebhaber sehr entgegen. Um den Sound zu beschreiben könnte man jetzt einen irrwitzigen Mix aus verschiedenen Genres nennen, dabei käme dann so etwas wie Techno-Industrial-IDM-Minimal-Noise-Electro heraus, aber das führt ja zu nichts. Turn ice realities into fire dreams ist sehr clubfreundlich, hat aber immer noch genug angezerrte Ecken und Kanten und macht daher sehr viel Spaß, weil es in jeder Sequenz und in jeder Melodie auch nach mehrmaligem Durchhören immer wieder Neues zu entdecken gibt. Ist das aber nun der zukünftige Clubsound? Definitv ja, aber nicht, weil hier alles neu erfunden wurde, denn diese Formel wird wohl so schnell niemand finden, sondern eher, weil er die perfekte Mischung, den perfekte Beat und auch die perfekte Portion Innovation und Experimentierfreudigkeit in sich vereint und somit einen sehr großen Bereich an Liebhabern elektronischer Musik anspricht. Diese Scheibe wird definitiv öfter als einmal den Weg zum Player finden und wem es zu anstrengend oder zu nervig ist, das Vinyl dauernd umzudrehen, der wählt die reine digitale Form als Download, aber da bekommt man halt nichts für´s Sammlerherz, welches aber mit der auf 200 Stück limitierten Edition beglückt wird, diese enthält nämlich noch einen handnummerierten Druck auf schwerem Karton. Ancient Methods bietet Zukunftsmusik an, die auf jeden Fall ihren Weg in die Clubs, aber auch in die heimischen Wohnzimmer und Kopfhörer finden wird. Turn ice realities into fire dreams wird sich in den Köpfen der Hörer festsetzen und somit wird der Wunsch nach einem schnellen Nachfolger auch bestimmt sehr groß sein. (5 von 6)

Various Artists - 25 Years of Hands

Wenn ein Label Geburtstag feiert geschieht dies meist in Form eines Labelsamplers, einer Übersicht über das bisherige Schaffen und der Künstler, die dazu beigetragen haben. Mit 25 years of Hands feiert nicht nur das Dortmunder Label seinen 25. Geburtstag, es werden zugleich auch 25 Jahre Innovation und Kunst und Musik, in Experiment und Mut gefeiert. Hands deckt ein sehr breites Spektrum an elektronischer Musik ab, welches schier unendlich viele Facetten dieses Stils bietet. Es ist bestimmt nicht immer einfach aus der Masse an Musik genau die herauszupicken, die für das Labelprogramm geeignet scheinen, umso mehr kann man vor Labelboss Udo Wießmann seinen Hut ziehen, dass ihm das in den vergangenen 25 Jahren so vorzüglich gelungen ist. 25 years of Hands, das sind 48 neue und exklusive Tracks von 48 aktiven Künstlern und Projekten, die auf 4 CDs für ausgezeichneten Musikgenuss sorgen. Der musikalische Aspekt ist somit abgedeckt, aber auch optisch wird einiges geboten. Die 4 CDs finden ihren Platz in einem qualitativ sehr hochwertigen und stylischem Artbook, welches teilweise geprägt und lackiert ist und, wie alles Grafische bei Hands, von Nicola Bork gestaltet wurde. 1979 sorgen für einen ordentlich krachigen Einstieg und geben die Marschrichtung für die folgenden 13th Monkey und 16Pad Noise Terrorist vor. 5F-X und und Ah Cama-Sotz nehmen sich nur leicht zurück, bleiben aber beatlastig, während Ambassador21, wie gewohnt, Beats und Härte höherschrauben. Einen sehr schönen Kontrast bietet Angina P. mit fluffigen Beats, bevor Cocaphoneuses die den Technoise-Regler aufdrehen. Cervello Elettronico versorgt den Hörer mit knusprigen Rhythmen und gibt dann an Dirty K. ab, der feinste Rhythm-and-Noise-Kost serviert. Edgey präsentiert Breakbeat und Drum and Bass auf sehr schöne Art und Weise und zu guter Letzt lässt Geistform die erste CD mit analogen Rhythmen ausklingen. Die zweite CD beginnt nicht minder krachig als die erste, denn Greyhound sind nicht gerade für ihre sanften Töne bekannt und auch Hezzel bringt satte Beats, dazwischen versorgt Heimstatt Yipotash den Hörer mit tanzbaren Rhythmen. Hydrone bringt surrende Flächen auf einem auf- und abschwellendem Surren, was sehr gut rüberkommt und den perfekten Übergang zu den straighten und etwas zurückgenommenen Beats von Hysteresis bildet. Hardcore-Elektro vom Feinsten wird von Illegal Trade geboten und Incite/ präsentieren ihren unverkennbaren Style, der sofort zum Kopfnicken einlädt, wie auch der verzerrte Midtempo-Beat von Kaibun. Last Days Of S.E.X. und Maschinenkrieger KR52 vs. Disraptor sorgen auf dem letzten Drittel der zweiten CD für eine gehörige Portion Rhythm-Industrial, während es bei Le Modernist nicht minder noisig zugeht, aber der Rhythmus minimiert wurde. Libido Formandi lockert zwischendrin alles mit sehr schöner IDM auf. Mono No Aware leitet die dritte CD ein und auch er versteht natürlich sein Handwerk und bietet Industrial im ureigenen Stil und Sound an. Minimale und wuchtige Beats werden von Monolith dargeboten, Morbus M. geht sehr entspannt ans Werk und baut luftige Beats auf fließende Flächen. Ein fast schon episches Werk in Sachen Rhythmus und Noise verdankt der Hörer MS Gentur, während Needle Sharing gemäßigter und cleaner daherkommt. Norm sorgt für ruhige Momente und gibt dann den Stab an Nullvektor ab, der technoiden Industrial abfeuert. Sehr schöne und entspannte Electronica kommt von Phasenmensch während Proyecto Mirage machen das, was sie am besten können, nämlich mit Ihrem Ryhthm-Industrial auf die Tanzfläche zielen. S.K.E.T. nehmen die Beats nur leicht zurück und Saturmzlide und Saverio Evangelista gestalten den Übergang zur vierten CD eher ruhig und entspannt. Sehr interessant und auch ein bisschen experimentell beginnt die, leider schon letzte, CD mit Schachtanlage Gegenort, Shorai hingegen bietet mit seinen futuristischen Beats und Sounds klares Kontrastprogramm dazu.Minimal und tanzbar geht es mit Supersimmetria weiter und auchSylvgheist Maelström schlägt in die gleiche Kerbe, wenngleich auch mehr Flächen benutzt werden um eine entsprechende Atmosphäre aufzubauen. Syntech kommt wuchtig und krachig daher, während Synth-Etik mehr Beatarbeit leistet, beide aber im wohligen Midtempo-Bereich. Warme Electronica mit Tiefgang kommt von Talvekoidik, der von Hardcore-Breaks abgelöst wird, welche von Tatlum serviert werden. Das genaue Gegenteil, nämlich ruhige elektronische IDM-Klänge bietet Totakeke an, die gleich nach dem Verklingen von Wieloryb abgelöst werden, der sich diesmal mit seinem Rhythm-Noise zurückhält, aber nur, was die Beats angeht, krachig bleibt es trotzdem. Winterkälte präsentieren ihren Drum ´n´Noise als schleppendes, krachendes Soundkonstrukt, welches die ideale Vorlage für den verzerrten Beat von Yura Yura gibt. Bei 48 Tracks fällt es schwer, einzelne besonders hervorzuheben oder zu empfehlen, aber das ist auch gar nicht nötig, denn es wird wirklich für fast jeden Geschmack etwas geboten, sei es Ambient, flächige Soundscapes, technoider Industrial, Elektro, IDM, Noise, abstrakte Experimente, Noise, Breakbeat, Drum and Bass – die Aufzählung könnte ins Unendliche gehen und zeigt auf, wie abwechslungsreich die Bandbreite and verschiedenster Musik ist – ein Umstand, der trotz der enormen Spieldauer aller vier CDs zusammen, für eine Heavy-Rotation dieser Compilation sorgen wird. Nur wenige Alben erreichen Kultstatus und Compilations haben es da noch sehr viel schwerer, aber so wie der mittlerweile legendäre This is Electronic Body Music-Sampler ist auch diese Compilation, wenngleich sie sich auch nicht eins zu eins vergleichen lassen, jetzt schon das Maß der Dinge, wenn es um die viel zitierte Messlatte geht, denn besser kann eine Zusammenstellung in dieser Art nicht gemacht werden. 25 years of Hands ist sowohl optisch als auch akustisch ein Meisterwerk und wird noch auf Jahre die Referenz für elektronische Musik sein. (6 von 6)

Autoclav1.1 - Werewolf Country

Autoclav1.1, das ist, will man meinen, ruhige Musik mit sanften Beats und ruhigen Flächen, die gewiss als IDM und Artverwandtes durchgehen könnte. Wer aber das Treiben von Tony Young schon länger verfolgt, der weiß, dass es so einfach nicht ist und dass es mit jeder Veröffentlichung auch Überraschungen gibt. So auch auf dem neusten Output Werewolf Country. Die grundlegenden Elemente werden zwar beibehalten und Autoclav1.1 dreht sich nicht um 180° und betreibt auch keine komplette Stiländerung, warum auch? Tony Youngs Kreativität und Musikalität wird noch für das ein oder andere Album ausreichen und damit für die ein oder andere Überraschung sorgen. Aber was genau ist jetzt so anders an Werewolf Country? Trotz aller Harmonie und Melodien, die von jeher Markenzeichen sind und die kaum jemand so beherrscht wie Tony Young, besitzt Werewolf Country genug Ecken und Kanten, um nicht als Easy-Listening durchzugehen. Der Grundtenor ist um einiges düsterer als die Vorgängeralben und auch die Beats klingen schroffer und rauher. Neben dem immerwährendem Stilmittel, dem Piano, werden satte Streicher und auch tiefgehende Synthflächen benutzt. Ob mit oder ohne knarzenden Beat, ob laut oder leise, schleichend oder wuchtig, Werewolf Country kann alles und bietet alles. Man hört Tony seine Leidenschaft zur Musik in jeder Note, in jedem Sound an, seine Hingabe ist in der Art, wie er seine Musik kreiert, fast schon greifbar. Ja, Autoclav1.1 ist IDM und Artverwandtes, aber definiert wird sie in diesem Fall von Autoclav1.1. Tony Young ist mit Werewolf Country mal wieder ein kleines Meisterwerk gelungen, welches sowohl Liebhaber seiner vorherigen Alben als auch Neuentdecker gleichermaßen beeindrucken wird. Die Messlatte für weitere Veröffentlichungen wurde ein weiteres mal ein Stück höher gelegt. (5 von 6)

Geistform - Tension

Geistforms Musik ist wie geschaffen für das Medium Vinyl und es ist schön zu sehen, dass Hands kleine und feine Experimente mit dem Sound einer Schallplatte und eben diesem Medium wagt. Der neuste Output von Geistform ist eine EP und hört auf den Namen Tension. Für analoge Sequenzen und treibende Rhythmen ist Geistform seit jeher bekannt und diesen Pfad verlässt er auf seinem neusten Output auch nur bedingt, schafft es aber, wie auf jedem seiner Releases, seinen eigenen Style gekonnt aufzubrechen, neu zu interpretieren und frisch zu servieren ohne seine Wurzeln ausser acht zu lassen. Seiner ureigenen Affinität zu analogen, repetitiven Sequenzen hat Rafael Espinosa einen gehörig düsteren Anstrich verpasst, der sich in Verbindung mit den minimalen Beats wirklich hören lassen kann. Sämtliche Tracks auf Tension gehen direkt nach Vorne und nehmen den Hörer mit in eine minimale, analoge Klangwelt, die so treibend und hypnotisch ist, dass man sich ihr nicht entziehen kann. Gebettet auf tiefen Bässen, Flächen und Clicks and Cuts, die den Gesamtsound begleiten, lassen sich immer wieder neue, verborgende Klänge entdecken, sich sich perfekt integrieren. Schade nur, dass die vier Tracks viel zu schnell vorbei sind. Nicht nur die Tatsache, dass die vier Tracks auf dieser Vinyl-EP nirgendwo anders erscheinen werden, sondern auch die frische Interpretation des Geistform-Styles machen diesen Output äußerst hörenswert. (5 von 6)

Stavros Gasparatos - Expanded Piano

Kunst und Experiment, gerade um musikalischen Bereich, klingt immer langweilig, so die wahrscheinlich vorherrschende Meinung – dass dem nicht so ist, beweist Stavros Gasparatos mit Expanded Piano, seinem zweiten Album auf Ad Noiseam mehr als eindrucksvoll. Das Außergewöhnliche an diesem Album ist die Tatsache, dass es live aufgenommen wurde und alles von wirklich nur einem einzigen Musiker, Stavros Gasparatos, stammt, dessen Piano von 24 Mikrofonen umrundet wurde, die wiederum an 24 Lautsprechern angeschlossen waren. Dieser 24-Kanal-Ton wurde für dieses Album auf einen Stereomix runtergerechnet, allerdings steht eine Surround-Sound-Version zum Download bereit. Stavros Gasparatos beschränkt sich nicht auf das reine Klavierspielen, sondern benutzt das ganze Piano als Instrument. Neben der klassischen Bespielung per weißen und schwarzen Tasten, wird beispielsweise der hölzerne Körper als Schlaginstrument benutzt, die Saiten per Hand und nicht per Taste zum Schwingen gebracht und die so entstanden Sounds werden digital bearbeitet und weiterverwendet – alles live, wohlgemerkt. Neben des bekannten Piano-Sounds bekommt der Hörer also spontan erzeugte, meist perkussive Klänge, die live be- und eingearbeitet werden, in eine Klangwelt, die gerne auch mal Platz zum Genießen und Interpretieren lässt. Jeder Ton scheint bedacht gewählt zu sein, bewusst und keinesfalls zufällig, obgleich wahrscheinlich Vieles aus Improvisation entsteht und benutzt wird. Geplant, improvisiert, bewusst oder emotional spontan, egal welcher Hintergrund, alles fügt sich letztendlich zu einem großen Ganzen zusammen. Expanded Piano zeigt eindrucksvoll auf, dass Experimente und Kunst nicht zwangsläufig staubtrocken und zu abgedreht daherkommen müssen, sondern auch scheinbar leicht von der Hand gehen und folglich auch genüsslich konsumiert werden können. Wer einen außergewöhnlichen Soundtrack für seine heimische Anlage sucht und keine Scheuklappen trägt, dem sei Expanded Piano wärmstens empfohlen. (5 von 6)

2methyl - Layer 8

Ein Debutalbum ist immer ein erster Eindruck, den ein Künstler hinterlässt. Mit einem Debutalbum stellt man sich als Künstler der Hörerschaft vor und bietet ihr damit eine offene Tür, durch die sie gehen und bestaunen kann, was geschaffen wurde. Layer 8 ist das Debutalbum von 2methyl und um diese Tür zu gehen, muss man nicht gebeten werden, man nimmt die Einladung dankend an. Schneidig sequenziert sich schon der Opener in den Gehörgang und schleppende, nach Vorne rollende Beats komplettieren den sehr guten Einstieg in Layer 8. Diese Merkmale setzen sich zwar auch beim kompletten Durchlauf des Albums fort, werden aber nicht bis zur Unendlichkeit wieder hervorgeholt und erneut benutzt, denn das wäre viel zu einfach. Nicolas Druoton generiert vielmehr eigene Richtungen und Wege, die er aus den vielen verschiedenen Styles kreiert, derer er sich bedient. Er drückt sämtlichen Stilmitteln seinen eigenen Stempel auf und so kommt letztendlich 2methyls ganz eigene Klangwelt zum Vorschein, die nur darauf wartet entdeckt zu werden. Auf Layer 8 kann und macht 2methyl alles, was elektronische Musik zu bieten hat und schafft so einen eigenen, futuristischen und düsteren Klangkosmos, der neben Beats für den Club, vertracktem Drum and Bass und Breaks auch ruhige, fast schon cineastische Momente sein Eigen nennt. Das Hören dieses Albums eröffnet so viel Neues, dass es auch nach mehrmaligem Hören noch schier unendlich viel zu entdecken gibt. 2methyl bläst mit Layer 8 den Staub von alten Hörgewohnheiten und entrümpelt die Schubladen, die so manche noch immer benutzen. Wer frischen Wind an seine Ohren lassen möchte, dem sei dieses grandiose Debutalbum sehr empfohlen. (4,5 von 6).

Ah Cama-Sotz - State of Mind

Ah Cama-Sotz steht seit jeher für feinsten Darkambient und düstere Sounds, wobei auch oft getragene Rhythmen und Beats zum Einsatz kommen. Dieses Markenzeichen wird auch beim neusten Output beibehalten und wieder einmal perfektioniert, wie es nur Herman Klapholz als Ah Cama-Sotz kann. Es fängt ruhig an, leichte Rhythmen übernehmen die Kontrolle, eine Frauenstimme ist zu hören und schon bricht die Welt von Ah Cama-Sotz über den Hörer zusammen. Das viel zitierte Kopfkino kann herangezogen werden, aber Soundmalerei würde es wahrscheinlich besser treffen. Die Beats und Sounds klingen so vertraut, man lässt sich mitnehmen, taucht ein und laufend entstehen neue Bilder im Kopf, zerfallen und bauen sich neu auf. Es bleibt weiter verhalten und irgendwie abwartend. Die orientalischen Rhythmen sind etwas moderneren Klängen gewichen und das Mitnehmen in den Klangkosmos setzt sich mit Solitaire, dessen Loop man so schnell nicht wieder aus dem Kopf bekommt, unbeirrt fort. Die Reise geht weiter, begleitet von mystischen Sounds, Beats und Flächen, mal rhythmischer, mal gänzlich nur auf Stimmung bedacht. Ambient, Rhythmus, Sounduniversum. Das ganze mag wie eine Reise durch 1001 Nacht klingen, nach Geschichten am Lagerfeuer, während sich langsam die Dunkelheit über der Wüste ausbreitet und man gespannt dem Erzähler lauscht. Solche Bilder könnten zwar entstehen, aber an diesem Feuer werden keine Gute-Nacht-Geschichten erzählt, vielmehr genau das Gegenteil. Wie auch das gesamte Album, so schwingt auch in den imaginären Bildern und Geschichten etwas Unheimliches mit, etwas Dunkles. Mal etwas offensichtlicher, aber meistens versteckt und unterschwellig. Als würde parallel zur erdachten Welt eine weitere, düstere existieren, die, getragen durch Ah Cama-Sotz´ Klänge hervorkommt und Stück für Stück die Realität ersetzt. Ganz großes Kino. Wenn es um düstere Sounds und Stimmungen geht, macht Herman Klapholz so schnell niemand was vor, besonders nicht auf einem Gebiet, in welchen er sich sich so gut wie kein anderer auskennt, in einem Genre, das er mitbegründet hat. State of Mind setzt wiedereinmal neue Maßstäbe. (5 von 6)

Synth-Etik – Function

Elektronische Musik lässt sich schon lange nicht mehr in einzelne Schubladen unterteilen und von daher ist es auch vollkommen unnötig welche öffnen zu wollen. Elektronische Musik beinhaltet vielmehr unzählige Stilmittel und Ausdrucksformen, die gerade diese Art von Musik so interessant machen. Sechs Jahre hat es gedauert, bis Frank Modros, der vielen wohl auch als Mensch hinter Totakeke bekannt ist, mit Synth-Etik einen neuen Longplayer bei Hands rausbringt.Dieser trägt den Namen Function und vereint alle Aspekte des einleitenden Satzes in sich. Getragen vom technoiden Grundtenor verpasst Synth-Etik jedem der Tracks einen persönlichen und individuellen Anstrich aus knarzendem Rhythmus, rauschenden Sequenzen, pulsierenden Bässen und Noise und es ist genau diese Symbiose aus technoiden Elementen, Rhythm-Noise-Anleihen und aller anderen zusammenspielenden Fragmenten, die Function so unwiderstehlich macht. Obwohl kein Track unter 5 Minuten bleibt und repetitive Passagen ein grundlegendes Stilmittel dieser Spielart der elektronischen Musik sind, vermag Synth-Etik die Spannung innerhalb der einzelnen Tracks auf sehr hohem Niveau zu halten und dies scheint ihm mit einer derartigen Leichtigkeit von der Hand zu gehen, dass er mit Test Zero One dem Ganzen noch die Krone aufsetzt und den Hörer in eine über 13 Minuten dauernde, pulsierende Klangwelt entlässt. Function sei Clubgängern, als auch Genusshörern uneingeschränkt zu empfehlen, denn durch die gekonnte Mischung verschiedenster Stilelemente hat Synth-Etik eine Tür geöffnet, die beide Parteien ungern schließen möchten. Gut Ding will Weile haben, heißt es so schön und Function ist ein dermaßen gutes Ding, dass man gerne noch einmal sechs Jahre warten würde, um wieder in den Genuss eines solchen Albums zu kommen, aber es wäre doch Schade, wenn es wirklich so lange dauern würde. (4,5 von 6)

Gore Tech – Futurphobia

Gre Tech treibt sich auf dem Nachfolger zu seinem 2013er Release Machine Throne wieder im weiten Feld des Breakcores rum, bedient sich an dessen Stilelementen, aber schafft soviel mehr, als ein reines, genre-treues Album und beweist damit, wie abwechslungsreich dieser Bereich sein kann. Während man nämlich bei Breakcore doch Gegenteiliges erwartet, steigt Gore Tech mit Run, The Zerofinity Event und Optical Hybriid doch eher zurückhaltend in seinen neusten Longplayer ein, was aber nicht bedeutet, dass es ruhig und gemächlich zur Sache geht, denn Futurphobia ist durch und durch düster und versprüht eine kalte und finstere Stimmung. Nach der gelungenen Einführung wird an der Temposchraube gedreht und typische Break-Elemente werden hörbar, dominieren aber nicht so sehr, dass die Grundstimmung verändert wird. Gore Tech zielt nicht auf Tanzflächen oder Clubs, obwohl einige der Tracks durchaus sehr geeignet dafür wären, sondern setzt vielmehr auf die Vermittlung von Stimmungen, die, wie bereits erwähnt, allerdings alles andere als heiter sind. Futurphobia ist eine düstere Zuklunftsvision, wie man sie selten zu hören bekommt und das wird überwiegend und sehr überzeugend durch hervorragende und einzigartige Sounds und Rhythmusstrukturen erzeugt. Tiefe Bässe, auf den Punkt gesetzte Beats und Sequenzen ergänzen und komplettieren sich auf einem ausgezeichnet produzierten Album. Der geniale Umgang mit stimmungsbildenden Soundstrukturen erreicht mit Organica seinen eindrucksvollen Höhepunkt, der die Stimmung und Dunkelheit des gesamten Albums in sich vereint. Gore Tech stellt eindrucksvoll klar, dass das Genre Breakcore und dessen Spielarten weiterhin ausbaufähig und, im Gegensatz zu anderen Bereichen der elektronischen Musik, noch längst nicht ausgereizt ist. Futurphobia ist düster, brachial und eine echte Empfehlung. (4,5 von 6)

Various Artists - Forms of Hands 15

Dass das Forms of Hands jedes Jahr stattfindet und zahlreiche Kenner und Liebhaber elektronischer Musik zu sich ruft, ist mittlerweile kein Geheimnis mehr und dass es jedes Mal eine Compilation dazu gibt, ist sicherlich auch hinlänglich bekannt. Mit der Nummer 15 schickt das Dortmunder Label nun den neusten Tonträger dieser Reihe ins Rennen. Auch dieses mal spiegelt die Tracklist das Line-Up des Festivals wider und das begann dieses Jahr etwas beschaulicher, denn Supersimmetria und Norm lassen es etwas ruhiger angehen und sorgen für einen idealen und intensiven Einstieg. Wieloryb geht etwas verhaltener als sonst, aber dennoch sehr wuchtig ans Werk, während Totakeke melodiöse und rhythmisch verzerrte Kost liefert und den Hörer damit ideal auf den Rhythm-Industrial von Maschinenkrieger KR52 vs. Disraptor vorbereitet und Ancient Methods bezirzt mit hypnotischen Sounds, denen man kaum entkommen kann. Winterkälte, als Headliner des ersten Festivaltages beschließen die erste Hälfte der Compilation mit einem wahren Ohrenschmaus, der schon beim ersten Hören in die Beine schießt und mit dem dazugehörigen Videoclip, der auf dem diesjährigen Wave-Gotik-Treffen Premiere hatte, ist auch für die dazugehörigen Bilder im Kopf gesorgt. Den zweiten Tag des Forms of Hands eröffneten Yura Yura in gewohnt rhythmischer Manier und Sylvgheist Maelstrom breitet einen fast schon epochalen und sehr entspannten, aber dennoch beatlastigen Track aus. Die Soundterroristen von Illegal Trade hauen in eine ganz andere Kerbe und geben mit ihren 90er angehauchten Hardcore direkt auf die Zwölf und auch 13th Monkey zielen direkt auf die Tanzfläche. S.K.E.T. und Synth-Etik schrauben das Tempo nur leicht zurück und ergänzen ihre industriellen Rhythmen mit vertrackten und versetzten Beats. Headliner und somit Abschluß des zweiten und letzten Tages war Ah Cama-Sotz. Der vielseitige Soundtüftler ist ja nicht nur für seinen genreprägenden Darkambient bekannt, sondern auch für tribale und orientale Rhythmen und Sounds, mit denen er auch das diesjährige Forms of Hands beendet. Passender als mit diesen ruhigen, düsteren Beats kann ein Festival dieser Art nicht zu ende gehen. Das Forms of Hands ist mittlerweile mehr als ein reines Labelfestival, vielmehr ein Zusammenkommen, ein Treffen der Hands-Familie, wenn man so sagen mag. Zumindest ist eins sicher, das Forms of Hands ist seit jeher eine feste Institution und absoluter Pflichttermin für alle, die feinste elektronische Musik jenseits von festgelegten Schubladen zu schätzen wissen. Die Auswahl an Bands deckt wieder einmal zahlreiche Bereiche und Facetten der elektronischen Musik ab und bietet für wirklich jeden Geschmack etwas und da alle Tracks, wie immer, exklusiv nur auf dieser Zusammenstellung zu finden sind, ist diese Compilation auch in diesem Jahr wieder viel mehr als ein zweckmäßiger Labelüberblick und auch ein klares Statement, an dem sich andere messen lassen müssen. Absolutes Pflichtprogramm. (5,5 von 6)

Illegal Trade – Acid for the royal family

Viele Künstler legen sich ein Nebenprojekt zu, damit sie einen musikalischen Ausgleich zum Hauptprojekt haben. Demnach müssten Natasha und Alexey, die sich ansonsten mit ihrem, Hauptprojekt Ambassador21 austoben, wohl eher etwas sanftere Töne anschlagen, aber das haben sie bei ihrem ersten Nebenprojekt Suicide Inside nicht gemacht und tun das beim neuen Ableger erst recht nicht. Unter dem Namen Illegal Trade drehen die beiden mit ihrem Debüt auf Hands wieder so richtig auf und das nicht zu knapp. Acid for the royal family, so der Titel, ist wie ein Rausch, wie ein Traum, nach dem man schweißgebadet aufwacht und sich zwar an die Intensität, aber nicht mehr an die Einzelheiten erinnern kann und sich eigentlich nur noch wünscht, dass das Herzrasen aufhört. Sämtliche Tracks verbinden Hardcore-Elektronik mit Noise, Techno mit Lärm und Krach mit Industrial und alles findet sich zu einem Dauerfeuer von Rhythmus und Melodie zusammen. Ja, Melodie gibt es auch, kurze Sequenzen, meistens reduziert, genauso wie die eingestreuten Sprachsamples. Beim ersten Hören entsteht der Eindruck, dass man es vielleicht mit einer retro-orientierten Scheibe zu tun haben könnte, denn vieles scheint bekannt zu klingen, aber bei intensiveren Hören fällt auf, dass es sich keineswegs um stumpfe, zusammengebastelte Nostalgie handelt, sondern um sorgsam arrangierte Rhythmus-, Sample- und vor allen Dingen Geschwindigkeitsorgien. Man könnte jetzt viel in den Sound von Illegal Trade interpretieren, sämtliche Grundstrukturen auseinandernehmen, analysieren und dann darüber philosophieren, aber wer möchte das schon und tut das überhaupt Not? Nein, denn Acid for the royal family weiß auch ohne Seelenstriptease zu überzeugen. Neben Ambassador21 und Suicide Inside hat nun auch ein drittes Projekt das Licht der Welt entdeckt und auch hiermit überzeugen Natasha und Alexey. Acid for the royal family sollte, wie auch alles andere aus dem Hause Ambassador21, mit der richtigen Lautstärke genossen werden. Einen besonderen Bonus gibt es auch noch für die geniale Einbringung von Nirvanas Überhit smells like teen spirit – das macht einfach nur Spaß.
(4,5 von 6)

Supersimmetria – Kosmogonie

Armando Alibrandi, der Künstler hinter Supersimmetria, debütiert nach zwei vorherigen Releases bei Hands und setzt damit eine kleine Reihe von Veröffentlichungen fort, die sich hauptsächlich mit dem Weltraum beschäftigen, wie es zum Beispiel SaturmZlide and Syntech gemacht haben. Thematisch bewegt sich Kosmogonie im mythologischen Feld und hier trifft die Albumbeschreibung des Labels genau ins Schwarze: Where science meets its limits, man must resort to mythology to find answers! Die Grundstimmung und -struktur sind also definiert, nun gilt es die musikalische Umsetzung genauer unter die Lupe zu nehmen. Supersimmetria verbindet auf Kosmogonie zahlreiche Elemente aus den verschiedensten Bereichen der elektronischen Musik, und lässt diese von einem steten technoiden Beat dominieren. Diese Beats, die wie ein Uhrwerk taktgenau immer wiederkehren, bewegen sich im mitreißendem Midtempo und überraschen, trotz der fortwährenden Monotonie, mit einer ständigen Umschichtung verschiedenster Elemente und geschickt eingebrachte Rhythmusstrukturen, die den vorhandenen Beat immer wieder aufbrechen und umwälzen. Durch dieses stetige Wandeln entstehen Variationen, die das ganze Album zu einem wunderbaren Weltraumtrip werden lassen. Unterstützt und ergänzt werden die Beats durch zahlreiche andere Elemente, die für eine kühle, tiefe und dunkle Atmosphäre sorgen und dem Titel entsprechend zu einer wirklichen Kosmogonie werden. Beats und Atmosphäre verschmelzen zu einem großen Ganzen, zu einem eigenen unendlichen Kosmos. Die monotonen Beats waren dem einzigen Remixer, der auf diesem Album vertreten ist, bestimmt recht, denn auch Geistform bedient sich gerne dieses Stilelements, dreht aber desöfteren auch mal gerne am Verzerrer und macht mit seinem Remix aus dem Original einen knarzenden, pulsierenden Soundtrack. Armando Alibrandi gibt einen mehr als sehr guten Einstand bei Hands und macht sowohl Clubgänger als auchDiejenigen, die lieber Zuhause Musik hören, froh, denn Supersimmetrias Kosmogonie beschäftigt sowohl Geist als auch Körper. (4,5 von 6)

Machinecode - Samurai

Mit Underhill haben Tim Elliot und Dean Rodell ja schon eindrucksvoll bewiesen, dass sie außergewöhnliche Künstler sind und mit ihrem gemeinsamen Projekt Machinecode zeigen sie mit ihrem Debüt auf Ad Noiseam, welches den Namen Samurai trägt, erneut, dass sie sich nicht von Genregrenzen aufhalten lassen.
Der Einfluss bzw. die Zugehörigkeit zu Underhill lässt sich, aufgrund der Atmosphäre und Stimmung des Albums, nicht gänzlich verleugnen, tut dem Ganzen aber keinen Abbruch, denn auch mit Underhill haben beide Musiker neue Pfade im Vermischen verschiedenster Bestandteile elektronischer Musik betreten. Klar ist, dass die elektronische Musik nicht neu erfunden werden kann, aber es können hier und da neue Akzente und Impulse gesetzt, neue Ideen reingebracht und somit für genug interessante Neuerungen gesorgt werden. Diese Impulse bestehen bei Samurai aus den verschiedensten Einflüssen, wie beispielsweise IDM, Hip Hop, Breakcore, Dubstep, Drum and Bass und vieles mehr. Tiefe Bässe, glasklare Beats und Grundstrukturen, die auf Flächen und Sequenzen aufgebaut sind. Alles in Allem elektronische Musik – nicht mehr, aber auch nicht weniger und vor allen Dingen nicht frei von Ideen und einem gewissen Enthusiasmus, der mit jeden Sound herauszuhören ist. Besonders Urban Drum, welches in Zusammenarbeit mit Mc Coppa genau das ausdrückt, wofür dieses Album steht, nämlich dass sich Underground und Massentauglichkeit nicht grundsätzlich aufheben müssen, beschreibt das Highlight und das überragende künstlerische Talent dieser beiden Künstler und es ist auch eben dieses Urban Drum, welches den Hauptteil des Suchtpontials von Samurai ausmacht. Tim Elliot und Dean Rodell machen hier alles richtig, denn dieses Album ist genrebrechend, überaus hörenswert und im Rahmen der gegebenen Möglichkeiten durchaus innovativ. Samurai ist ein herausragendes Album, welches eindrucksvoll aufzeigt, wohin elektronische Musik gehen kann, wenn Genres und Schubladen außer Acht gelassen werden und der Fokus einfach nur auf der Musik liegt. Dieses Album wird den Player so schnell nicht wieder verlassen. Und schon wieder läuft Urban Drum... (5 von 6)

Igorrr & Ruby My Dear - Maigre

Igorrr und Ruby my Dear zusammen auf einer EP – das ist ein Treffen auf höchstem Niveau, denn beide Künstler gelten als Meister ihres Fachs. Das Ergebnis dieser Zusammenarbeit heißt Maigre und ist, zumindest für das ungeübte Ohr, ziemlich speziell. So verrückt um eine solch abgedrehte EP zu kreieren ist nämlich sonst niemand aber so verrückt kann auch sonst niemand sein, denn Igorrr und sein Mitstreiter Ruby my Dear nehmen alles, aber auch wirklich alles und werfen es anscheinend wahllos durcheinander, reihen es dann auf und versehen das Ganze mit einem vollkommen irren Beat, der ebenfalls aus tausenden von verschiedenen Klängen zu bestehen scheint. Ob nun klassischer Gesang, irrwitzige Geräusche unbestimmter Herkunft, Metal-Sounds und -Shouts oder andere Geräuschquellen, alles wird gnadenlos aus dem Kontext gerissen und mit in das eigene musikalische Konstrukt verbaut und obwohl das Tempo teilweise bis an die Schmerzgrenze getrieben wird und teilweise ein schier endloses Durcheinander herrscht, findet sich doch immer wieder ein roter Faden, der die Verbindung zwischen Anfang und Ende des jeweiligen Tracks aufrecht erhält. Breakcore war schon immer sehr speziell und dessen Faszination nicht für jeden nachvollziehbar, aber Igorrr & Ruby my dear treiben es mit Maigre auf die Spitze und hieven das gesamte Genre auf ein neues Level. (4,5 von 6)

Swarm Intelligence - Faction

Swarm Intelligence veröffentlicht sein erstes Fulltime-Album auf Ad Noiseam und sorgt hiermit dafür, dass, falls sein Name noch nicht so bekannt sein sollte, er es spätestens nach dem Hören von Faction sein wird. Swarm Intelligence wirft IDM, Techno, Industrial, Noise und noch viel mehr Artverwandtes in einen Topf und brutzelt daraus ein gewaltiges Soundgewitter, welches auf diesem Sektor momentan wirklich seinesgleichen sucht. Faction schafft eine düstere, lärmende Atmosphäre mit wuchtigen und zugleich fragilen Beats, dröhnenden und bedrohlichen Bässen und frickeligem Noise. Dieses Album geht mitten ins Gesicht und schlägt ohne Vorwarnung zu. Das wirklich Schöne daran ist, dass dies nicht offensichtlich und platt geschieht, sondern langsam und schleichend ohne dabei gewollt und aufgesetzt zu wirken. Faction dringt heimlich, aber nicht leise, in die Ohren und weiß hiermit grandios zu überzeugen. Swarm Intelligence bringt es auf den Punkt: Es braucht keine schnellen oder clubtauglichen Standardbeats um Mark und Bein zu erschüttern. Dieses schafft er durch die gekonnte Vermischung der verschiedenen Stilmittel und einer gehörigen Portion Kreativität. Das ganze Album baut sich immer mehr auf, findet seinen Weg zum Hörer und schlägt mit voller Wucht zu. Düstere Elektronik, die viele verschiedene Styles verbindet und teilweise neu erschafft ohne dabei den Verdacht aufkommen zu lassen, dass es sich um einen Teil der ständigen Repetition dieser Art von Musik handelt. Dieses Album ist einer dieser Ansätze, die es zu verfolgen gilt, wenn man intelligente elektronische Musik dieses Genres mag, denn Faction zählt zu den Alben, die aufhorchen lassen. (4,5 von 6)

Phasenmensch - Entschleunigungsprozesse [Vernunft und Leidenschaft]

Mit dem Vorgängeralbum Tagebuch eines Eremiten hat Wolfram Bange alias Phasenmensch die Messlatte sehr weit nach oben gelegt und von daher sind die Erwartungen an das aktuelle Album Entschleunigungsprozesse [Vernunft und Leidenschaft] entsprechend hoch. Der Titel klingt zunächst sperrig, ist aber weitestgehend Programm, denn musikalisch geht es schon durchaus entschleunigt zur Sache, anfangs zumindest. Neben seichten, fast zarten Beats und knarzenden Rhythmen dominieren harmonische Flächen, Melodien und Stimmungen, die teilweise mit intelligent ausgewählten und exakt platzierten Samples bestückt sind. Soviel zur Entschleunigung. Die Vernunft sagt aber auch, dass Emotionen nicht nur harmonisch oder eben entschleunigend sind, sondern auch mal aufbrausend und eben nicht sehr ruhig. Auch hier kann Phasenmensch trumpfen und webt schnellere und dominantere Beats ein, vernachlässigt aber das bisher Aufgebaute nicht zu sehr und erschafft somit eine wirklich einzigartige Klanglandschaft. Trotz aller Harmonie und Schönheit schwingt auch immer noch ein wenig Rohes mit, irgendetwas brodelt und zerrt immer unterschwellig mit und verleiht dem Ganzen eine herrliche Melancholie, eine Stimmung in die man eintaucht und so schnell nicht wieder verlassen möchte. Die ganze musikalische Tiefe und dessen Interpretationsspielraum in aller Ausführlichkeit zu beschreiben würde sicherlich den Rahmen hier sprengen und es wäre auch nicht möglich, dieses rein objektiv zu tun, denn Entschleunigungsprozesse [Vernunft und Leidenschaft] gibt dem Hörer nicht nur den Raum zum selber Interpretieren, sondern auch die Zeit um sich selbst in der Musik zu finden. Nun sind also Entschleunigung und Vernunft in Einklang, fehlt noch die Leidenschaft. Fehlt? Nein! Die Leidenschaft, die Phasenmensch in dieses Album eingebracht hat, ist mit jedem Ton hörbar, mit jeder Sekunde wird klar, dass Entschleunigungsprozesse [Vernunft und Leidenschaft] mit Herzblut gefüllt ist, mit Leidenschaft eben, die nicht nur titelgebend sondern auch inhaltlich und tatsächlich ein großer Bestandteil dieses Werkes ist. Phasenmensch liefert mit Entschleunigungsprozesse [Vernunft und Leidenschaft] einen Epos ab, der aus lauter kleinen Meisterwerken besteht und obwohl Superlative normalerweise mit Vorsicht verwendet werden sollten, sind sie in diesem Fall mehr als angebracht. Wolfram Banges neustes Werk ist eine absolute Empfehlung und sei jedem, der in diese Welt voller Vernunft und Leidenschaft eintauchen möchte, ans Herz gelegt. (5,5 von 6)

Syntech - Only Ruins Remain + Decade

Syntech feiert den zehnten Geburtstag und beschenken ihre Hörer zu diesem Anlass mit einem richtig dicken Paket, einem limitierten Doppelrelease, welches das neue Album Only Ruins Remain und ein Remixalbum mit dem passenden Namen Decade enthält und in einer sehr schicken Doppelhülle auch optisch so einiges hermacht. Im Grunde bleiben sich Syntech treu und schlagen den Weg ein, den sie auch zuletzt bei der EP Trans-Neptunian Objects betreten haben und das, soviel sei vorab verraten, ist auch richtig gut so. Syntech beweisen nämlich wiedereinmal ein feines Gespür und das richtige Händchen für erstklassigen Rhythmus vereint mit wunderbaren Flächen und Melodien. Only Ruins Remain ist weder zu temporeich, noch zu langatmig gestaltet, aber auch nicht in reinem Midtempo gehalten und genau diese Mischung macht das Hörvergnügen aus. Intelligenter Tribal trifft auf Industrial- und IDM-Anleihen und streift dabei das ein und andere Mal Drum and Bass und Breakbeat und macht alles in allem diese unwiderstehliche Mischung aus, die von jeher das Markenzeichen von Syntech ist. Es gibt auf diesem Sektor wahrlich genug Veröffentlichungen und es wird von Mal zu Mal schwieriger diejenigen herauszuhören, die nicht in der Masse untergehen. Syntech machen es einem aber relativ einfach, denn Only Ruins Remain überzeugt von der ersten bis zur letzten Minute. Decade, die zweite CD, beinhaltet 14 Remixe von Labelkollegen und Freunden, darunter zum Beispiel Philipp Muench, Dirty K., Dirk Geiger und Totakeke. Alle Remixer haben die Herausforderung angenommen und das Originalmaterial von Syntech auf ihre ganz eigene Art und Weise zu bearbeiten und die Ergebnisse können sich sehen und vor allen Dingen hören lassen, denn wie auch das eigentlich Album von Syntech, deckt die Remix-CD ein weites Feld an verschiedenen Spielarten elektronischer Musik ab und wird demnach für jeden Hörer etwas zu bieten haben. Das reine Album Only Ruins Remain ist auch losgelöst von diesem Doppelrelease erhältlich und selbstverständlich ohne Einschränkung empfehlenswert , aber wer die Chance hat eines dieser limitierten Exemplare zu bekommen, der sollte sie unbedingt nutzen, denn nur so bekommt man die geballte Ladung Syntech und kann den einzigartigen Mix aus Tribal und Industrial genießen. Mit diesem Doppelrelease machen Syntech ihren Fans und denjenigen, die es nach dem Hören dieses Albums garantiert werden, ein wirklich eindrucksvolles Geburtstagsgeschenk. (5 von 6)

Incite/ - Light Spin

Mit Kunst und Musik ist es immer so eine Sache, denn entweder es ist zuviel Kunst und die Musik bleibt auf der Strecke oder es ist genau andersrum. Incite/ schaffen den Spagat zwischen beidem, denn nicht umsonst sind sie mit zahlreichen Awards bedacht worden, welches auch für die beeindruckenden Visuals ihrer Show vergeben wurde, von denen man sich einen kleinen Überblick im Booklet des Albums verschaffen kann. Wie aber funktioniert ein Konzept, welches normalerweise auf Musik und Visuals basiert, alleine und lediglich vom Album? Ganz klare Antwort: Hervorragend! Sicherlich bilden bei Incite/ Musik und Projektionen eine Einheit und sollten möglichst zusammen genossen werden, aber auch auf dem heimischen Player überzeugt Lightspin zu einhundert Prozent, denn der geneigte Hörer hat beim Musikhören ohnehin Bilder im Kopf. Incite/ bleiben sich im Großen und Ganzen treu und beschränken sich gewollt auf wenige Sounds und verzichten auf Bombast. Kunst und Musik also. Die Musik, wenn Vergleiche gezogen werden müssten, würde irgendwo zwischen Experimental, IDM, Glitch und Industrial liegen, aber so genau kann und muss das auch nicht definiert werden. Die Kunst ist wiederum die Art und Weise, in der Incite/ mit ihren eigenen Vorgaben umgehen, wie sie die Sounds verändern, variieren und in die gewollten Bahnen lenken. Lightspin scheint aus einem einzigen Fluss zu bestehen, der nur eine Richtung kennt und kontinuierlich fließt, in Bewegung ist. Incite/ nehmen diesen Fluss auf, denken und lenken ihn in die gewünschte Richtung, bauen Wasserfälle und seichte Stellen ein. Der Fluss kommt dabei aber immer mehr in Fahrt, baut sich auf, der Sound bestimmt das Tempo und den Rhythmus. Es ist wirklich mehr als interessant und vor allen Dingen spannend, wie sich das Album im Laufe der Spielzeit aufbaut, wie immer mehr Elemente eingebaut werden und auf einmal auftauchen und diesen Fluss in einen reißenden Strom verwandeln. Incite/ reißen den Hörer mit, ermutigen ihn, in den Fluss zu springen und sich mitreißen zu lassen. Auf den ersten Blick und beim ersten Hören vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig, aber spätestens beim zweiten Mal mitreißend und fesselnd. Trotz oder gerade wegen des zelebrierten Minimalismus haben Incite/ ein sehr abwechslungsreiches Album erschaffen, welches auf diesem Sektor seinesgleichen sucht und es zeigt auch wieder die Tatsache auf, dass man vor Kunst keine Berührungsängste haben sollte. (4,5 von 6)

16Pad Noise Terrorist - Zeit

Das dritte Album von16Pad Noise Terrorist beschäftigt sich, ganz dem Titel folgend, mit der Zeit und deren Vergänglichkeit, packt sozusagen die Zeit in Musik und das klingt doch schonmal sehr spannend. Wer die beiden Vorgängeralben von 16Pad Noise Terrorist kennt, der weiß, dass sich der Künstler gerne mit Breakbeats und Drum and Bass umgibt und sich auf diesem Gebiet auch richtig gut auskennt. Womit sich 16Pad Noise Terrorist aber von der Masse abhebt, ist das Gespür für die richtige Mischung von Rhythmus, Melodie und Flächen. Der gelungene Opener Fright Night Overdrive leitet das wirklich fantastische Angst ein, welches die perfekte Symbiose aus passend eingebauten Samples, Struktur und Rhythmus ist. Bis auf den ruhigen Moment, den der Remix für Christian Vogel dem Hörer gibt, bestimmen Beats und Rhythmus unterschiedlichster Couleur, Gang- und Machart, begleitet von wunderschönen Melodien und Eindrücken. Ab und zu kann der Künstler aber auch nicht aus seiner Haut und der Rhythmus ergießt sich in wahre Drum and Bass-Gewitter, läuft aber niemals aus dem Ruder oder gewinnt zu sehr die Oberhand. Manche musikalische Momentaufnahmen sind etwas unterkühlt, mache warm und herzerwärmend, manche laufen etwas schneller und manche etwas bedächtiger ab, also genauso, wie die subjektiv empfundene Zeit für jeden Einzelnen abläuft. Zeit vergeht in Momenten - wie sie vergehen und deren unterschiedliche Wahrnehmung werden auf diesem Album sehr gekonnt umgesetzt. Als kleinen und sehr schönen Bonus enthält die limitierte Erstauflage, zusätzlich zum sehr schicken 3D-Cover, eine 3D-Brille mit handgestempeltem 16Pad Noise Terrorist-Logo. Wie im Flug vergeht die Zeit, zumindest beim Hören dieses Albums. Trotz so mancher heftigen Beats schafft es 16Pad Noise Terrorist eine gewisse Leichtigkeit zu schaffen, die das Hören seines neusten Werkes sehr angenehm macht. Ich frage mich immer wieder, wann es solche Musik mal in großen Kinoproduktionen zu hören geben wird, denn das Zeug dazu hätte Zeit allemal. (5 von 6)

Totakeke – Me.Tem.Psy.Cho.Sis

Frank Mokros hat unter anderem mit seinem Projekt Synth-Etik schon 4 Alben bei Hands herausgebracht und mit Totakeke erscheint nun sein neustes Album beim Dortmunder Label. Me.Tem.Psy.Cho.Sis ist irgendwo zwischen Electronica, IDM und experimenteller Elektronik mit Ambienteinflüssen einzuordnen, ein Feld also, auf dem sich ziemlich viele Künstler herumtreiben. Totakeke hat aber den Vorteil, dass er auf jahrelange Erfahrung mit seinen anderen Projekten zurückgreifen kann und wahrscheinlich auch ein glückliches Händchen oder halt eine außergewöhnliche Fähigkeit, was das Sound- und Rhythmusdesign angeht. Besonders im letzten Drittel des Albums wird deutlich, dass Me.Tem.Psy.Cho.Sis weit mehr als eine weitere Electronica-Veröffentlichung ist. Hier treffen Rhythmus, Flächen und Melodien aufeinander, die richtig tief gehen, ohne einen gewissen Grad an Experimentierfreude vermissen zu lassen und diese Eigenschaften sorgen dafür, dass Totakeke aus der Masse heraussticht, denn sowohl die ruhigen und tragenden Passagen als auch die rhythmischen und härteren Abschnitte des Albums beherrscht der Künstler nahezu perfekt. Sämtliche Bausteine anspruchsvoller elektronischer Musik werden gekonnt miteinander verbunden und zu einer kompletten Storyline zusammengesetzt, was Me.Tem.Psy.Cho.Sis vielleicht nicht zu einem Easy-Listening-Album macht, aber durch die Leichtigkeit, die von der Musik ausgeht, eignet es sich durchaus für eine entspannte Hörrunde Zuhause, beim Autofahren und teilweise sogar im Club. Frank Mokros macht mit diesem Album alles richtig und serviert dem Liebhaber elektronischer Klänge ein ausgewogenes und spannendes Album welches durchaus öfter hintereinander genossen werden kann. (4,5 von 6)

Cervello Elettronico - Dance Meccanica

Brachte Anima Meccanica im letzten Jahr noch elektronische Musik für Herz und Seele, so packt Cervello Elettronico nun 5 Tracks aus diesem Album in überarbeiteten Versionen auf seine EP Dance Meccanica und zeigt auf, dass der Name Programm ist. Beginnt die EP noch einigermaßen gemächlich, so schleichen sich spätestens bei Vertebrae die typischen Elemente ein, die auch Anima Meccanica so geprägt haben. Hypnotische Beats und betörende Sounds, die, als Gegenpol zum Album, diesmal direkt auf die Tanzfläche zielen und ganz klar zum Bewegen animieren sollen. Cervello Elettronico hat zwar mehr Wert auf Tanzbarkeit gelegt, ist aber meilenweit entfernt von stumpfen Dancefloor-Rhythmen. Sich behutsam aufbauende Loops, treibende Beats und schneidende Sounds peitschen die auf den Punkt produzierten Tracks nach vorne. Diese EP ist weder zu weichgespült, noch zu harsch, sondern intelligent arrangiert und frisch serviert. Als Bundle stehen Album und EP sehr passend nebeneinander im Regal und auch musikalisch lohnt eine Verbindung der beiden Releases. Die EP ist auf 300 Stück limitiert, handnummeriert und nur beim Künstler direkt oder beim Label erhältlich. Mit 31 Minuten ist Dance Meccanica genau auf EP-Länge zugeschnitten und zeigt dem Hörer kurz und knackig, was moderne elektronische Musik heutzutage bedeutet. (4,5 von 6)

Winterkälte - Maschinenfest Tracks 1999 – 2014

Über Winterkälte muss eigentlich nichts mehr gesagt werden. Seit 1991 definieren Udo Wiessmann und Eric de Vries das Krach-Genre und im Plattenladen muss man sich immer fragen, ob Winterkälte nun unter Rhythm-Noise steht oder Rhythm-Noise unter Winterkälte. Die Band selbst bezeichnet ihren Stil als Drum and Noise und das passt wunderbar, denn spätestens bei einem der zahlreichen und weltweit stattfindenden Liveauftritte wird klar, warum es so heißt, denn Eric de Vries kümmert sich um die Drums und Udo Wiessmann um den Noise. Wie immer man den Stil jetzt auch bezeichnen mag, Fakt ist, dass es ohne Winterkälte in diesem Genre schon längst, wie bei vielen anderen Stilrichtungen, zur Stagnation gekommen wäre. In diesem Jahr spielten Winterkälte zum zehnten Mal auf dem Maschinenfest, dem wohl renommierten Festival dieser Art weltweit.
Zehn mal Winterkälte live auf dem Maschinenfest bedeutet auch zehn mal auf der Maschinenfest-Compilation und wer diese kennt weiß, dass dort ausschließlich exklusive Beiträge veröffentlicht werden. Maschinenfest Tracks 1999 – 2014 beinhaltet also zehn Tracks die, außer auf den Maschinenfest-Compilations, bisher noch nicht veröffentlicht wurden und nur auf dieser Doppel-Vinyl zu finden sind. Wenn das nicht nicht schon alleine ein Grund wäre um sich diese Zusammenstellung zuzulegen, dann wegen der wirklich überragenden Verpackung und Präsentation, denn Maschinenfest Tracks 1999 – 2014 kommt in einer wirklich griffigen und stabilen Doppel-Vinylhülle mit sehr schickem Aufdruck und einigen Beigaben, wie zum Beispiel 4 Kunstdrucke und, nicht zu vergessen, eine entsprechende CD, falls man das Vinyl lieber unangetastet lassen möchte. Diese Veröffentlichung ist auf gerade mal 500 Stück limitiert, wobei die ersten 200 Exemplare auf blauem, transparenten Vinyl gepresst wurden, die restlichen kommen schwarz daher – beide Versionen selbstverständlich auf 180g schwerem Vinyl. Qualität, wie man sie vom Hands-Label gewohnt ist. 1997 hieß das Maschinenfest noch Musik in Elektrisch und aus dieser Zeit stammt der passende Opener, der auch gleich die weitere Richtung vorgibt. Drum and Noise ist bei Winterkälte Programm und wer hier strukturloses Rhythmusgeballer erwartet, der wird ziemlich enttäuscht sein. Winterkälte ballern zwar ziemlich ordentlich los, vergessen aber niemals, einen Track aufzubauen, ihm Wendungen und Richtungen zu geben. Innerhalb des scheinbar chaotischen Lärms erstreckt sich ein weites Feld an Variationen und gewollten Krachattacken. Winterkältes Sound ist einzigartig, verbindet er doch gekonnt intelligenten, anspruchsvollen Rhythm-Noise mit einer gewissen Clubkompatibilität, was nicht zuletzt durch den Rhough-Mix von Ban Depleted Uranium Weapons bewiesen wird. Maschinenfest Tracks 1999 – 2014 ist nicht nur eine Retrospektive der Maschinenfest-Compilationbeiträge, sondern vielmehr ein wertvolles Zeitdokument, welches neben der musikalischen eben auch die zeitliche Entwicklung und ein Stück auch den Werdegang von Winterkälte beinhaltet. Eine unbedingte Empfehlung und ein absolutes Muß! (5.5 von 6)

Various Artists - A strange play (An Alfa Matrix Tribute to The Cure)

Mit Tribute-Alben ist das immer so eine Sache. Gerade bei The Cure ist es schwierig, denn die doch sehr typische Stimme von Robert Smith ist nicht so einfach wegzudenken und so fängt beim Hören unweigerlich das Vergleichen an und da kann halt niemand so großartig mithalten. Einige Bands haben einen guten Job gemacht und ihren Lieblingstrack von The Cure ins eigene musikalische Gewand verpackt. Andere Bands haben sich bemüht, aber es hat einfach nicht geklappt bzw. nicht sein sollen. Das ist ja auch erstmal kein Problem, denn nicht jeder Song eignet sich zum Covern oder ist nicht so umsetzbar, wie man sich das vielleicht gedacht hat. Es nutzt auch nichts, bloß weil man halt überwiegend EBM macht, einen Song auf-Teufel-komm-raus in ein EBM-Gewand zu stecken, da ist ein schlechtes Ergebnis meistens schon vorprogrammiert und so ergeht es den meisten Bands auf diesem Doppel-Album. Handwerklich ist das alles ja prima gemacht und die Bands werden auch ihr Bestes gegeben haben, aber das Endergebnis stimmt halt nicht. Einzelne Bands hervorzuheben, ob positiv oder negativ, lohnt hier eigentlich nicht. Bis auf sehr wenige Ausnahmen kann dieses Tribute-Album getrost ungehört ignoriert werden, was schade ist, denn eigentlich bieten solche Zusammenstellungen in der Regel auch mal das ein oder andere Juwel. Einen halben Punkt zusätzlichen Abzug gibt es für das nervige Talkover, welches dem Rezensenten mitteilt, dass es sich bei dem grade Gehörten um eine Promo-Kopie handelt. Ich frage mich, ob die Djs genau die gleichen Promos bekommen, denn das würde das Auflegen der ein bis zwei gelungenen Songs gänzlich zunichte machen. Ich wage zu bezweifeln, dass man viel von dieser Compilation hören wird. (2,5 von 6)

Monolog – Merge

Bereits ein Jahr nach Veröffentlichung seines letzten Albums 2 Dots Left präsentiert Monolog mit Merge den Nachfolger. Mads Lindgren bleibt im Großen und Ganzen den eingeschlagenen Stil treu und ist dabei nicht mal in der Nähe einer Selbstkopie. War der Vorgänger noch von trockenem, dominierendem Drum and Bass geprägt, so ist Merge in sich geschlossener und atmosphärischer. Die scheinbaren Lücken wurden mit Bass und Flächen gefüllt, die Beats sind nicht mehr ganz so dominant, obwohl sie immer noch im Vordergrund stehen. Bis auf einige Ausnahmen bewegt sich Monolog im mittleren Tempobereich, was der Aufnahme der Musik sehr entgegen kommt. Mads bewegt sich stilistisch in einem recht weiten Feld, denn neben dem bereits erwähnten Midtempo gibt es von schnellen, wuchtigen Beatattaken über fast schon ambiente Tracks bis hin zu Kollaborationen mit Musikerkollegen, die zuweilen auch schonmal in modernem HipHop enden können, was sich auch richtig gut anhören lässt, ein breites Angebot an verschiedenen Styles, die zwar allesamt auf dem monolog´schen Fundament ruhen, aber für sich gesehen vollkommen unterschiedlich sind. Monolog macht also alles richtig, denn er bleibt sich selbst treu, entwickelt sich weiter und mischt in vielen verschiedenen Stilbereichen mit. Diese Tatsache zeigt auf, wie vielschichtig und variantenreich Drum and Bass sein kann, wenn sich der Künstler für Einflüsse von Außen öffnet und diese dann auch noch so perfekt umsetzen kann, wie es Mads Lindgren auf diesem Album getan hat. Sicherlich ist Merge weit entfernt vom Easy-Listening, aber Freunde des weiten Felds der elektronischen Musik wissen, dass die wahren Perlen gerade auf solchen Alben zu finden sind. Merge ist eines dieser Alben, welche öfter gehört werden müssen um sie in Gänze erfassen zu können und das nicht, weil es so kompliziert ist, sondern, weil es so vielschichtig ist. Ein würdiger Nachfolger und Wegweiser auf kommende Alben. (4,5 von 6)

Oyaarss - Zemdega

Zemdega, was soviel bedeutet wie etwas, das unter der Oberfläche brennt, ist das dritte Album von Oyaarss und schon der Opener zeigt auf, dass es sich um mehr handelt, als um einen kleinen Schwelbrand. Der lettische Musiker hat beim Vorgängeralbum schon eindrucksvoll bewiesen, dass vertrackte und verschachtelte Beats nicht zwingend anstrengend sein müssen, sondern durchaus, mit entsprechenden Klängen und Flächen verbunden, für ein angenehmes Hörvergnügen sorgen können. Auf Zemdega lässt er den titelgebenden kleinen Brand langsam aber sicher zu einem Großbrand werden, baut die kleinen Melodieläufe weiter aus, fügt mehr Beat und Flächen hinzu und spielt quasi mit dem gesamten Konstrukt, indem er Breaks und Wendungen an den richtigen Stellen einbaut und platziert. Oyaarss erzählt Geschichten, seine Musik klingt wie Um- und Beschreibungen seiner Ideen, eben seiner Geschichten, die er dem Hörer erzählen möchte. Es sind aber keine Geschichten im klassischen Sinn, mit Aufbau, Spannungsbogen und Ende, sondern eher abstrakte Erzählungen, die ihrem eigenen Verlauf folgen, ihren ganz eigenen roten Faden haben und entsprechende Spannungsbögen immer dann einsetzen, wenn sie es für richtig halten und nicht, wie der Hörer es eventuell erwarten würde. Es bleiben verzerrte Beats und Soundkonstrukte, die, angereichert mit warmen Klängen, Melodien und eingängigeren Rhythmen, dem Hörer die ein oder andere Kopfgeschichte bescheren werden. Oyaarss, um den Titel des Albums nochmal aufzugreifen, entfacht ein grandioses Soundfeuer und zeigt, dass elektronische Musik trotz Ecken und Kanten auch sehr emotional und lautmalerisch sein kann. Ein sehr schönes Album, voll mit Musik zum Genießen und Neuentdecken und wer sein Konzert beim diesjährigen Maschinenfest gesehen hat, weiß spätestens seit dem, dass die Erweiterung eines Ein-Mann-Elektroprojekts zu einer kompletten Band mit Schlagzeug und Gitarre nicht immer nach Hinten losgehen muss, sondern, wie in diesem Fall, nicht nur soundtechnisch, sondern auch optisch eine Bereicherung für Livekonzerte sein kann. (4,5 von 6)

Various Artists - Coming Home by Sven Väth

Was hören Musiker, wenn Sie nach einem Gig nach Hause kommen? Eine einfache Frage auf die man meistens so spontan keine Antwort weiß. Das Label Stereo Deluxe hat es sich mit der Compilationreihe Coming Home zur Aufgabe gemacht, diese Frage zu beantworten und bittet seit 2007 Künstler wie Nightmares on Wax, DJ Hell, Jazzanova, Boozoo Bajou oder Nouvelle Vague um deren ganz persönliche und private Lieblingsplaylist. Dieses mal ist Sven Väth an der Reihe und wer sich jetzt auf Techno und House eingestellt hat, der wird schnell eines Besseren belehrt, denn neben minimalen Elektroklängen befinden sich zum Beispiel auch Jazz und Artverwandtes auf der Tracklist. Es scheint, als ob Sven Väth nach einem seiner zahlreichen Gigs, die ihn rund um die Welt reisen lassen, gerne in seine Londoner Wohnung entspannt bzw. ersteinmal Zuhause ankommt und hier schließt sich dann auch wieder der Kreis zum Titel dieser Compilation. Die Tracklist verspricht dann doch viel Neuland und es gibt eine Menge zu entdecken, denn Sven Väth präsentiert auch den ein und anderen Geheimtipp. Zuhause ankommen heißt auch, sich wohlfühlen und das bekommt man meistens mit sanfteren und harmonischen Klängen hin, weshalb auch überwiegend ruhigere Tracks auf Coming Home zu finden sind, welches sich aber durchaus nachvollziehen lässt. Sven Väth ist wohl unumstritten ein Weltstar, ein Urgestein der elektronischen Musik und auch ein Mensch mit viel Ahnung, denn seine persönlichen Lieblingslieder für Zuhause zeugen von viel Gespür fürs Detail aber auch von einer Liebe zum Experimentellen. Es ist schwer auszudrücken, was diese Zusammenstellung so aussergewöhnlich macht, denn es macht den Eindruck, als wenn mehr dahinterstecken würde, als lediglich die Lieblingssongs von Sven Väth oder es ist eben doch so einfach und es wird zu viel interpretiert und gemutmaßt? Wie dem auch sei und wie immer man es für sich auch auslegen mag, die von Sven Väth zusammengestellten Songs sind eine sehr gelungene Mischung aus Minimal, Jazz, Ambient und Elektro und geben dem Nach-Hause-Kommen ein noch wärmeres Gefühl. Sven Väth präsentiert auf Coming Home seine derzeitig persönlichen Lieblingssongs zu diesem Thema und lässt den Hörer somit an einem kleinen Teil seines Privatlebens teilhaben. Er bietet auch die ein und andere Neuentdeckung an, die man als Hörer so eventuell gar nicht auf dem Schirm gehabt hätte. Coming Home ist eine sehr spannende und interessante Reihe, die hoffentlich noch sehr lange weitergeführt wird. (4,5 von 6)

Hecq - Conversions

Hecq, also Ben Lukas Boysen, muss bestimmt nicht mehr vorgestellt werden, denn als Musiker, Produzent und Sounddesigner treibt er sich eigentlich überall dort rum, wo es um hochwertige elektronische Musik geht und seine zahlreichen Veröffentlichungen auf verschiedensten Label sprechen für sich. Ben Lukas hat sich für seinen neusten Output, dem Album Conversions, seine absoluten Lieblinge herausgesucht bzw. zum Remixen vorgenommen. Allesamt Tracks, die ihm sehr viel bedeuten und die er auf seine eigene Art und Weise und in seinem eigenen Soundgewand auf sehr persönliche Weise re-interpretiert hat. Wie zwiegespalten muss er gewesen sein, damit die Balance zwischen dem Original und seiner eigenen Kreation stets gehalten wird und wie geht man mit dem Respekt um, den man sicherlich vor den Künstlern, deren Werke man im Begriff ist umzuarbeiten, hat? Hecq ist da bestimmt ganz Profi und hat mit Sicherheit keinerlei Berührungsängste, aber dennoch wird es bestimmt nicht einfach gewesen sein, denn Kreativität schüttelt man nicht einfach so aus dem Ärmel und drückt den Originaltracks innerhalb weniger Minuten seinen persönlichen Stempel auf. Ohne sämtliche Originale zu kennen, hört man schon heraus, dass Ben nicht einfach seinen Sound durchgedrückt hat, es hat vielmehr den Anschein, dass er mit viel Fingerspitzengefühl an die Sache herangegangen ist. Er tastet sich vorsichtig heran, schaut sich um und platziert seine Ideen sehr präzise und passgenau. Hecq kreiert komplette Soundlandschaften, teils mit ruhigen Flächen, Streichern, mal mehr im Hintergrund, mal etwas dominanter aber immer mit sehr dichter Atmosphäre. Wer Hecq kennt weiß, dass er einer der Wenigen ist, die auch mit leisen Tönen viel erreichen können und die ihre Musik mit sehr viel Gefühl erschaffen. Manchmal ist weniger halt mehr. Conversions ist aber nicht durchgehend ruhig, denn auch in Sachen Beats und Eingängigkeit kennt sich Ben Lukas Boysen aus und wie schon bei vorherigen Veröffentlichungen sucht die Wucht seiner Rhythmen und Bässe seinesgleichen. Mit Beats ´n´ Breaks und leichten Dubstepanleihen fördert er auch hier und da durchaus eine Clubkompatibilität hervor. Hecq gelingt es durchweg seinen Sound und seine Kreativität in die Originale einzubinden und diese dadurch zu ergänzen und neu aufzubauen. Der Hörer erlebt wunderbare Soundlandschaften und frische Ideen in Sachen elektronischer Musik. Ben Lukas Boysen ist nicht umsonst einer der ganz Großen wenn es um elektronische Musik geht, dafür steht allein schon die brillante Produktion und Qualität aller seiner Veröffentlichungen, aber auch die musikalische Vielfalt, Experimentierfreudigkeit und Eigenständigkeit, die mit jedem neuen Output erneut bekräftigt werden. Conversions ist eine Empfehlung für alle, die sich auch abseits vom Einerlei wohlfühlen. (4,5 von 6)

Tapage - Eight

Tapage, das Projekt von Tijs Ham, kann schon auf einige Veröffentlichungen zurückschauen, released aber mit dem aktuellen Album zum ersten Mal bei Ad Noiseam. Eight, so der Albumtitel, setzt eine in 2011 mit dem Album Seven gestartete Reihe fort und ist somit Teil eines größeren Konzepts. Wie sehr sich Tapage auf sein Konzept beruft wird unter anderem mit der Tatsache aufgezeigt, dass jeder der 8 Tracks genau 8 Minuten lang ist und eine Tempo von 80 BPM aufweist. Das Ganze klingt zunächst recht durchgeplant und straff organisiert und zuweilen eventuell ein wenig zu sehr konzeptioniert, aber diese Zweifel werden von Beginn des Albums an sofort aus dem Weg geräumt, denn Eight ist ein wundervolles und warmes Album welches sich trotz, oder gerade wegen, der selbstgesetzten Vorgaben nicht einordnen lässt und das ist auch gut so. Tijs Ham bewegt sich zweifelsohne im weiten Feld der IDM, begnügt sich aber keineswegs mit den dort abgesteckten Grenzen und ergänzt sich gerne mal mit Akustikgitarren, Fieldrecordings und anderen nicht elektronisch erzeugten Klängen. Diese Mischung allein ist schon sehr hörenswert, denn was Tapage aus seinem Soundkosmos entlässt ist ohnehin schon mehr als hörenswert. Diese Kreationen aus den verschiedensten Sounds, untermalt mit wundervollen Melodien, versetzt mit vertrackten Beats, Flächen und angezerrten Bässen und das alles im fast schon Downtempobereich sind schon einmalig und zum Dahinschmelzen schön, aber als wäre das noch nicht genug, setzt Tapage dem Ganzen noch ein Sahnehäubchen auf, nämlich weibliche Vocals, die so schön sind und so dermaßen mit der Musik harmonieren, dass es fast schon weh tut. Normalerweise denkt man bei der Mischung von IDM und weiblichen Vocals meist an glattgebügelte elektronische Musik, die sich überwiegend im seichteren Fahrwasser aufhält, aber Tapage hat sich mit diesem Album nicht nur ein Konzept auferlegt, sondern auch Ziele gesetzt und genau diese hat er mit Eight nicht nur erreicht, sondern auch mehr als übertroffen, denn das seichte Wasser hat er von der ersten Sekunde an schon längst verlassen. Tijs Ham, hat einen Soundtrack kreiert, der wirklich nahezu einzigartig ist, einen Soundtrack, der zum Sommer passt, zu Sonnenuntergängen, zur Gelassenheit, zur Fröhlichkeit und vielem mehr. Dieses Album strahlt soviel Wärme und Positives aus, dass man einfach nur noch den Repeatknopf drücken möchte. (5 von 6)

Nullvektor - Marathonmann

Nullvektor veröffentlicht mit Marathonmann sein viertes Album bei Hands und wieder einmal weiß es zu begeistern, denn auch hier überzeugt die Mischung aus Techno und Industrial, bei der es aber nicht immer bleiben soll. Es ist wirklich erstaunlich, was Nullvektor aus den jeweiligen Beats und Sounds kreiert bzw. in welche Richtung er im Laufe eines Tracks geht. Zunächst sind es nur einzelne Schläge im gewohnten Rhythmus und so simpel der Anfang dann auch klingen mag, Nullvektor wäre nicht Nullvektor, wenn er es darauf beruhen ließe. Im Laufe der Zeit bauen sich die Tracks immer weiter auf, unmerklich kommt hier und da ein neues Element hinzu und ohne dass man es so richtig gemerkt hat, ist man mittendrin in einem technoiden Noisestampfer. Bei gewohnter Kost belässt es Nullvektor aber ganz und gar nicht, denn auf Marathonmann unternimmt er gerne auch mal Ausflüge über den Tellerrand hinaus und setzt die dort gefundenen Elemente geschickt und sehr gekonnt in seine eigenen Soundstrukturen ein. Mal entsteht auf diese Weise ein vertrackter Techno-Trip, mal eine gradlinige Rhythm-Industrial-Nummer und auch ein wenig Noise-Pop mit EBM-Anleihen fehlt nicht. Besonders hervorzuheben ist der Titeltrack, der durch seine minimale Grundstruktur, den elektronischen Sequenzen und den Vocals sehr begeistern und Marathonmann wird sich mit absoluter Sicherheit zu einem Minimal-Noise-Clubhit entwickeln. Marathonmann ist wieder einmal ein sehr gelungenes Album mit vielen positiven Überraschungsmomenten und Abwechslung, sodass Nullvektor nicht Gefahr läuft, sich selbst zu wiederholen und so ist dieses Album eine wirkliche Bereicherung in der Sammlung und wird dort bestimmt nicht verstauben. (4,5 von 6)

Wieloryb – Root

Es ist erstaunlich, wie kurz die Veröffentlichungsintervalle bei Wieloryb sind und wie merklich doch die Weiterentwicklung ist. Das bereits dritte Album auf Hands verspricht auch diesmal wieder Rhythm and Noise vom Feinsten, allerdings nicht grob geschnitten, sondern eher mit Bedacht serviert. Natürlich bleibt Wieloryb sich treu und macht das, was er am besten kann, nämlich ordentlich die Rhythmuskeule schwingen und verzerrte Beats in die Menge zu werfen, dass es nur so eine Freude ist, er benimmt sich dabei aber nicht wie die Axt im Wald, sondern geht eher überlegt an die ganze Sache. Man merkt, dass hinter jedem Beat eine Absicht steckt, eine Überlegung. Samples und Sequenzen werden nicht einfach auf das Rhythmuskonstrukt gestreut, sondern mit Bedacht ausgewählt und eingeflochten und das ist deutlich hörbar. Eine durchaus filigrane Beschreibung dessen, was beim Hören des Albums bestimmt nicht immer herauskommt, aber gerade die Kleinigkeiten machen das Gesamtbild erst komplett und runden dieses letztendlich ab und machen es zu dem, was der Künstler sich dabei gedacht hat. Wieloryb haut mit Root nicht einfach unüberlegt drauf, sondern entwirft und konstruiert. Es ist immer Bewegung im Spiel, der Drang nach Vorne ist immer spürbar, auch bei den vermeintlich ruhigeren Passagen. Unaufhörlich wälzt und stampft sich Root nach Vorne und entfacht ein wahres Sound- und Rhythmusgewitter. Aber auch bei allem Analysieren und Auseinandernehmen kann auch kurz zusammengefasst gesagt werden, dass Wieloryb auch einfach nur Spaß machen kann, denn es handelt sich hier um richtig guten rhythmischen Krach mit sehr hoher Clubkompatibilität.Wieloryb erfindet sich mit Root nicht vollkommen neu und das war und ist bestimmt nicht beabsichtigt, aber die Grundstruktur ist komplexer und abwechslungsreicher geworden, die Atmosphäre noch dichter und der Rhythmus noch ausgeklügelter. Wieloryb mach mit diesem Album einen großen Schritt nach Vorne und schickt sich an, seine eigene kleine Nische, die er zweifelsohne schon längst gefunden hatte, um ein Vielfaches zu erweitern und das steht ihm verdammt gut! (4,5 von 6)

SaturmZlide -laZercowboys

Auf laZercowboys, seinem zweiten Album bei Hands, verfolgt SaturmZlide ein sehr interessantes Konzept, vielmehr eine Geschichte, in der ein paar übermütige Astronauten ins Weltall geschleudert werden, nachdem sie die Kontrolle verloren haben. Austronaut Raphael droht seine Hilflosigkeit in den Wahnsinn zu treiben. Allein schon diese Vorgeschichte macht neugierig auf das Album, aber wer SaturmZlide kennt wird wissen, dass man auch auf die musikalische Umsetzung gespannt sein darf. Das Intro Earthshine bringt die Richtige Stimmung um sich in die Geschichte einzufühlen, eine dunkle, kalte Leere breitet sich aus und man kann förmlich miterleben, wie hilflos der Protagonist im Weltall umhertreibt. Lost in Space verführt, trotz der Hilflosigkeit, die der Titel ausdrückt, mit wunderbaren weiblichen Vocals, die perfekt eingebaut wurden. Some Form, some Dimension und Black, Deep and Vast zeigen wiederum nach vorne und beschreiben noch mehr das Treiben im Weltall, die aufkommende Panik, die bedrückende Stille, das Rauschen und die Orientierungslosigkeit – einfach fantastisch, wie SaturmSlide mit seiner Musik Bilder erzeugen kann. Das ganze Album baut sich mehr und mehr auf, verstrickt den den Hörer immer weiter in Geschichte und lässt ihn dran teilhaben, an allen Situationen und Emotionen. Nach dem ruhigen Intro, den zwischenzeitlichen Electrobeats mit schneidenden Sequenzen, Sprachsamples und Vocals endet das Gesamtwerk in einem berauschenden Klangfinale, in einer Urgewalt an Bildern und Farben mit hinreissenden Melodien, Rhythmen und vor allen Dingen der Fähigkeit, den Film zur Story beim Hörer im Kopf entstehen zu lassen. Bei allem Lob und Begeisterung muss aber auch gesagt werden, dass jeder Mensch Musik anders aufnimmt und verarbeitet und wer beim Hören von laZercowboys nicht in eine Geschichte oder einen Film abtaucht oder es auch einfach mal nicht möchte, der kann mit diesem Album trotzdem hervorragende Musik genießen. Auch wenn laZercowboys stellenweise sehr melodiös und ruhig daherkommt, so bleibt sich SaturmZlide doch selber treu und tischt hochwertigen und durchdachten Rhythm and Noise auf, der obendrein auch noch mit einer tollen Story aufwartet und durch die originell gestrickte Komplexität sowohl Zuhause als auch im Club funktioniert. Was will man mehr? (4,5 von 6)

Autoclav1.1 – ten.one.point.one.

Im Electronica- und IDM-Bereich gibt es mittlerweile tausende Veröffentlichungen und als Hörer kann man da sehr schnell den Überblick verlieren. Eine feste Größe aber ist Tony Young, besser bekannt als Autoclav1.1, der mit ten.one.point.one. sein mittlerweile neuntes Album veröffentlicht und mit jedem dieser Alben ein kleines Stückchen mehr aus der grauen Masse an Releases heraussticht. Beginnt das Album mit 16a noch recht zurückhaltend und wie eigentlich erwartet, so ändert sich das danach vollkommen. Nicht, dass die gewohnten und typischen Elemente von Autoclav1.1 gänzlich umgekrempelt werden, nein, an wunderbaren Harmonien, Melodien und musikalischen Sphären kommt man auch bei ten.one.point.one. nicht vorbei und das ist auch gut so, denn dafür steht Autoclav1.1 ja seit jeher. Wer Tony Young einmal live gesehen hat, der weiß, dass die meist doch sehr harmonischen Tracks der jeweiligen Alben in der Liveversion um einiges rauher und härter daherkommen und eben genau diese Eigenschaft der Livetracks kommt den Songs auf ten.one.point.one. zugute. Auf das gewohnt brilliante Pianospiel, die musikgewordenen Emotionen und die daraus resultierenden Harmonien muss nicht verzichtet werden, aber durch die stärkere Betonung der Beats, die durchweg mal weniger, mal mehr verzerrt sind, gewinnen die Emotionen sehr viel mehr an Stärke und Tiefe und geben dem ganzen Album etwas ungeschliffenes, eine Art rauhe Schale und trotzdem blitzt der so wunderbare weiche Kern hindurch. Im Vergleich zu den vorherigen Alben lässt sich diese Entwicklung eigentlich nur als konsequent beschreiben, denn Tony Young ist kein Freund von Stillstand, was schon der doch recht zügige Veröffentlichungsrhythmus seiner Alben zeigt. Im Großen und Ganzen betrachtet ist ten.one.point.one. schon ein typisches Album für Tony Young und sollte die vorhandene Sammlung ohnehin ergänzen, eine einfache quantitative Erweiterung ist es aber dennoch nicht, denn wie jedes Release ist auch dieses hier ein Kleinod elektronischer Musik und sollte auch als solches behandelt und gehört werden. Um die Metapher aus dem einleitenden Satz zu schließen: Wenn nicht vorher schon, dann ist Autoclav1.1 spätestens mit ten.one.point.one. gänzlich aus der grauen Masse verschwunden und schwimmt obenauf. Tony Young zeigt eindrucksvoll auf, dass die so oft als Hintergrundmusik betitelte IDM noch lange keine sein muss! (5 von 6)

Forms of Hands 14

Das jährlich stattfindende Label-Festival Forms of Hands bekommt auch dieses mal seine eigene Festival-CD und das schon zum 14. Mal und allein daran kann man sehen, dass sich dieses kleine aber feine Festival inzwischen zu einer festen Größe etabliert hat. Das Forms of Hands ist aber kein reines Insider-Treffen, sondern eher eine Art Familienzusammenkunft, wo sich alle Mitglieder treffen, sich austauschen und neue Familienmitglieder und solche, die es noch werden wollen, gerne empfangen. Neben langjährigen Hands-Projekten und etablierten Acts sind mit Hydrone, Cacophoneuses und Hezzel auch die aktuellen Neuzugänge vertreten und alle zusammen bringen den Hörer auf den musikalisch aktuellen Stand des Labels, welcher, wie gewohnt, sehr breit gefächert ist. Von kratzendem Ambient über Electronica und Minimal bis hin zu stampfenden Rhythm-Industrial und Noise wird alles geboten, sodass nach dem Hören dieser Zusammenstellung kein musikalischer Wunsch mehr offen bleibt. Sagt man der Szene auch hier und da ein wenig Stillstand bzw. fehlende Innovation und Kreativität nach, so kann man bei Hands gewiss sein, dass es ständig brodelt und kocht, dass auch über den Tellerrand geschaut und der Horizont ständig erweitert wird. Hier gibt es keinen Stillstand, hier wird ständig experimentiert und ausprobiert, hier wird nicht abgewägt und nachgefragt, hier werden keine Kompromisse gemacht. Auch wenn sich die musikalische Ausrichtung ständig erweitert und auch mal Randgebiete streift, so kann doch vom typischen Hands-Style gesprochen werden, der allerdings ständig in Bewegung und auf der Suche nach dem Neuen, dem Anderen ist – und das ist auch sehr gut so! Hands gelingt es wieder einmal sehr überzeugend den jährlichen Überblick über das Labelprogramm zu präsentieren und diese CD sollte sich nahtlos in die Reihe der anderen Forms of Hands-Sampler gestellt werden, sie wird sich dort sehr wohl fühlen. (4,5 von 6)

Heimstatt Yipotash – Mecanismos De Control

Dass die Musik von Heimstatt Yipotash nicht unbedingt für einfache Clubmusik stehen dürfte allgemein bekannt sein und dementsprechend gespannt kann man auf den neusten Output Mecanismos De Control sein. Heimstatt Yipotash experimentieren gerne und lassen sich überhaupt nicht in eine Schublade stecken und somit gibt es wieder einmal ein Album, welches von Grund auf neu erfahren werden kann, obwohl die Aussage, dass sich die beiden Künstler treu geblieben sind, auch zutrifft, denn es wird eine gesunde Mischung aus Elektro, Minimal und Industrial geboten, typisch Heimstatt Yipotash eben. Musikalisch also alles vollkommen in Ordnung. Bis auf wenige Ausnahmen lädt Mecanismos De Control durchweg zum Kopfnicken, wenn nicht sogar zum Tanzen ein denn es herrschen schneidige Elektrosequenzen, die teilweise sogar sehr Minimal und EBM angehaucht sind vor und diese werden überwiegend von einem mitreißenden Beat begleitet. Was dieses Album aber so interessant macht ist die Thematik mit der es sich beschäftigt, denn Mecanismos De Control ist sehr politisch und die, meistens auf spanischer Sprache, eingestreuten Sprachsamples unterstreichen die jeweilige Aussage dementsprechend. Staatliche Überwachung, das ständige Bestreben um wirtschaftliches Wachstum und die daraus resultierenden Auswirkungen auf die Bevölkerung und vieles mehr. Heimstatt Yipotash haben sich Gedanken gemacht über das, was seit einiger Zeit auf der Welt passiert und setzen dieses gemäß ihrer eigenen Auffassung musikalisch um und das sehr einfallsreich und geschickt, denn Mecanismos De Control klingt niemals aufgesetzt, sondern sehr durchdacht und regt durchaus zum Nachdenken an. Auch beim fünften Album auf Hands geraten Heimstatt Yipotash nicht in Gefahr, sich selbst zu wiederholen. Einfallsreiche Sounds und Rhythmen zusammen mit einem aussagekräftigen roten Faden, der sich durch das gesamte Werk zieht, machen Mecanismos De Control zu einem sehr empfehlenswerten Album darf in der heimischen CD-Sammlung natürlich nicht fehlen. (4,5 von 6)

Cacophoneuses - The Myth of Lorelei

Ein weiterer Neuzugang beim Hands-Label sind Sandra und Joséphine, besser bekannt als Cacophoneuses. Die beiden Künstlerinnen haben ihre Qualitäten schon 2013 beim Techno-Industrial Festival Fondation Sonore und beim Maschinenfest unter Beweis gestellt und bringen nun ihr Debütalbum The Myth Of Lorelei raus.Das Album pendelt sich nach einem eher ruhigen und passenden Intro im technoiden Rhythm and Noise ein, wobei die technoide Seite zwar klar herauszuhören ist, aber nicht unbedingt ständig an erster Stelle steht. Neben den klar tanzflächenorientierten Beats sind es vielmehr die weiteren Sounds, die das Noise im Rhythm and Noise ausmachen und deren Wirkung man nicht unterschätzen sollte, denn dumpfer und monotoner Technobeat wird nicht geboten, eher unterschwelliger, intelligent percussiver Rhythmus zu tanzbaren Beats und das kommt mal gradlinig und mal verschroben daher. Die Ausgewogenheit zwischen Beats und Noise macht durchaus auch ein Hören im heimischen Wohnzimmer möglich.Selbstverständlich gibt es diese Art von Musik schon und von Grund auf neu erfinden kann man diese auch nicht, aber wenn man sich schon diesem Genre verschreibt, dann wenigstens richtig und handwerklich gut gemacht und genau das findet man bei Cacophoneuses. Mit Liebe zum Detail ausgearbeitete und -gefeilte Sounds und Rhythmusstrukturen, wummernde Bässe und industrielle Flächen bestimmen The Myth Of Lorelei und macht verdammt viel Spaß.Ein gelungenes Debüt, ein klarer Angriff auf die Tanzflächen der Clubs und ein willkommener Zuwachs bei der Hands-Familie. Wer Rhythm and Noise der technoideren Sorte mag, kann bedenkenlos zugreifen. (4,5 von 6)

Underhill – Prologue

Das Debutalbum Silent Siren war 2012 eine richtige Sensation, denn eine deartige Mischung aus den verschiedensten Musikstilen hat es bis dahin, zumindest genre-konform, wahrscheinlich nicht so oft gegeben. Was also bringt der Nachfolger?Zunächst fällt auf, dass sämtliche Songs instrumental sind, was die Liebhaber des Über-Songs Blind wahrscheinlich sehr bedauern werden und überhaupt scheint das ganze Album etwas zurückgenommener zu sein, als noch der Vorgänger. Die gesamte Musik erscheint vorsichtiger und bedachter. Prologue ist ruhig und maßvoll aber nicht weniger gewaltig und eindringlich. Wummernde und wabbernde Bässe, Dubstepsequenzen und sehnsuchtsvolle Melodien, wie zum Beispiel im wunderschönen Two Keys Black, verschmelzen nach wie vor zu einem gesamten Etwas, auch zu etwas Großem, aber es fehlt der Bombast und das steht dem Album sehr gut. Angelegt auf das Hören im heimischen Gefilden ist vollkommen klar, dass keine Tanzflächenfüller vertreten sind, aber Underhill bieten dem Hörer etwas, das tiefer geht, eine kleine Oase zum Zuhören, einen ruhigen Punkt inmitten des Alltags, ohne, dass Prologue zu nichtssagender Hintergrundmusik verkümmert. Es gewisse düstere Grundstimmung ist nicht von der Hand zu weisen und auch eine unterschwellige Melancholie ist ständig hörbar und gerade das macht dieses Album so fantastisch, denn es ist voll mit beinahe trauriger, sehnsuchtsvoller und doch positiver Musik und Stimmung. Underhill haben sich auf ihrem zweiten Album selber zurückgenommen und minimiert und das Ergebnis kann sich sehr gut sehen lassen.Prologue ist die Reduzierung auf das Wesentliche, auf die Essentielle der Musik, ist quasi die Entschleunigung für alle gestressten Konsumenten elektronischer Musik. Prologue bringt den Hörer aber nicht nur runter, es offenbart auch viel nie Dagewesenes. (4,5 von 6)

Hezzel – Exposure

Mit Hezzel begrüßt die Hands-Familie ein weiteres, vielversprechendes Mitglied, diesmal aus Lettland.
Das Debütalbum mit dem Titel Exposure ist ein Einstand, wie man ihn sich nur wünschen kann, denn Hezzel hat sich dem rhythmischen Industrial verschrieben und präsentiert diesen sehr gekonnt und ausgeklügelt. Das Hauptaugenmerk liegt hier, obwohl es die musikalische Ausrichtung durchaus hergeben würde, nicht nur auf dem Rhythmus, sondern vielmehr auf dem ganzen Drumherum, dem Brummen, Rauschen, Poltern, den Samples und den Sounds, die den Rhythmus auffüllen und begleiten. Hezzel schafft Atmosphäre, nicht durch sphärische Sounds, sondern eher durch gut ausgewählte, zusätzliche Sounds, womit teilweise der Noise und nicht der Rhythmus das Sagen hat aber ohne, dass die Musik in einer reinen Krachorgie ausartet, im Gegenteil, hier kann wirklich von Rhythm and Noise ausgegangen werden. Obwohl es sich hier also um die klassischen Zutaten für Rhythm and Noise handelt, versteht es Hezzel außerordentlich gut, immer dieses eine kleine Quäntchen Überraschung mit einzubauen, dieses gewisse Etwas, womit man eine leckere Mahlzeit würzt und Hezzel tischt ordentlich auf. Statt aber einfach puren Rhythmuskrach zu servieren, konzentriert man sich eher auf die kleinen Feinheiten, auf kalte, industrielle Sounds, die mit den Stilmitteln des Genres verstrickt und verwoben werden und eben genau den Sound dieses Albums ausmachen.
Exposure ist ein gelungener Einstand und eine mehr als lohnenswerte Bereicherung in jeder Sammlung, denn Hezzel versprüht einen gewissen Charme und Eigenständigkeit, denen man sich als Hörer nur schwer entziehen kann. (4,5 von 6)

Sylvgheist Maelström - Pripyat

Nicht allzu lang nach seinem Debut präsentiert Sylvgheist Maelström, auch auf Hands, das Nachfolgealbum, welches nicht weniger experimentell daherkommt, aber durchaus gradliniger und eingängiger.
Pripyat, so der Albumtitel, ist die Stadt, in der das Atomkraftwerk von Chernobyl seit dem schrecklichen Unfall 1986 als Mahnmal und Synonym für das menschliche Eingreifen in die Natur steht und uns nicht nur erinnern, sondern auch warnen sollte. Mit jedem Ton, mit jeder Fläche ist der Verfall spürbar, die Bilder der zerstörten Natur bohren sich in den Kopf und verbreiten eine sehr düstere Stimmung. Der immerwährende Rhythmus, der Takt des Untergangs wälzt sich stetig nach vorne, verschlingt immer mehr, geht immer weiter und steht nie still. Nichtmal der vielzitierte Soundtrack zum Untergang wäre hier vollkommen fehl am Platz und auch viel zu platt, denn Sylvgheist Maelström geht schleichender vor, die Wandlung von gesund zu krank geschieht langsam und fast unmerklich, dafür aber beständig und ohne Aufhalt oder Chance zum Eingreifen. Nicht nur Chernobyl, auch andere, unfassbare menschgemachte Katastrophen stehen Pate für Sylvgheist Maelströms musikalischen Output und hinterlassen den gleichen Eindruck der totalen Hilflosigkeit. Pripyat ist so viel mehr als nur düstere Flächen und Bässe mit Rhythmus versetzt, Pripyat hat Substanz, hat die Fähigkeit Emotionen zu vermitteln. Sylvgheist Maelströms Musik zeigt aber nicht nur den menschengemachten Verfall der Natur auf, sondern auch die wunderbare Gabe und Fähigkeit, den auch noch so schlimmen Katastrophen zu trotzen und sich nach und nach ihr Gebiet zurück zu erobern. Die Umgebung um Chernobyl ist mittlerweile wieder grün und teilweise sogar überwuchert, denn die Natur hat sich zurückgeholt, was ihr einst genommen wurde und auch diesen Umstand, dass die Natur niemals aufgibt, drückt der Künstler mit seiner Musik aus, mit Synthflächen, Bassläufen, Melodien, Rauschen und Rhythmus, eben allem, was ein gutes Album in diesem Genre ausmacht und dazu noch eine große Portion Eigenständigkeit und Konzept. Sylvgheist Maelström beschreibt auf sehr eindringliche Weise die Metamorphose der Natur von Vergehen bis Wiederauferstehung, von Vernichtung bis Wiedergeburt.
Pripyat ist, wenn man den Hintergrund des Albums kennt, nicht sehr einfach zu verdauen, wird dieser aber außer Acht gelassen, bekommt man ein sehr gutes Album elektronischer Musik, von dem das ein oder andere Stück auch durchaus tanzbar ist, dafür sorgen unter anderem auch die beiden Remixe. Dennoch sollte das Album unter Berücksichtigung des Konzepts komplett durchgehört werden – es lohnt sich. (4,5 von 6)

Detritus - The very Idea

The very Idea ist bereits das sechste Studioalbum von Detritus und für alle noch folgenden, legt er sich die Messlatte sehr hoch, denn auch zehn Jahre nach seinem Debutalbum zeigt dieser Künstler, dass seine Kreativität schier unendlich scheint.
Filmmusik wäre zu einfach und zu glatt, um dieses Werk zu beschreiben, Theatermusik schon eher. Die Stimmung, die Detritus verbreitet erinnert sehr stark an Theaterszenen, wie man sie aus alten Filmen kennt. An einen schwach beleuchteten Theatersaal mit dicken Teppichen, gepolsterten Sesseln, üppigen Logen und Vorhängen aus schwerem Samt, dazu jede Menge Prunk und Jahrzehnte altem Charme. Ein Klavier steht seitlich auf der Bühne und Detritus beginnt zu spielen, sobald sich der Vorhang hebt. Wenn man die Augen schließt, dann kann man die gesamte Vorstellung sehen, wobei die Handlung ganz vom Hörer abhängt und simultan zur Musik in seinem Kopf entsteht. Detritus kreiert wunderschöne, altmodisch anmutende und deshalb auch zum Theater passende Pianoklänge und -melodien, versetzt diese aber mit modernen Beats und Bässen, sodass ein Spannungsbogen zwischen Alt und Neu entsteht, der durch die Dramaturgie des Theaterstücks mal mehr und mal weniger gespannt wird. Durch diese Fusion der Klänge beschreibt Detritus auf einzigartige Weise, was gerade auf der Bühne passiert. Mal gibt es lustige und heitere Szenen, mal wird es dramatisch und spannend. Die passende Atmosphäre, die idealerweise auch durch Knack- und Knarzgeräusche wie man es von alten Schallplatten her kennt, erzeugt wird, wird auch durch die fast ständig im Hintergrund präsente Stimme, die gleich einer Souffleuse in das imaginäre Geschehen eingreift, ohne die Handlung zu stören, erschaffen.
Detritus ist ein sehr vielseitiger Künstler, der niemals still zustehen scheint und mit diesem Album die perfekte Mischung aus rauen Beats, aggressiven Bässen und sanften Pianoklängen mit ruhigen Sequenzen ein perfektes Album erschaffen hat. Ein absolutes Muss! (5 von 6)

Monolith - Crashed

Eric van Wonterghem ist kein unbeschriebenes Blatt und muss eigentlich auch gar nicht mehr vorgestellt werden, denn Bands wie Insekt, Absolute Body Control und Sonar tragen die unverkennliche Handschrift des Belgiers. Mit seinem Soloprojekt Monolith kann er nun auch schon auf 17 Jahre musikalisches Schaffen zurückblicken und hat sich mit dem Überclubhit Disco Buddha auch ein wohlverdientes Denkmal gesetzt. Monolith ist mit seinem neuen Album Crashed nun Teil der Hands-Familie und präsentiert erneut eine geballte Ladung Electro-Industrial. Der Sound von Monolith war schon immer sehr rhythmusbetont und seine Nähe zum Techno durchaus erkennbar, aber mit Crashed bewegt sich Eric van Wonterghem nun mehr im Technobereich als jemals zuvor, ohne allerdings seine musikalischen Wurzeln zu ignorieren. Nach einem sehr gelungenen Intro haut Monolith dem Hörer in gewohnter Manier Beats um die Ohren, dass es nur eine wahre Freude ist. Was aber ist jetzt so anders, als bei den Vorgängeralben, was rückt dieses Album näher zum Techno? Eigentlich ist Crashed gar nicht so weit weg vom vorherigen Output des Wahl-Berliners, aber eine Verschiebung in Richtung Techno ist unverkennbar. Die Verzerrung der Beats wurde vorsichtig zurückgenommen und es wurde mehr Wert auf Geradlinigkeit gelegt wobei der Schwerpunkt auf sich wiederholende Beats liegt. Sprachsamples, Basslines und Flächen werden noch sparsamer als sonst eingesetzt und somit der Rhythmus unwiderruflich in den Vordergund gesetzt. Gerade dieser Minimalismus ist das Besondere und die Essenz dieses Albums, denn trotz der Monotonie kommt keine Langeweile auf und genau an dieser Stelle schließt sich der Kreis zu den vorherigen Veröffentlichungen. Crashed beinhalted neben leicht sphärischen und chilligen Electro-Sounds auch lupenreine Tanzflächenfüller, die jeden Club, der sich die Verwendung von guter elektronischer Musik verschrieben hat, zum Kochen bringen werden. Dieses Album funktioniert überall, sogar Zuhause per Kopfhörer, denn Eric van Wonterghem hat einfach ein Händchen für das, was gute Musik ausmacht und er hat vor allen Dingen, neben der nötigen Ernsthaftigkeit natürlich, Spaß an dem was er macht. Das hat man nicht nur bei seinem Konzert beim diesjährigen Forms of Hands-Festival gesehen, das hört man jedem seiner Veröffentlichungen an und das macht ihn nicht nur sympathisch, sondern auch glaubwürdig und letzteres ist ja auch irgendwie ein Garant für gute Musik. Monolith scheint dort angekommen zu sein, wo seit Jahren drauf hingearbeitet wurde und es steht ihm verdammt gut. Neben den zweifelsohne überragenden musikalischen Qualitäten des Künstlers ist Crashed auch produktionstechnisch ein kleines Meisterwerk und hier macht Eric van Wonterghem so schnell keiner was vor. Das neue Album von Monolith knüpft nahtlos an vorherige Veröffentlichungen an, denn es erreicht genau die Stelle, auf die das Vorgängeralbum The inner Core und die EP Near crash unverweigerlich hinführen mussten. Eric van Wonterghem ist ein Meister der Techno-Industrial-Beats und ist mit Crashed nicht nur eine Bereicherung der Hands-Familie und den Clubs dieses Planeten, sondern auch für die heimische Tonträgersammlung, denn Monolith ist und bleibt Monolith. (5 von 6)

hyDrone - Chronos

Jedes Mal, wenn sich das jährliche Labelfestival Forms of Hands nähert, sind alle Freunde der Musik des Dortmunder Labels gespannt, welche Neuigkeiten es dieses mal geben wird und mit dem Neuzugang hyDrone sorgt Hands dieses Jahr für den ersten musikalischen Höhepunkt. Der Grieche Panos Kouretas veröffentlicht, nach einigen CD-R auf Fich-Art und Le Petit Machiniste und einer Vinyl auf Sealt, mit Chronos sein Debutalbum auf Hands. Chronos, ein Konzeptalbum über Zeit und dessen Wahrnehmung, bewegt sich überwiegend im ruhigen Bereich, Rhythmus ist eher unterstützend und ergänzend als bestimmend eingesetzt. Was aber nun macht Chronos so einzigartig und interessant? Zunächst einmal sind Konzeptalben immer spannend, möchte man doch mitbekommen und heraushören, wie das Thema umgesetzt wurde und es im Laufe der Spielzeit behandelt und fortgeführt wird. Zu beginn wird der Hörer durch gekonnt in den industriell-ambienten Klangteppich eingewebte Sprachsamples in die richtige Stimmung versetzt und von Track zu Track weitergeführt, in und durch das Konzept, den Sound und die Zeit. Panos Kouretas macht alles richtig, denn er bewegt sich zwar im Ambientbereich, konzentriert sich aber nicht nur ausschliesslich darauf, sondern verwendet auch viele andere Stilmittel und ungewöhnliche Sounds, die sich zwar, verständlicherweise, im gesteckten Bereich befinden, aber dennoch nicht typisch und einseitig klingen und vorsichtig kann ansatzweise von frischem Wind im Ambientbereich gesprochen werden, zumal es sich ja nicht um ein reines Ambientalbum handelt, diese Bezeichnung käme Chronos nicht mal annähernd gerecht, denn das Album weist durchaus rhythmische und eingängige Elemente und Passagen auf, so wird Chronos [Cronos/Chronos] bestimmt für eine Bereicherung in entsprechenden DJ-Sets sorgen. Chronos, die Zeit, klingt irgendwie düster und schleppend, ganz gemäß des Titels muss es auch immer weitergehen, die Zeit steht niemals still und hat mit diesem Album den perfekten Soundtrack gefunden: Ambient, aber nicht zuviel davon, Rhythmus ist vorhanden, aber nicht zu viel und nicht aufdringlich, Noiseflächen und Melodien gibt es auch, aber nicht zu viel und nicht zu vordergründig. Drei Remixe runden Chronos ab und während sich Gjöll und Libido Formandi eher im gewohnt ruhigen Umfeld aufhalten, dreht Proyecto Mirage ein wenig mehr an der Rhythmusschraube und weiß dadurch sehr zu gefallen.
Chronos handelt nicht nur von Zeit, es benötigt auch selbige, aber Easy-Listening war bei diesem Release auch bestimmt nicht beabsichtigt. Industrial- und Ambient-Liebhaber können getrost zugreifen und Neulinge werden viel zu entdecken haben. Für das wundervolle Chronos [Cronos/Chronos] gibt es übrigens einen halben Extrapunkt. (5 von 6)

2methyl - Orb

2methyl, die Kurzform von 2methylbulbe1ol, wie Nicolas Druoton sein Projekt vorher nannte, präsentiert mit Orb, einer 12inch Vinyl, sein erstes eigenes Drum´n´Bass-Release, nachdem er schon mit Musikern wie Niveau Zero und Hecq in dieser Richtung zusammengearbeitet hat.
Bei diesem Output von 2methyl handelt es sich zwar um sehr rhythmusbetonte Musik, aber nicht um die aufdringliche Sorte, sondern eher um schleichenden und begleitenden Drum´n´Bass. Es sind vielmehr die feinen Melodien und Sounds, die Orb so interessant und fließend gestalten und mit dem Stück Green Shifter findet diese Symbiose aus Rhythmus und Klang ihren wunderschönen und melodiösen Höhepunkt, wobei sich nicht verleugnen lässt, dass Nicolas Druoton sich desöfteren auch mit Dubstep beschäftigt hat. Das Hineinkommen in die Musik von 2methyl fällt aufgrund der ausgefeilten Strukturen, der Flächen und kleinen Melodien sehr leicht und hinterlässt einen sehr angenehmen Eindruck, was jetzt aber nicht heißen soll, dass Orb belanglose Hintergrundmusik ist, denn das stimmt ganz und gar nicht, aber das gesamte Release ist einfach sehr durchdacht und eingängig und selbst die Ecken und Kanten, die diese Art von Musik unweigerlich mit sich bringt, sind zwar vorhanden und auch hörbar, aber auf einem hohen Level mit in die Grundstruktur eingebettet. Abgerundet wird das Vinyl mit dem Remix von The Sect, der den Rhythmus noch einmal mehr in den Vordergrund schiebt. Laut Pressetext ist Orb das erste Release, bei dem sich der Künstler vollkommen auf Drum´n´Bass fokussiert. Da kann man gespannt sein, was bei den nächsten Veröffentlichungen herauskommt, denn dieses hier legt die Messlatte schon ziemlich hoch. (4,5 von 6)

Autoclav 1.1 - Embark on departure

Seit 2004 bereichert Tony Young, besser bekannt als Autoclav1.1, die Musiklandschaft mit seiner einzigartigen Mischung aus IDM, moderner Electronica und Industrial. Gerade mal zwei Jahre sind seit „all standing room in the goodnight saloon“ vergangen, da erscheint mit „embark on departure“ ein weiteres Album und auch dieses neueste Werk ist eine Melange aus fast sämtlichen dieser musikalischen Stile, ohne das, sicherlich breit gefächerte, Genre zu verlassen. Vorrangig ist, wie immer, das herrliche Piano begleitet von mal mehr und mal weniger aufgewühlten Beats. Doch Tony belässt es nicht dabei und beschert dem Hörer neben phantastischen Melodien, emotionalen Sounds und ausgeklügelten Songstrukturen auch mal Breakbeats die nicht bis zur Unkenntlichkeit verzerrt sind, wie zum Beispiel bei „recent conversation“ und mit „scars“ einen fast schon straighten Clubtrack, bei dem niemand geringeres als Claus Larsen die Vocals beisteuert. Teilweise wird sogar auch mit dezenten Gitarrensounds gearbeitet – für Abwechslung ist also gesorgt, dazu tragen neben Tonys kreativer Vielseitigkeit auch die Gäste ein, die für „Embark on departure“ eingeladen wurden um bei einigen Songs mitzuarbeiten: Mike Morten von Displacer, Jacob Rouse, der bei Alter der Ruine sein Unwesen treibt, Kate Turgoose und eben schon erwähnter Claus Larsen.
Was mich besonders begeistert ist die Wandlungsfähigkeit der Stimmungen, die die Musik auslösen kann – man kann „Embark on departure“ sowohl am helllichten Tag im Sonnenschein und guter Laune genießen oder auch im Halbdunkeln bei schlechtem Wetter.. man hat immer den geeigneten Soundtrack dabei, wobei „Sountrack“ ein gutes Stichwort ist, denn auch zu dem ein oder anderen Film würde die Musik von Autoclav1.1 sehr gut passen - da kommen mir das herrlich stimmungsvolle „tick.tock“ oder das sehr emotionale „no running away from this“ in den Sinn. Tony Young schafft es immer wieder ein so unübersichtliches Genre wie das der Electronica und IDM zu bereichern und aus den mittlerweile nahezu fast unzähligen Veröffentlichungen herauszustechen ohne langweilig zu werden oder sich gar bis zur Unerträglichkeit zu wiederholen. „Embark on departure“ bietet neben wundervoller Musik auch genügend Abwechslung und Emotionen um einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen und hat dazu auch noch genügend Ecken und Kanten, die ein gutes Album in dem Genre einfach haben sollte. Mit meiner Bewertung halte ich es wie damals in der Schule: Ich vergebe nicht die Höchstwertung, weil ich denke und hoffe, dass Tony noch Luft nach oben hat und uns in absehbarer Zeit ein weiteres wundervolles Album präsentieren wird. (5 von 6)

Dirty K - Torrents of Fury

Dirty K, das sind Kaysha und Ryan aus England, bringen nach einigem seit 2006 selbst produzierten Output mit „Torrent of Fury“ ihr Debütalbum auf Hands Productions.
Das Album basiert auf einem sehr lebhaften Traum von post-apokalyptischen Szenarien, zerstörten Gebäuden und düsteren Landschaften. Klingt fast schon zu klischeehaft, oder ? Aber Dirty K belassen es nicht bei einer reinen musikalischen Beschreibung des geträumten Weltuntergangs sondern tauchen tiefer, viel tiefer, in das Geschehen ein und lassen den Hörer teilhaben an der Zerstörung und Verzweiflung. Zwar wird sich nahezu allen gängigen und typischen Rhythm and Noise-Elementen bedient, aber Kaysha und Ryan verbinden das Ganze nicht einfach zu einem uninspirierten und -strukturiertem Geballer, sondern bringen jeden einzelnen Track genau auf den Punkt, wobei auch die Clubtauglichkeit nicht zu kurz kommt. Wie es bei Träumen so ist, entwickelt sich sich ein bestimmtes Szenario und eine ganz besondere Stimmung baut sich auf. Genau diesen Aspekt des Träumens benutzen Dirty K und bauen jeden Track, mal mehr und mal weniger, erst langsam auf um dann in einem wahren Soundgewitter zu enden. „Torrent of Fury“ bietet also alles, was das krachige Herz begehrt, beschreitet vorhandene Pfade aber scheut sich nicht vor Eperimenten. Dirty K verschmelzen gekonnt knallharte Rhythmen, düstere Sounds und Flächen, Eingängigkeit, Tanzbarkeit und Emotionen und ich führe hier gerne das Wort „Kopfkino“ an, allerdings ist es kein leichtverdaulicher Film. (5 von 6)

Object - Mechanisms of Faith

Alle paar Jahre überkommt es mich und ich krame diverse alte Tonträger aus meinem Regal, entstaube sie und höre den nostalgischen Klängen zu. Das hört sich jetzt etwas sehr romantisch an, aber tatsächlich passiert das so bei mir und ich denke mal, dass es einigen anderen Leuten auch so gehen wird. Zuletzt geschah dieses mit den Alben „Brainstorming“ von Yelworc und „Galleries of Pain“ von Placebo Effect. Damals wie heute sind diese beiden Alben wahre Perlen des Dark Electro und ich möchte jetzt auch nicht ins Schwärmen geraten und über die so oft herangezogene „gute alte Zeit“ reden – Zeiten ändern sich nun mal. Auf jeden Fall wurde damals schlichtweg „Dark Electro“ zu düsterer elektronischer Musik gesagt und lange Zeit ging das auch gut, bis es immer stiller wurde und kaum noch jemand von diesem Genre sprach, weil sich irgendwann zig Subgenres aufgetan hatten.
Andreas Malik, besser bekannt durch sein Projekt Object, veröffentlicht nun, im Jahr 2012, mit „Mechanisms of Faith“ ein Doppelalbum, welches das Zeug hat, dieses totgeglaubte Genre neu zu beleben. Natürlich kommt Object auch nicht ohne Klischees aus und verwendet die genre-typischen Sequenzen, düstere Flächen und Samples, aber das ist nicht schlimm und gehört auch irgendwie dazu. Die treibenden Beats machen nahezu jeden Song tanzbar und die, glücklicherweise mal nicht auf ein Fauchen verzerrte Stimme komplettiert die düstere Stimmung, die das komplette Album durchzieht. So muß Dark Electro sein!
Obwohl sich das ganze Album irgendwie auf ein Genre der 1990er Jahre bezieht, klingt "Mechanisms of Faith" keineswegs angestaubt oder nach schlichtem Aufguß, sondern erfrischend neu bzw. anders und gerade weil dieses Album einen leichten Retroeinschlag hat, sticht es aus der Masse hervor und ist nicht nur für Oldschooler oder Nostalgiker empfehlenswert. Einzelne Tracks oder Remixe hervorzuheben wäre vergebens, denn jeder Song auf „Mechanisms of Faith“ steht für sich alleine und kann selbständig überzeugen und um nochmal in die Klischee-Kiste zu greifen: Dieses Album bietet wirklich „all killer – no filler“. Ich habe sogar noch irgendwo das Demotape „Vacant Galaxies“ aus dem Jahr 1998 herumliegen und werde mir dieses umgehend nochmal ins Tapedeck werfen - der alten und der neuen Zeiten wegen. (5 von 6)

Various Artists - Forms Of Hands 12

Es muss ja eigentlich nicht mehr erzählt werden, dass das jährliche Forms of Hands zu den Topadressen der kleinen aber feinen Festivals zählt, denn es werden jedes Jahr beinahe sämtliche Facetten der elektronischen Musik präsentiert.
Jedes Jahr ein reines Labelfestival auf die Beine zu stellen verdient schon Respekt, birgt aber auch die Gefahr eventueller Gleichartigkeit und Wiederholungen, denn die wahre Kunst liegt ja darin, jedes Jahr auf´s Neue Abwechslung und Vielfältigkeit zu bieten und das gelingt den Machern jedes Jahr auf´s Neue und davon zeugt der parallel zum Festival erscheinende Sampler. Dieser gewährt dem Hörer entweder das Schwelgen in Erinnerungen, einen Vorgeschmack auf das kommende Forms of Hands oder einfach nur einen exklusiven Überblick über das Labelprogramm, denn alle Beiträge sind wie immer eigens für diese Compilation zusammengestellt und bisher nicht veröffentlicht worden..
Gleich der Opener, ein Neuzugang in der Hands-Familie, bietet ganz großes Kino, denn Saturmslize verbindet Rhythmus mit sphärischen Sounds und Flächen, etwas verzerrt aber nicht zu viel und damit Kopfkino wie ich es mag. Ein weiterer Neuzugang sind 1979 und im Gegensatz zum vorherigen Act gibt es hier Rhythmus pur: Verzerrte Loops, wuchtige Schläge und Noisekonstrukte, die ein wenig retro aber nicht angestaubt klingen – sehr feiner Rhythmindustrial der an Sonar erinnert. Mit Syntech, 13th Monkey, S.K.E.T. und Mono No Aware melden sich nun die Altmeister zu Wort und präsentieren ihren typischen Style an Tribal, Industrial, Darktechno, Rhythm and Noise und eben jenes I-Tüpelchen, welches das Besondere an Hands ausmacht. Sylvgheist Maëlström ist ebenfalls neu dabei und bieten ein wenig Kontrastprogramm zum vorherigen Style. Ich würde das ganze mal grob als Electronica bezeichnen, komplex und etwas unterkühlt und anders – gefällt mir ganz gut. Dirty K. verlassen den eingeschlagenen Pfad und stampfen wieder geradeaus dass es nur so eine Freude ist. Mit diesem Duo aus England hat sich Hands eine wahrliche Powermaschine ins Boot geholt. Etwas ruhiger und melodiöser wird es beim folgenden Nullgrad. Hier ist der Titel „Fenster in eine andere Welt“ Programm, denn die Sequenzen und Melodien laden zum Träumen, aber nicht zum Einschlafen, ein. 16Pad Noise Terrorist hat mich persönlich dem Breakbeat und Drum and Bass nähergebracht, denn hier geht es nicht alleine um puren Rhythmus und Bass, es werden auch Flächen, Melodien und andere Strukturen mit eingebaut, die den ganzen Track interessant und abwechslungsreicher machen. Als vorletzter Künstler präsentiert das Hands-Urgestein (und das meine ich sehr positiv) MS Gentur wie gewohnt harte Kost, die auf die Tanzfläche zielt und trotzdem nicht monoton wirkt. Ich hatte mit dem letzten Künstler auf dieser Compilation immer so einige Schwierigkeiten, denn Needle Sharing war mir immer eine Spur zuviel Drum and Bass und Breakbeat. Allerdings muss ich zugeben, dass mir dieser Track durchaus gefällt: Sehr kraftvoller Rhythmus und eine fette Bassline, davon könnt ich gerne mehr haben.
Die Mischung aus Neuzugängen und etablierten Acts funktioniert auf „Forms of Hands 12“ tadellos, macht Laune und bietet mehr als nur einen Labelüberblick – nämlich richtig gute Musik. (5 von 6)

VNDL - Gahrena: Paysages Électriques

VNDL ist das Projekt von Philippe Vandal aus Montreal, Kanada und mit "Gahrena" gibt er sein Debut auf Hymen. Nach eigenen Angaben wird Philippe von Künstlern wie u.a. Access to Arasaka inspiriert und so wundert es auch nicht, dass es auf dem Album auch Zusammenarbeiten mit u. a. Nebulo und Pleq zu finden sind und einen Remix für Architect hat VNDL auch schon angefertigt, also deutet alles auf eine vielschichtige Klanglandschaft hin. Alle vier zuvor genannten Künstler sind mir ein Begriff und ich höre deren Musik auch sehr gerne - VNDL kannte ich bisher noch nicht war aber sehr gespannt auf das Album. Das ganze Album klingt so, als wenn tausende Puzzleteile durcheinandergewirbelt wurden und dann einfach wieder zusammengesetzt worden sind. Manchmal kann man Ansätze von Melodien, Rhythmus oder Konstanten entdecken, die aber sofort wieder in unendlich verschiedene Richtungen zu laufen scheinen und sich urplötzlich wieder herantasten und das momentan vorhandene Soundspektrum zu zerstören. Das mag sich jetzt vollkommen abgehoben anhören, irgendwie nach dem Versuch einer Interpretation und zumindest letzteres stimmt auch. Dieses Album kann ich nur versuchen zu beschreiben, denn die Musik ist so vielfältig, dass es gar nicht möglich ist, auch nur ansatzweise eine Art Beschreibung zu finden - "Gahrena" einfach nur in die Schublade "IDM, Glitch, Electronica" zu stecken wäre einfach nicht ausreichend. Die Musik besteht mehr aus Fragmenten, teilweise sind Töne einer Akkustikgitarre zu hören, Rauschen, Pfeifen, Glocken, Bass, Schlagwerk und vieles mehr. Alles ist irgendwie zusammengesetzt und manchmal scheint es überhaupt keinen Sinn zu ergeben und man ist geneigt einfach auszumachen oder die Skiptaste zu drücken, weil man eine solche Unregelmäßigkeit an Takt und Rhythmus einfach nicht gewohnt ist, aber dann entdeckt man doch, dass alles irgendwie einen Sinn ergibt, dass sich mehr dahinter verbirgt als eine reine Aneinanderreihung von Tönen und Geräuschen und gerade das ist das Spannende, was dieses Album ausmacht. Ich muß zugeben, dass es einige Zeit dauert um sich an einen solchen Sound zu gewöhnen und ihn aufnehmen zu können, aber gerade das macht das Ganze auch so interessant. "Gahrena" ist wahrlich keine einfaches Album, nichts für nebenbei und schon gar nichts für die Clubs. Aber was ist es dann ? Ein Album, auf das man sich einlassen muss und welches entdeckt werden muss. Es ist keine leichte Kost, aber wer sich mit der Beschreibung anfreunden kann, der wird vieles entdecken und wer Nebulo und Pleq mag und einen Schritt weitergehen möchte, der sollte ruhig mal reinhören. (4 von 6)

Le Diktat & Kirdec - Mourir De Bonne Heure

Le Diktat habe ich vor einiger Zeit mal live gesehen und war sehr begeistert und eigentlich müsste der Song „Cold Fusion“ aus den Clubs ziemlich bekannt sein, denn hier wird Breakcore, Drum and Bass mit Samples von Dead Can Dance gemischt und überhaupt mischt Le Diktat so ziemlich alles was ihm in die Finger kommt.
Kirdec war mir bis jetzt kein Begriff, aber nach einigen Recherchen im Internet bekam ich heraus, dass es sich um den umtriebenen C-Drik handelt – eine Hälfte des Projects Axiome, welches mir wiederum ein Begriff ist. Die vorliegende Split-CD weckte also einige Erwartungen in mir. Der automatische Internetübersetzer gab beim Titel „Mourir de Bonne Heure“ als deutsche Übersetzung „Gute Zeit zum Sterben“ aus und somit war der Grundtenor auch gegeben. Es gibt Solo-Titel der beiden Künstler und auch Kollaborationen, wobei ein Unterschied zwischen den verschiedenen Tracks nicht unbedingt erkennbar ist. Meistens wird ein Beat auf ein Grundgeräusch gelegt und mal aufgebaut und wieder reduziert. Mal werden richtig tiefe und durchdringende Bässe benutzt, mal Sprachsamples oder gar Rap-Vocals, aber irgendwie fehlt das etwas. Es gibt Ausflüge zum Dubstep, Drum and Bass, Breakbeat und Darkelectro und schön ist, dass wirklich alles sehr düster gehalten ist. Das ganze Album ist gut hörbar, die Sounds stimmen und irgendwie passt auch alles, aber sämtliche Songs sind langsam bis Midtempo und die Drums ähneln sich ziemlich, so dass sich alles in Gleichförmigkeit auflöst, obgleich der eigentliche Flow sehr gut rüberkommt. Irgendwie kommt das Ganze nicht so richtig in Fahrt. Die Songs sind alle durchweg gut anzuhören, interessant und richtig gut produziert und auch die düstere Grundstimmung kommt sehr gut rüber, aber der Funke springt nicht über und so wird „Mourir de Bonne Heure“ als reine Hintergrundmusik laufen, als solches funktioniert das Album aber richtig gut und vielleicht sollte es ja auch genauso sein. (3 von 6)

Neon Rain - ...of the dead

Wer kennt nicht die erste Zombie-Trilogy "Night of the living dead, dawn of the dead und day of the dead" von George A. Romero? Neonrain nahmen sich zwischen 2005 und 2010 die Zeit, um auf insgesamt drei CDs die Trilogy "Of the dead" zu erschaffen und uns damit einen eigenen, düsteren Soundtrack zu präsentieren, welcher von eben gerade diesen drei Kultfilmen inspiriert wurde - passenderweise sind auch die einzelnen CDs mit A Night, A Dawn und A Day betitelt und auch die einzelnen Titel der jeweiligen Tracks könnten durchaus Namen für Filmkapitel sein.
Alle drei CDs bewegen sich musikalisch auf dem Gebiet des Ambient, Noise und Industrial, wobei es musikalisch zwar keine großartige Unterscheidung zwischen den einzelnen CDs gibt, aber ein roter Faden und eine gewisse Richtung von der ersten bis zur letzten CD ist durchaus erkennbar. Meistens dröhnt, brummt und knarzt es in jeder Ecke und es herrscht eine durchweg bedrohliche Stimmung, welche hier und da durch Sprachfetzen, Samples aus dem jeweiligen Film, oder einzelne Schläge und Rhythmen durchschnitten wird. Während auf den ersten beiden CDs zwar auch vereinzelt rhythmische Passagen in den einzelnen Tracks zu finden sind, behalten hier die eher ruhigeren und beklemmenden Ambient- und Noise-Stücke die Oberhand. Was sich auf der zweiten CD schon leicht abzeichnete findet auf der dritten seinen Höhepunkt, denn hier gibt es überwiegend rhythmische Tracks, die durch ihre minimale Instrumentierung und den schlichten Aufbau zu gefallen wissen und durchaus auf der ein oder anderen Tanzfläche zum Einsatz kommen könnten. Die Stimmung passt durchweg wunderbar zu den Filmen und die gesamte Musik ist sehr gut auf die vorherrschende Atmosphäre zugeschnitten, als optionaler Soundtrack kann Of the dead aber nicht bezeichnet werden, dafür ist die Musik dann doch zu komplex und vielschichtig, aber für das eigene Kopfkino ist bestens gesorgt. Als Gesamtwerk ist Of the dead sehr hörenswert und im abgesteckten musikalischen Gebiet sehr abwechslungsreich und auch das Auge bekommt etwas geboten, denn das Artwork ist herrlich minimal gehalten und nimmt somit bezug auf die Filme. Die ursprünglich angedachte Wertung von 4 Punkten wird durch die dritte CD mit den herrlichen Minimal-Pop-Anleihen auf 5 Punkte erhöht. Of the dead ist auch als limitierte Box erhältlich, welche zusätzlich ein T-Shirt, einen Sticker und eine Bonus-CD, die sich im LoFi-Noise-Style mit der zweiten Zombie-Trilogy beschäftigt, enthält, diese lag für ein Review aber nicht vor. (5 von 6)

Various Artists - More than nine lives

Irgendwie haben Benefiz-Compilations immer so einen Beigeschmack. Warum weiß wohl keiner so genau, aber so richtig warm wird wohl niemand damit. Ein Glück, dass es More Than Nine Lives gibt, denn diese Compilation für den guten Zweck dürfte so einige Zweifler zu überzeugen wissen.
More Than Nine Lives kommt der PAWS (Philadelphia Animal Welfare Society) zugute, die in Chicago dafür sorgt, dass herrenlose Tiere einen würdigen Platz im Tierheim erhalten, damit sie weitervermittelt werden können und nicht einfach getötet werden, bloß weil sie kein Zuhause haben, wie es, laut Klappentext, in den USA wohl üblich zu sein scheint, zumindest entsteht der Eindruck, aber genau kann ich das nicht sagen und somit ist diese Information unter Vorbehalt zu sehen. In einem schicken A5-Folder, der ein wirklich schönes Artwork aufweist, befinden sich zwei CDs, die in unterschiedliche Kategorien eingeteilt, in Attac Cat und Nap Cat, aber einen wirklichen Unterschied, also eventuell die etwas ruhigeren Tracks auf Nap Cat und die mehr rhythmischeren Tracks auf Attac Cat, gibt es nicht, obwohl es diesen Eindruck erweckt. Überraschend ist die Vielfalt an verschiedener Musik, denn More Than Nine Lives deckt von Ambient über Synthpop bis hin zu gitarrenlastigen Wave-Pop zu ziemlich alles ab, was irgendwie szene-konform scheint - das ist erfrischend und bietet eine Menge Abwechslung. Einzelne Tracks hervorzuheben ist bei einer Compilation immer etwas schwierig, vor allen Dingen, wenn eine solche Vielfalt an verschiedenen Stilrichtungen vorliegt, wie es hier der Fall ist. Wenn man sich die einzelnen Titel anschaut, wird man merken, dass einige Songs anscheinend extra für diese Compilation angefertigt worden sind, was dem ganzen Werk eine Art von Exklusivität verleiht. Zu den bekannteren Namen der vertretenen Künstler zählen sicher Synapscape, 100Blumen, The Frozen Autumn, Black Tape For A Blue Girl und Zero Degree, allerdings ist dies natürlich rein subjektiv. Wie bei den meisten Compilations, gibt es auch hier Tracks, die einem mehr gefallen als andere, aber alles in allem gibt es keine Totalausfälle.
More Than Nine Lives ist erfrischend vielfältig, bietet eine Menge zu entdecken und ist darüber hinaus ist es auch noch für einen guten Zweck. (4 von 6)

2 Kilos & More - Kurz Vor 5

Um im weiten Feld der Electronica nicht unterzugehen, muss man schon gehörig auf sich aufmerksam machen. Die beiden Franzosen Sevérine Krouch und Hugues Vilette von 2 Kilos & More schaffen dies, indem sie die typischen Electronica-Elemente mit akkustischen Instrumenten, meistens Bass und Schlagzeug, ergänzen und vermischen. Als reine Electronica-Scheibe kann man Kurz vor 5 auch nicht bezeichnen, denn durch die zusätzliche Instrumentierung gibt es auch mal kurze Ausflüge in etwas rockigere Gefilde. Man kann das Album, wenn eine Schublade gebracht wird, wahrscheinlich am besten mit schmutziger Electronica umschreiben. 2 Kilos & More verlieren sich nicht in endlosen Frickeleien sondern sorgen quasi permanent für Abwechslung, was auch schonmal ein wenig zu experimentell klingen kann, aber niemals ins Belanglose oder gar Nervige driftet. Jede einzelne Note, jeder einzelne Schlag und jeder einzelne Klang scheint bis auf jedes Detail geplant und gesetzt, nichts scheint dem Zufall überlassen worden zu sein und dennoch klingt Kurz Vor 5 leicht und unbeschwert. Es gibt natürlich auch einige Ecken und Kanten, denn sonst wäre das Ganze doch etwas zu glatt. Ein wenig verzerrte Beats, etwas Noise und kleinere Überraschungen gibt es in jedem Track und somit wird das Level immer recht hoch gehalten und gerade das macht das Hören spannend. Mal trifft ein bedrohlich düsterer Rhythmus auf entfernte Sphären, ein tiefer Bass rumpelt durch tiefe Sequenzen, die elektronischen und akkustischen Sounds ergänzen und unterstützen sich hierbei hervorragend. Unterstützt wurden die beiden Musiker nicht nur durch Phil Von, vielen bekannt durch seine Arbeit bei Von Magnet, sondern auch von dem New Yorker Spoken Word-Künstler Sifichi, der bei zwei Tracks dem Sound durch seine Vocals etwas ganz Besonderes verleiht und quasi das I-Tüpchelchen darauf setzt. Kurz vor 5 ist durchweg hörenswert, abwechslungsreich und bietet viel zu entdecken. Für den regulären Electronica-Konsumenten werden vielleicht etwas zu viele Experimente gewagt, wer für sowas offen ist, der wird aber viel Spass an diesem Album haben.
(4 von 6)

Terminal 11 - Self Exorcism

Terminal 11 bzw. Mike Castaneda, der Mensch hinter diesem Projekt, dürfte einigen Freunden der IDM und Electronica bekannt sein, denn es sind schon 11 Jahre seit seinem Debütalbum vergangen und nun erscheint mit Self Exorcism sein zweites Album auf Hymen Records. Hymen Records steht für Qualität und ist darüber hinaus auch dafür bekannt, sich nicht vor sperrigen Veröffentlichungen zu scheuen und auch gerne mal zu experimentieren. Terminal 11 scheint so ein Release zu sein, denn es erschließt sich nicht sofort mein ersten Hören, aber das wäre ja auch irgendwie zu einfach und käme weder dem Label noch dem Künstler in Sachen Anspruch gerecht. Wer sich ins vermeintliche musikalische Chaos von Terminal 11 stürzt muss sich also etwas Zeit nehmen, um erstmal sämtliche Eindrücke richtig einordnen zu können, denn es wird so ziemlich alles geboten, woraus elektronische Musik dieser Art bestehen kann. Das gesamte Album sprüht nahezu über vor lauter unterschiedlichen Ideen und Elementen, die alle gleichzeitig darauf drängen gehört und wahrgenommen zu werden. Abgehackte Rhythmen und tiefe Bässe vermischen sich mit hektischen Breakcoreandeutungen, subtilen Bassdrums und wirren Melodien. Genau das, was manche bei dieser Art von Musik vielleicht als nervig empfinden könnten, wird so geschickt miteinander verschachtelt und verwoben, dass eine ganz eigene Mischung entsteht und sämtliche Elemente, die auf den ersten Blick gar nicht passend erscheinen, im Laufe eines Tracks doch zusammenfinden und die gewünschte Wirkung als Ganzes entfalten und dabei beherrscht Self Exorcism die Gratwanderung zwischen Komplexität und Geradlinigkeit nahezu perfekt.
Terminal 11 verbindet Vielschichtigkeit und Komplexität mit Eingängigkeit und Experimentierfreude und ist somit für jeden Liebhaber von Frickelelektronik wärmstens zu empfehlen. (4 von 6)

Lingouf - Terre De Pierres

Auch nach mehreren veröffentlichten Alben kann man die Musik von Lingouf immer noch nicht so richtig einordnen, denn der Franzose scheint sich bei jeder Veröffentlichung komplett neu zu erfinden. Bisher hat er sich schon in nahezu jedem Bereich von elektronischer Musik aufgehalten und nun begibt er sich auf den Pfad von akustischen Klangquellen und Field-Recordings.
Vincent Lingouf bleibt seinem, sich vorher gesteckten Ziel treu und verwendet überwiegend selbst aufgenommene Geräusche als Instrumente und es scheint so, als wenn einfach alles verwendet worden wäre, was ihm in die Finger gekommen ist. Mal gibt eine Standuhr den Takt an, mal vermischt sich ein Akkordeon mit gefüllten Gläsern und manchmal kommt sogar sein Hund Nausicaa zum Einsatz. Über allen Liedern liegt immer ein gewisser Charme, eine Seele. Gerade die verschrobene Akkordeonmelodie zum Beispiel, könnte hervorragend als Musik zu einem alten französischen Film passen. Sicherlich birgt der Ansatz mit vielen verschiedenen Quellen statt mit regulären Instrumenten zu arbeiten an sich schon Raum genug für klangliche Experimente und demnach ist die Musik auch entsprechend geprägt, aber Terre De Pierres driftet niemals in das zu Künstlerische und Verschrobene ab und ist gerade deswegen hohe Kunst. Natürlich muss man als Hörer offen sein und sich auf musikalische Experimente wie halt Field-Recordings oder Akkordeon einlassen können, aber für diese Offenheit wird man reich belohnt. Das Album sollte auch unbedingt an einem Stück gehört werden, denn so erschließt es sich als Gesamtkunstwerk und lädt zum Eintauchen in das wunderbar verdrehte und aussergewöhnliche Universum von "Terre De Pierres" ein. Vincent Lingouf zeigt wieder einmal, wie vielseitig und überraschend Musik sein kann und dass er die Bezeichnung Künstler mehr als Verdient hat, denn er ist nicht nur für die Musik, sondern auch für das wunderbare Artwork verantwortlich. Einen Extrapunkt gibt es für das fantastische b22 le souffle du feu, welches mit einer traumhaften Melodie daherkommt und dafür, dass "Terre De Pierres" einfach mal etwas anders ist als andere.
(5 von 6)

Sphäre Sechs - Tiefschlaf

Im September 2011 fand in der Wuppertaler Sophienkirche das Phobos-Festival statt. Im Rahmen dieser Veranstaltung gab es ein Schlafkonzert des Projekts Sphäre Sechs, betrieben von Martin Stürtzer (Phelios) und Christian Stritzel. Dieses Konzert liegt nun als Livemitschnitt unter dem Titel Tiefschlaf vor.
Was kann man eigentlich von einem Schlafkonzert erwarten ? Vielleicht langatmige und -weilige Musik zum Einschlafen ? Keineswegs. Nun, es liegt in der Natur des Dark- bzw. Deep-Ambients, dass er nicht gerade von schnellen Rhythmen durchzogen ist und eher unterschwellig und langsam zur Geltung kommt. Tiefschlaf besteht aus sechs Phasen, die ineinander übergehen und miteinander verwoben sind. Pulsierende und an- und ab-schwellende Flächen, tiefe Bässe und Frequenzen. Alles insgesamt sehr ruhig und homogen gehalten - Ambient halt, möchte man sagen, aber Tiefschlaf ist anders, ist puristischer. Während Dark-Ambient in vielen Fällen durch zigfache Schichten von Flächen, Drones und Sequenzen besticht, von hunderten von Geräuschen charakterisiert ist und dadurch eben diese enorme Anziehungskraft und Wirkung aufbaut, ist Tiefschlaf darauf bedacht, Ambient auf das Minimum zu beschränken und sich somit auf das Wesentliche zu konzentrieren. Zu dieser Musik kann man einschlafen - muss man aber nicht, denn obwohl die Absicht hinter diesem Projekt und dem dazugehörigen Schlafkonzert auf das Schlafen abzielt, bietet dieses Album doch genügend Abwechslung, um es sich komplett im wachen Zustand anzuhören.
Sphäre Sechs präsentiert mit Tiefschlaf puren Ambient, der nicht nur zum Einschlafen geeignet ist. (4 von 6)

Hall of mirrors - Altered Nights

Über 100 Minuten Dark Ambient präsentieren uns Hall of Mirrors, ein italienisches Duo bestehend aus Andrea Marutti und Giuseppe Verticchio, die beide schon mit anderen Projekten wie Amon, Never Known und Nimh musikalisch tätig sind. Das Gesamtwerk Altered Nights besteht aus zwei CDs und ist in insgesamt 5 Teile aufgeteilt - Night 1 bis 4 auf CD 1 und Last Night auf CD 2. Grundgebend ist eine durchweg düstere Atmosphäre, einer Mischung aus tiefen Drones, Rauschen, Brummen, analogen Tönen und teilweise auch Samples, die manchmal einen finsteren und schleppenden Rhythmus erzeugen. Beim Hören entstehen unweigerlich Bilder von dunklen Wäldern, frostigen Nächten und unheimlichen Schatten, also wahrscheinlich genau das, was die Musiker beabsichtigt hatten. Altered Nights hört sich irgendwie organisch an, die Sounds klingen nach Holz, nach Stein, nach Natur und alles immer sehr unheimlich und düster. Erstaunlich ist, dass bei einer Tracklänge zwischen 8:10 min bis hin zu 45:27 Minuten niemals Eintönigkeit oder gar Langatmigkeit aufkommt. Für Abwechslung ist also gesorgt und auch innerhalb der einzelnen Tracks wird immer wieder Spannung erzeugt und bis zum Schluß gehalten, wobei sich der Spannungsbogen sehr unterschwellig und schleichend aufbaut und somit exakt in das gesamte Klangbild eingebettet wird. Altered Nights ist wahrscheinlich nichts für einen nächtlichen Waldspaziergang, aber für die dunkle Jahreszeit der perfekte Soundtrack. (4 von 6)

Nexus Kenosis - Elsewhen

Es gibt Alben, die weiß man nicht so recht einzuordnen und manchmal ist das auch genau richtig so. Manchmal aber ist es genau das, was der Musik nicht ganz so gut tut. Henrik Nordvargr Björkk ist mit Namen wie Pouppée Fabrikk, MZ-412 und Folkstorm in Verbindung zu bringen und somit weiß dieser Mann ja auch, was er mit dem Projekt Nexus Kenosis tut. Elsewhen ist grundsätzlich ein gutes Elektro-Album, welches keine gängigen Klischees bedient und auch Freunde härterer Klänge werden auf ihre Kosten kommen, aber irgendwie wirkt alles ein wenig überladen und leicht durcheinander. Es gibt einfach von allem ein wenig zu viel. Hier und Da kommt mal eine geordnete Songstruktur zustande, die wird aber nach wenigen Augenblicken durch scheinbar unendlich viele Effekte sofort wieder verdrängt, was auch für den Gesang gilt, denn der ist schon sehr verzerrt und teilweise gar nicht mehr als solche zu erkennen.
Eine nette Abwechslung ist der Titel Third Eye Wide Open Blind, den man durchaus als Song bezeichnen kann, hier stimmt einfach alles und man hätte sich einige Songs mehr gewünscht, die in diese Richtung gehen. Elsewhen ist ein Album für Liebhaber der härteren elektronischen Musik, die auch Ecken, Kanten und Experimente mögen. (3 von 6)

Chrysalide - Don‘t Be Scared - It’s About Life

Don´t Be Scared, It´s About Life ist in Frankreich schon seit einigen Monaten auf dem Markt, aber dennoch hat sich Dependent dazu entschlossen dieses Album erneut zu veröffentlichen. Es muss also schon etwas ganz Besonderes sein, was die drei Jungs von Chrysalide auf die Beine gestellt haben.
Man mag von Hype, Lobeshymnen und Pressetexten halten was man will, meistens entscheidet ja sowieso Kopf und Herz des Hörers, aber dieses mal scheinen sich die meisten mit Ihrer Wahl zum Album des Monats und Newcomer des Monats einig zu sein und das dann auch zu recht, denn Chrysalide sind zwar nicht the next big thing, aber bestimmt auf ihre Art richtungsweisend und endlich mal frisch und vor allen Dingen anders. Es werden munter jede Menge Styles und Sounds gemischt und durcheinander gewirbelt, bis die gewünschte Mischung aus Industrial, Noise, Elektro, Punk, Dubstep und noch jede Menge Anderem erreicht ist. Neben absoluten Krachern wie Traders Must Die und das geniale Give Me Something Stronger nehmen sich die Franzosen zwischendurch immer mal wieder die Zeit, um das Tempo rauszunehmen, alles etwas runterzufahren und das soeben gehörte sacken zu lassen. Don´t Be Scared, It´s About Life ist, neben eben erwähnten Wechseln des Tempos, auch in sonstiger musikalischer Hinsicht sehr abwechslungsreich, denn manchmal ertönt einfach nur purer Rhythmus aus den Boxen, manchmal ein gepflegter EBM-lastiger Beat und zwischendurch auch mal die Melodie einer Geige oder eines Glockenspiels. Egal, was sich nun aus den Boxen in die Ohren des Hörers bohrt, ob es die etwas ruhigeren Tracks sind oder eine reine Beat- und Krachorgie, es schwingt immer diese gewisse Aggressivität mit und unterstreicht den deutlich hörbaren Zorn, der sich durch das gesamte Album zieht. Egal welches, meist politische, Thema aufgegriffen wird, es klingt niemals aufgesetzt und kommt somit sehr authentisch rüber. Diese Jungs klingen einfach echt!
Wer nach dem Durchhören des Albums meint, dass das ganze nicht mehr steigerungsfähig ist, der sollte sich das französische Trio unbedingt mal live anschauen, da kommt das ganze noch eine Spur härter rüber, denn Ihre Live-Shows sind genauso kompromisslos und brutal wie ihre Musik. Chrysalide verbinden kompromisslose Härte und Aggression mit einer Aussage und das ganze kommt auch noch glaubwürdig rüber. Das ist heutzutage schon beinahe etwas Besonderes. (5,5 von 6)

Geistform - Data Transmission

Data Transmission ist das fünfte Album in zehn Jahren und somit schon ein kleines Jubiläum für Geistform.
Der Spanier Rafael Espinosa bleibt sich auch mit diesem Longplayer treu und erstellt seine musikalischen Visionen mit rein analogem Equipment, das seiner Musik diesen ganz besonderen Charme verleiht. Data Transmission, Datenübertragung, das sind Informationen, die sich als Null und Eins zusammensetzen, in scheinbar endlosen Kolonnen durch Kabelstränge, über Festplatten und Platinen rauschen um letztendlich am Bestimmungsort anzukommen. Die Datenübertragung von Geistform besteht aus minimalen, wummernden und pochenden Sequenzen, die aufgrund der analogen Erzeugung weder Glasfaserkabel noch Highspeed-Netze durchlaufen, sondern sich eher etwas zurücknehmen und im Mid-Tempo stetig weiter und weiter ihren Weg fortsetzen. Data Transmission ist Rhythmus pur, ständig in Bewegung, es gibt hier und da einige Reibungspunkte, es rauscht, kratzt und bleept zwischendurch, aber Hauptbestandteil ist und bleibt der Rhythmus, der den Drang hat sich immer weiter und weiter nach vorne zu bewegen, niemals stehen zu bleiben und den Hörer mitzunehmen, wo immer die Reise auch hingehen wird. Geistform hat mit Data Transmission ein absolut zeitloses Album geschaffen. Analoge Beats, die sich über Zeit, Raum, Retrostyle und digitales Zeitalter hinwegsetzen. Einzig wünschenswert wäre gewesen, wenn es bei der Datenübertragung mal den ein oder anderen Knotenpunkt mehr gegeben hätte um die ganze Transmission ein wenig aufzulockern, aber dann wäre wahrscheinlich alles ins Stocken geraten und es hätte einen Datenstau gegeben. Wer möchte das schon? (4 von 6)

Wieloryb - Namaste

Wieloryb ist ein relativ neues Mitglied der Hands-Familie und veröffentlicht mit Namaste sein zweites Album beim Dortmunder Label. Der Hörer wird, wie man am Titel erkennen kann, nach Indien entführt, wo Namaste eine Begrüßung bedeutet und Wieloryb heißt seine Gäste in gewohnter Manier mit wuchtigen und hämmernden Beats willkommen.
Das mag jetzt nichts Aufregendes sein, besonders für ein Hands-Release, aber Wieloryb bewegt sich gekonnt zwischen Eingängigkeit und diesem ganz besonderen Etwas, welches Namaste zu einem absoluten Kracher macht. Ethnische Samples mit verzerrten Beats ist jetzt nicht unbedingt etwas komplett Neues, das haben andere auch schon gemacht, aber Wieloryb schafft trotz der enormen Eingängigkeit und Tanzbarkeit immer noch genug Ecken und Kanten um das Ganze nicht zu glatt zu präsentieren und schafft es gegen Ende des Albums sogar noch, das Tempo etwas zu drosseln und somit für noch mehr Abwechslung zu sorgen. Sämtliche Rhythmen und Beats sind extrem tanzbar und gehen sofort ins Bein. Es wummert, dröhnt und kracht an jeder Ecke so daß es nur so eine Freude ist. Wieloryb beweist mit diesem Album, dass sich Experimentierfreude, Industrial-Rhythmen und Eingängigkeit nicht unbedingt ausschließen müssen.
Namaste ist ein wuchtiges, brachiales und doch gleichzeitig eingängiges Album voll mit orientalisch angehauchter Tanzmusik, die so manchen Club zum Kochen bringen wird.
(4,5 von 6)

Displacer - Foundation

Displacer treibt sein musikalisches Unwesen schon seit 2003 auf verschiedenen Label und ist mit Foundation nun bei Hymen gelandet. Das ganze Album strotzt nur so von Harmonie, sanften Flächen und ruhigen Melodien. Die eingesetzten Beats sind zwar nicht überwiegend gradlinig aber auch nicht zu experimentell oder auseinandergerissen und dominieren nicht zu stark in den einzelnen Tracks, gehen aber auch nicht unter. Foundation ist einfach vollkommen ausgeglichen. Jeder Tracks in sich ist schlüssig, abgerundet, mal sehr sanft, mal etwas aufgewühlter. Hier und da werden einzelne Akzente gesetzt, die aufzeigen, dass Displacer auch auch Wert auf vermeintliche Kleinigkeiten und Nebensächlichkeiten legt. Zwischendurch werden auch mal etwas härtere Töne angeschlagen, wie es zum Beispiel bei Distress Call der Fall ist, aber diese fallen nicht so sehr aus den Rahmen um das Gesamtbild zu trüben. Foundation ist vollgepackt mit warmen, organischen Klängen, ausgereifte Elektronik und Beats. Wo andere bewusst auf Disharmonien und gegenläufige Rhythmik setzen, was durchaus auch seinen Reiz hat, greift Displacer ganz tief in die Wohlfühlkiste und zaubert so ein wundervolles Album wie Foundation hervor. Teilweise scheinen Vergleiche zu Altmeistern wie Jean Michel Jarre gar nicht mal so abwegig. Foundation könnte als eine moderne Form des sphärischen Ambient-Elektro gesehen werden, eben jene Musik, die unweigerlich ein warmes Gefühl beim Hörer auslöst. Dass elektronische Musik nicht zwangsläufig kalt klingen muss haben etliche Musiker bereits bewiesen, aber Displacer legt noch eine Schippe oben drauf und heizt das Ganze quasi noch etwas mehr an. Displacer setzt auf Harmonien, warme Sounds und Flächen und ist somit der ideale Begleiter für, zum Beispiel, nächtliche Autofahrten. (4,5 von 6)

Von Magnet - Archipielagos

Seit 1987 entwickeln von Magnet ihren Stil, selbst benannt als Elektroflamenco, weiter und basteln und feilen an jeder Einzelheit und bescheren dem Hörer eine wohl gänzlich einzigartige Musik.
Beim Hören von Archipielagos denkt man unweigerlich an Kunst, Folklore und Theateraufführungen, halt alles, was man sonst nur in Kultursendungen zu sehen und Hören bekommt, die man aber meistens schnell wegschaltet. Aber von Magnet ist anders, nicht eingängiger, unkomplizierter oder einfacher, aber irgendwie moderner und lebhafter. In jedem der Songs sind, soweit ich das beurteilen kann, sowohl traditionell folkloristische, als auch moderne, elektronische Elemente zu hören, eben von Magnets ganz und gar einzigartiger Stil. Der Gesang ist anfangs gewöhnungsbedürftig, genauso wie die Instrumentierung und der Rhythmus, aber das ist eben Folklore, deren typische Elemente mit tiefen Bässen und synthetischen Sounds ergänzt werden. Dazu kommen mal gesungene und mal gesprochene Passagen, die, soweit ich das erkennen konnte, auf Spanisch und Französisch dargeboten werden. Jedes Lied ist ein kleines Meisterwerk. Zwar muss man seine bisherigen Hörgewohnheiten komplett umstellen, aber dafür wird man belohnt. Archipielagos ist wirkliche Kunst in Ihrer klassischen Form, wie wir sie alle kennen. Theater, Tanz, Gesang, Lyrik. Alles kommt zusammen, wird vermengt und vermischt, aufgebrochen und wieder zusammengefügt und mit viel Temperament, was man dem Flamenco ja auch zusagt, serviert. Auch DAFs „Als wär´s das letzte mal“ bekommt ein ordentliches Stück Folklore ab und das steht dem Song wirklich sehr gut zu Gesicht. Von Magnets Musik ist nicht immer einfach, aber es lohnt sich. Kunst, Kultur, Experimente, Folklore, Elektronik. Das alles ist Archipielagos. Allen, die bisher nichts mit dieser Art von Musik anfangen konnten oder sich nicht herangewagt haben, öffnet von Magnet eine Tür und lädt sie zum Hören ein. (4 von 6)

100 Blumen- Distrust Authority

Das bisherige Ein-Mann-Projekt, welches kurze Zeit später ein Duo wurde, ist jetzt zu einem Trio herangewachsen. Marcel und Chris van Blumen werden jetzt durch Malte am Schlagzeug unterstützt.
Das lässt, gerade bei Live-Gigs, das gesamte Erscheinungsbild ziemlich rockig aussehen und genauso klingt das neueste Output der Düsseldorfer auch: Rockig. Zwar nicht immer Hardcore, aber hier und da wird sich auch mal die Seele aus dem Leib geschrien und die Gitarrenriffs werden hart an die Verzerrgrenze getrieben. Das neue Album aber alleine auf das erweiterte Line-up und den rockigeren Einschlag zu reduzieren käme dem ganzen bei weiten nicht gerecht. Distrust Authority bietet ein weites Feld an Musik an und es müsste eigentlich für jeden etwas dabei sein, denn die Bandbreite beinhaltet so ziemlich alles, was man auf ein einziges Album packen kann ohne, dass es zu verwirrt klingt: Elektro, Rock, Punk, Hardcore, Pop-Balladen, Dubstep und noch einiges mehr. Distrust Authority ist eigentlich die konsequente Weiterführung des musikalischen Stils von 100 Blumen, denn sämtliche alte Elemente, sprich Noise-Loops, Samples und verzerrte Rhythmen sind immer noch vorhanden, wenn auch nicht mehr so vordergründig und die Gitarre und das Schlagzeug ergänzen und komplettieren die bisherige Elektronik perfekt und durch diese Konstellation konnte ein so genial untypisches als auch typisches 100 Blumen-Album entstehen. Als Bindeglied zwischen beiden Styles könnten vielleicht auch die beiden überarbeiteten Versionen von Klimaveränderung und Unbreakable vom Vorgängeralbum angesehen werden, denn beide Songs wurden erstklassig eingegliedert und dem neuen Sound entsprechend bearbeitet. Gelegentlich wird man sehr an Näo erinnert, die zwar noch um einiges verspielter sind und ihren eigenen Stil konsequenter durchziehen, aber ansatzweise vergleichbar sind einige Songs schon. Bei Distrust Authority muss mal wieder der vielzitierte Tellerrand erwähnt werden, denn den gilt es zu überwinden. 100 Blumen haben einen Noise-Rock-Elektro-Hybriden erschaffen, den es zu erkunden gilt und auf dem es sehr viel Neues zu entdecken gibt. (4 von 6)

Syntech - Trans-Neptunian Objects

Transneptunische Objekte sind sind Himmelskörper, die sich außerhalb der Umlaufbahn von Neptun um die Sonne bewegen. Dies muss als kurze Einleitung erst mal reichen, denn ausführlich darauf einzugehen würde den Rahmen dieses Reviews sicherlich sprengen.
Ein interessantes Thema und wirklich beeindruckendes Konzept, mit welchen sich Syntech auf seiner EP, die mit 42 Minuten fast schon Albumlänge hat, beschäftigt. Jeder der insgesamt 8 Tracks bezieht sich auf einen eigenes transneptunisches Objekt und trägt als Titel auch dessen Namen. Also eigentlich eine entspannte Reise durch den Weltraum zu den transneptunischen Zwergplaneten, denn Weltraumreisen werden ja meistens mit ruhigen und sphärischen Klängen unterlegt um die kosmische Weite und das Unendliche des Alls zu verdeutlichen. Syntech aber bedient sich nahezu komplett anderer musikalischer Elemente um sich auf diese Reise zu begeben. Drum and Bass und Breakbeat begleiten den Flug genauso wie Tribalbeats und verzerrte Loops, also eigentlich alles Elemente, die man so nicht erwartet hätte. Alle Rhythmen sind zwar meistens vordergründig, wirken aber dennoch nicht aufdringlich oder überladen. Kosmische Objekte die so dermaßen weit entfernt sind, wirken alleine schon durch die pure Vorstellung dass man sie niemals begreifen kann, majestätisch und vollkommen einzigartig. Dieses Bild beschreibt Syntech mit düsteren Flächen, tiefen Bässen und fantastischen Melodien, die so fragil und sphärisch scheinen, dass sie beinahe im Spektrum des Sounds zu verschwinden drohen, aber trotzdem präsent und wahrnehmbar sind und dem Gesamtklang damit eben genau diese Tiefe und Unendlichkeit verleiht, die das Weltall ausstrahlt. Wir alle kennen die Bilder ferner Galaxien, die hell strahlen und so bunt wirken, als ob sich jede erdenkliche Farbe dort wiederfinden würde. Syntech beschreibt, dass diese ergreifenden und wunderschön wirkenden Bilder durchaus düster und kalt sein können, ohne aber auch nur einen Hauch von Ihrem Reiz und ihrer Anmut zu verlieren. (5 von 6)

Hysteresis - Manifest

Hysteresis veröffentlichen mit Manifest ihr zweites Album beim Hands-Label und die Belgier lassen auch auch damit wieder ordentlich krachen. Viele Einflüsse haben ihren Weg auf dieses Album gefunden und jeder einzelne Track besticht durch Vielfältigkeit. Breakbeat, Synthieflächen, Bassgewitter, Beat-Eskapaden, Ravebässe, die direkt aus den 1990ern zu kommen scheinen, Dubstepgewummer, Industrialbeats, Midtempo-Rhythmen, eingewobene Sprachsamples und noch ganz viel mehr wird hier auf den Hörer losgelassen. Auf Manifest ist also wirklich fast alles zu finden, was in der elektronischen Musik im Allgemeinen zuhause ist und demnach ist auch für ordentlich Abwechslung gesorgt. Allerdings nicht nur auf das komplette Album gesehen, sondern auch innerhalb der einzelnen Tracks werden gerne mal Stil, Tempo und Rhythmus gewechselt. Dies geschieht manchmal langsam und schleichend, so dass man es fast gar nicht bemerkt und manchmal auch so abrupt, dass man meint, es hätte bereits ein anderer Track angefangen. Ab und zu bringt so ein krasser Wechsel einen gewissen Überraschungseffekt, auf Dauer wirkt es aber doch stark konstruiert. Das ist ziemlich schade, denn ordentlich Wumms hat das ganze und potentielle Tanzflächenfüller und Clubkracher sind auch zu finden. Es ist einfach schwierig eine durchgängige Linie in den einzelnen Tracks zu finden. Obwohl unvorhersehbare Wendungen, Breaks und somit wirkliche Überraschungselemente der vorhersehbaren und auf Eingängigkeit und somit viel zu oft auch Eintönigkeit gebürsteten Musik durchaus der Verzug zu gewähren ist, aber das Konzept funktioniert in diesem Falle halt nicht immer. Der berühmte Satz, dass die Qualität und nicht die Quantität zählt, passt bei diesem Album auch nicht, denn die Qualität ist gewohnt auf hohem Niveau. Ich wehre mich gegen die Standard-Empfehlung, dass dieses Album für Fans ein Muss ist und alle anderen vor dem Kauf rein hören sollten, denn Manifest ist durchaus empfehlenswert, aber die sowohl positive als auch negative Nicht-Eingängigkeit sollte berücksichtigt werden. (4 von 6)

Legend - Fearless

Legend wurde 2011 von Krummi Björgvinsson und Halldor Björnsson gegründet. Beide sind keine unbeschriebenen Blätter in Ihrem Heimatland und waren schon in diversen anderen Bands tätig.
Bei Musik aus Island kommt man zwangsläufig erst mal auf Björk oder denkt zumindest an etwas schrägere Musik. Legend ist vielleicht nicht so schräg und etwas konventioneller, die beiden Musiker sind aber auf dem besten Weg, zumindest was den Bekanntheitsgrad angeht, es dem Aushängeschild isländischer Musik gleichzutun.
Unumstritten ist, daß es gewaltig viel elektronische Musik verschiedenster Sparten gibt und gerade das Feld des Synthiepops ist riesig. Legend machen zwar keinen Synthiepop im klassischen Sinne, aber überwiegend bedienen sie sich der typischen Elemente dieser Musikrichtung, zumindest scheint es anfangs so. Schon der Opener zeigt eine gewisse düstere Grundstimmung und das ist auch genau das, was man irgendwie mit Musik aus Island in Verbindung bringt ohne eigentlich genau zu wissen, warum. Alles klingt irgendwie dunkel, erdig und in Moll. Es wird die gesamte Palette zwischen absolut tanzbar und melancholisch ruhig abgedeckt, unglaublich gut instrumentiert, stimmig und zwischendurch auch mal sehr ergreifend. Das klingt jetzt nicht gerade aufregend, wenn es nicht diese eindringliche und wunderbare Stimme von Krummi Björgvinsson gäbe, dem man es zu einhundert Prozent anhört und auch abnimmt, dass er mit Leib und Seele, und vor allen Dingen mit Herz, bei der Sache ist. Mal singt er leicht und sanft, dann wieder bestimmend und hart, treibend und fordernd. Musik und Gesang zusammen schaffen eine vollkommen homogene Mischung und bilden einen nahezu perfekten Soundtrack. Im Presseinfo werden Vergleiche zu Depeche Mode, Nine Inch Nails und Project Pitchfork gezogen, die zwar berechtigt sind, aber nicht von der kompletten Eigenständigkeit dieses Duos ablenken sollten.
Legend lassen einfach dermaßen viel Herzblut und Hingabe einfließen, daß man sich ihrer Musik gar nicht entziehen kann und sich Fearless einfach immer und immer wieder anhören muss. Ein absoluter Tipp! (5,5 von 6)

Mono No Aware - Tatemae + Honne

Mono No Aware ist, neben Winterkälte, seit jeher das Aushängeschild für Rhythm and Noise im Hause Hands und nicht nur die sehr schicke oversized Doppel-CD-Verpackung im typischen Hands-Style oder die Limitierung auf nur 500 Stück machen das neue Doppelalbum von Mono No Aware so begehrenswert, auch musikalisch wird wieder sehr viel geboten.
Tatemae und Honne sind Formen der japanischen Kultur. Kurz umschrieben ist Tatemae das höfliche Miteinander, welches einen unkomplizierten, aber oberflächlichen Umgang mit anderen ermöglicht. Honne hingegen steht dafür, was eine Person wirklich denkt und nicht nur das, was sie oberflächlich von sich preisgibt. Spielt uns Mono No Aware also mit Tatemae nur etwas vor und geht mit der zweiten CD, Honne, in die Tiefe und offenbart dem Hörer, was wirklich in ihm vorgeht ? Keinesfalls! Vielmehr wird musikalisch auf eben diese beiden doch so gegensätzliche Formen des menschlichen Miteinanders eingegangen, erklärt und näher gebracht. Vielleicht sogar Vor- und Nachteile ausgelotet, auf Gefahren hingewiesen und die Unterschiede zwischen der japanischen und unserer Kultur hingewiesen. Tiefgang hat es also, das neueste Output von Mono No Aware und das spiegelt sich auch musikalisch wider, denn vermeintliche Midtempo-Tracks entpuppen sich als regelrechte Clupstampfer, anfangs moderate verwandeln sich hinterrücks in noisige Rhythmusmonster und sogar in ambienten Gewässern wird gefischt. Sehr schön ist die immerwährende Verstrickung und Verknüpfung verschiedener Rhythmen innerhalb der einzelnen Tracks. Wenn man genau hinhört findet man immer mindestens einen Rhythmus, der zwar parallel zum anderen läuft, aber einzeln wahrgenommen eine komplett andere Struktur zum Vorschein bringt. Diese Vielschichtigkeit zeichnet Mono No Aware aus, denn diese Mehrschichtig- und -deutigkeit beherrschen nur wenige Bands. Die zweite CD, also Honne, beginnt sehr ruhig, baut sich auf gibt eine ähnliche Vielseitigkeit von sich preis wie schon Tatemae. Beide Cds offenbaren nicht nur der Titel wegen sehr viel Gefühl, auch musikalisch werden Emotionen transportiert, offengelegt und, so scheint es, verarbeitet. Zusätzlich zum eigenen Output hat Mono No Aware noch Dirty K., Wieloryb und Detuned Destruction Hand an den Remix-Fleischwolf anlegen lassen. Insgesamt macht dieses Album einen etwas ruhigeren und ausgeglicheneren Eindruck, was aber nicht auf eine andere Ausrichtung oder gar einen kompletten Stilwechsel hindeutet.
Ruhiger heißt ja nicht zwangsläufig, dass weniger Intensität vorhanden ist und ob nun purer Rhythmus, vertrackte Experimente oder ruhiges Wummern mit Flächen: Mono No Aware findet sich überall zurecht und überzeugt auf ganzer Linie. (5 von 6)

Mika Goedrijk - Naked

Mika Goedrijk treibt sich musikalisch viel herum und ist in vielen Projekten involviert, wovon This morn´ Omina wohl das bekannteste sein dürfte.
Mit Naked legt Mika sein nunmehr drittes Soloalbum vor und gewährt dem Hörer damit einen sehr tiefen Blick in seine Seele. Der Künstler selbst bezeichnet seinen Output auf diesem Album als Tagebuch und legt dem Hörer nah, dieses auch als richtiges, echtes Tagebuch zu hören und wie in jedem Tagebuch, gibt es Höhen und Tiefen, verschiedenste Stimmungen und Emotionen, die sich in diesem Fall musikalisch ausdrücken. Mal sind es tiefe Bässe mit düsteren Flächen, mal fröhliche Rhythmen mit fragilen Melodien und manchmal wird auch einfach nur eine Stimmung durch die Musik an das Ohr des Hörers transportiert. Auffällig ist der cineastische Charakter der einzelnen Tracks und damit sind jetzt keine orchestralen und künstlich aufgeblasenen Stimmungsmacher, wie sie bei uninteressanten Filmen gerne benutzt werden um wenigstens etwas Atmosphäre zu erzeugen gemeint, sondern vielmehr die emotionale Komponente, das Gefühl, welches durch die Musik ausgedrückt wird und somit ein bestimmtes Bild im Kopf des Hörers erzeugt. Aber das Leben verläuft nicht immer wie in einem Film mit Happy-End, wo alles harmonisch ist und somit gibt es auch nicht nur positive Stimmungen im musikalischen Tagebuch des Mika Goedrijk zu entdecken. Teilweise erinnern die Sounds und die Beats an das Hauptprojekt, aber das ist vollkommen legitim, denn hier kennt der Künstler sich aus, hier fühlt er sich wohl und hiermit kann er sich am besten ausdrücken. Fans der Clubkracher von This morn´Omina werden sich wahrscheinlich zunächst an die persönliche Note von Mika herantasten müssen, aber danach gibt es eine Menge zu entdecken. Naked als reine Electronica-Album zu bezeichnen käme der Vielschichtigkeit des Werkes nicht gerecht, da es sich aber im Fahrwasser dieses Genres befindet wird wohl so etwas wie Dark-Electronica am passensten sein.
Mika Goedrijk legt mit Naked einen sehr persönlichen Seelenstriptease hin und offenbart dem Hörer einen Blick in sein Inneres - etwas Intimeres kann es für einen Musiker kaum geben. (4,5 von 6)

Roger Rotor - Sightseeing Bizarre

Für manche Scheiben sollte es Kurzreviews geben, denn Roger Rotor bringt es mit seinem neusten Output „Sightseeing Bizarre“ mehr als auf den Punkt und zwar knapp und präzise. Aber so einfach ist es dann doch nicht. Gekonnt schafft Roger den Spagat zwischen Industrial und Techno, ohne dabei zu klischeehaft zu wirken. Pumpende Grooves, die nur er in diesem perfekten Maße zustande bringt, vereinen sich mit schroffen Melodien, manchmal reichen auch durchaus nur deren Ansätze, und eingestreutem Noise und erzeugen so die nötigen Ecken und Kanten. Ohne großartig drumherum zu reden kommt jeder Track umgehend auf den Punkt bzw. in Fahrt, in den Rhythmus. Die stetigen Beats werden hier und da variiert und aufpoliert, aber niemals so stark, um die Musik aus dem Takt und dem Gleichgewicht bringen zu können und wenn das Tempo hier und da mal etwas runtergeschraubt wird, bleibt immer noch ein gewisser Groove, der zumindest zum Mitwippen animiert – minimalistische Perfektion! Ist dies nun technoider Industrial oder industrieller Techno? Keins von beiden: Es ist Electrock'n'roll! Tatsächlich umgibt Roger Rotor und seine Musik etwas Rock´n´Roll-haftes, zwar nie offensichtlich oder auf die Spitze getrieben, aber dennoch irgendwie immer unterschwellig vorhanden und das verleiht dem Ganzen noch zusätzlich eine raue und durchtriebene Attitüde, die dem Sound ziemlich gut zu Gesicht steht. Es besteht kein Zweifel daran, dass diese musikalische Sightseeing-Tour ein Dauerbrenner auf den Tanzflächen werden wird. (4,5 von 6)

The [Law-Rah] Collective - Field of view

The [Law-Rah] Collective steht seit jeher für anspruchsvollen, qualitativ sehr hochwertigen Sound und dieses wird auch wieder auf dem aktuellen Album Field of view bestätigt. Neben dem Gründer und ständigen Mitglied Bauke van der Wal besteht das Kollektiv diesesmal zusätzlich aus Hiekelien van den Herik und Martijn Pieck, die beide auch schon bei vorherigen Werken des Kolletivs mitgewirkt haben. Wie erwartet fahren die Beteiligten ganz groß auf, so wie man es von The [Law-Rah] Collective gewohnt ist. Es wummert und pulsiert überall, tiefe, alles durchdringende Drones durchziehen dunkle Klanglandschaften und nach und nach entsteht ein ganz eigener Rhythmus, der nur aus Summen und leisem Dröhnen zusammengesetzt scheint. Der Hörer taucht in diesen einzigartigen Ozean aus Klängen ein, wird sogar ein Teil des ganzen Werkes, welches das Kollektiv darbietet. So weit, so gut, denn genau diese Klänge und Strukturen sind bekannt und wurden bestimmt auch so erwartet. The [Law-Rah] Collective wären aber nicht The [Law-Rah] Collective, wenn es da nicht mehr gäbe, nicht dieses berühmte I-Tüpfelchen. Das Außergewöhnliche und vielleicht Wichtigste an diesem Album ist nämlich, daß nicht nur mit dem, was die Beteiligten ohnehin sehr gut können überzeugt wird, dass also nicht nur solide Kost geboten wird, sondern, daß auch andere, frische Elemente mit eingewoben werden, die der Hörer so vielleicht nicht erwartet hat. Das Herausragendste dieser Elemente ist zweifelsohne Hiekeliens Gesang. Teilweise flüsternd, sprechend, fast hauchend oder hypnotisch singend zieht er den Hörer mit hinein in das Klanguniversum des Kollektivs wobei er nicht einfach nur als purer Gesang wahrgenommen wird, sondern eher als eigenständiges Instrument, als Teil dieses unglaublich dichten Soundkosmos, der dem Hörer dargeboten wird. Sobald man sich auf eben dieses Erlebnis, diese Reise eingelassen hat, setzt der Rhythmus ein, ein Stilelement, welches bei The [Law-Rah] Collective zwar sehr sparsam, aber dafür nicht minder wirkungsvoll eingesetzt wird. Mal treffen vereinzelte Schläge in scheinbar loser Reihenfolge auf das wuchtige Klangkonstrukt, mal entwickelt sich sogar ein fast poppiger Beat, der dem Ganzen auch sehr gut zu Gesicht steht. The [Law-Rah] Collective überzeugt wieder einmal durch das Einschlagen neuer Pfade, das Einbringen neuer Elemente und das Ganze bei gleichbleibend hohem Niveau – eine perfekte Mischung aus altbewährten und frischen Soundtüfteleien. (5 von 6)

Techdiff - P.Conv

Techdiff wird wohl bis dato der breiteren Masse wohl eher unbekannt sein, aber dieses wird sich bestimmt bald ändern, denn Dave Forrester weiß mit seinem Debutalbum auf Ad Noiseam zu überzeugen.
Auf P.Conv wirft Techdiff alles in einen Topf, was auch nur im Geringsten mit elektronischer Musik zu tun hat und setzt sich erfreulicherweise keine Scheuklappen auf oder setzt sich selbst Grenzen, er macht einfach, was er möchte und das hört man P.Conv auch an. Das Album ist direkt, spricht den Hörer sofort an und ist keinesfalls eine krude Mischung verschiedenster Styles, sondern in sich ausgewogen und aufeinander abgestimmt. Jeder einzelne Track öffnet eine neue Tür zur Musik und bietet so einen neuen Blickwinkel auf das Schaffen Techdiffs, ob dies nun sanfte oder rauhe Töne sind. Dadurch, daß nämlich nahezu sämtliche Facetten moderner elektronischer Musik auf P.Conv vertreten sind, fällt es natürlich leicht, in diesem großen Angebot etwas für sich zu finden bzw. sich angesprochen zu fühlen, aber so einfach kann das nicht gesehen werden. Selbst Leute, die wenig mit Dubstep anfangen können, werden die entsprechenden Anleihen mögen, ebenso verhält es sich mit den Anteilen von IDM, Breakbeat, straighten Passagen und den ruhigeren Sachen. Der Sound ist glasklar und genau auf den Punkt gebracht, das erlebt man bei dieser Kombination der verschiedensten Styles eher selten. Techdiffs Sound expandiert im Laufe der 45 Minuten Spielzeit, er entwickelt sich, schraubt sich hoch, bringt den Hörer durch ruhige Flächen wieder runter, schießt in die Höhe, regt an und putscht auf. Mehr kann man von einem Album wohl kaum verlangen. Techdiff lässt sich in keine Schublade pressen, es sei denn, es gäbe eine einzelne, auf der „elektronische Musik“ steht, denn genau das wird hier abgeliefert: Frische, kraftvolle und abwechslungsreiche elektronische Musik. (5 von 6)

Ultra Milkmaids - Amr

Die Diskographie der Ultra Milkmaids kann schon einiges bieten, denn seit 1996 wurde regelmäßig auf diversen Labels veröffentlicht. Mit Amr steht, wieder einmal, ein Release auf Ant-Zen an.
Diese Veröffentlichung ist als limitiertes Vinyl und als digitaler Download erhätlich, wobei eingefleischte Fans natürlich zur Vinyl greifen, von der es allerdings nur 92 Stück gibt. Die Musik als Ambient zu bezeichnen wäre zu einfach, entschleunigter Pop trifft es wohl eher. Wer jetzt aber nur an endlos lange und mit Hall bearbeitete Einzeltöne mit spärlich gesetztem Beat denkt, der wird positiv überrascht. Der Titeltrack ist so dermaßen positiv, dass er auch als Musik für eine Tier- oder Naturdokumentation benutzt werden könnte, aber auch ohne realen Film entstehen beim Hören entsprechende Bilder im Kopf. Der zweite Track, Lira & Morphine, geht da schon etwas verschrobener zur Sache, bricht hier und da mal etwas aus und bildet zwischendurch auch mal leicht rhythmische Sequenzen, fügt sich aber im Großen und Ganzen in die vorhandene Thematik ein. Man merkt beim Hören, dass die Musik anscheinend nicht rein elektronisch hergestellt wurde, sondern teilweise auch mit akkustischem Gerät und das spannenste ist es, herauszuhören, womit jetzt welcher Ton oder welche Stelle genau erzeugt wurde, ein Vorhaben, welches wahrscheinlich nie gänzlich beendet werden kann. Es tut gut, einmal diese Art von Musik einmal abseits des Dark Ambient-Umfelds zu hören, also ohne kalten und düsteren Hintergrund, sondern eher mit einer durchweg positiven und warmen Grundstimmung. Die Ultra Milkmaids heben sich im wahrsten Sinne des Wortes positiv aus dem Ambientbereich hervor und bereichern die Musikwelt mit dieser Veröffentlichung um eine kleine und feine Perle. (4,5 von 6)

Igorrr - Hallelujah

Hallelujah ist nicht nur das zweite Album von Igorrr auf Ad Noiseam, sondern gleichzeitig auch die Verwirklichung einer Idee, die dem Franzosen Gautier Serre schon seit Jahren im Kopf rumspukte.
Dass Igorr nicht gerade zimperlich mit den Gehörgängen der Zuhörer umgeht, dürfte allgemein bekannt sein, aber was hier auf Hallelujah zum Vorschein kommt ist geradezu unglaublich. Gefühlt hunderte von verschiedenen Musikstilen prasseln auf den Hörer ein und sorgen im ersten Moment für einen völlig verstörten Blick, denn tiefstes Gröhlen im feinsten Deathmetalstil trifft auf Spinettklänge und Streicher, glasklarer klassischer Gesang wird mit Breakcore in ein Zimmer gespeert und erst wieder rausgelassen, wenn sich die beiden vertragen und wo wir gerade bei dem Thema sind: Unsere Eltern würden sicherlich daran zweifeln, dass das noch Musik ist. Ist es das denn überhaupt ? Scheinbar völlig unkoordiniertes Ineinandermischen von verschiedenster Musik so vollkommen ohne Sinn und Verstand ? Ja, ist es, denn das Wort „scheinbar“ ist hier ausschlaggebend. Zugegeben: Hallelujah ist schwere Kost und alles andere als eingängig, zunächst zumindest, aber interessant ist es doch herauszuhören, wie Igorrr es schafft, sämtliche verwendete Stile miteinander zu verbinden und wie sie dann eben doch irgendwie zueinander finden. Neben völlig verstörenden und auf den ersten Blick gar nicht passen wollende Tracks hat Hallelujah aber auch definitive Höhepunkte, wo die beiden ersten Songs zu zählen. Klassische Musik gepaart mit heftigen Breaks, Cuts und absurden Effekten, aber immer irgendwie passend und genial in die bestehende Musik verwoben, das ist ganz große Kunst. Bei jedem Track hat Igorrr mindestens zwei Gäste mit ins Boot geholt, die sich um die Vocals oder zusätzliche Instrumente gekümmert haben und sogar das eigene Haustier, ein Huhn, hat an Hallelujah mitgwirkt. Die konsequente Mischung verschiedenster Stile ohne Rücksicht auf übliche Hörgewohnheiten kommt bestimmt nicht bei jedem Hörer an und soll es wahrscheinlich auch gar nicht, aber diejenigen, die Hallelujah zulassen und sich darauf einlassen, erleben einen wahren Rausch der Sinne. (4 von 6)

Oyaarss - Smaida Greizi Nakamiba

Oyaarss ist das Soloprojekt von Arvids Laivinieks, der in Lettland geboren wurde aber nun in Berlin wohnt. Smaida Greizi Nakamiba, das hier vorliegende Album, ist ein Re-Release vom 2011er Demo.
Eine nette Geschichte gibt es zum Artwork: Front- und Rückseite zeigen den gleichen Blick auf auf Riga, der Heimatstadt von Oyaarss, allerdings wurde ein großes Gebäude im Vordergrund zerstört, bevor das Bild für die Rückseite gemacht werden konnte und genau dieser Gegensatz beschreibt sehr gut die Intention der Musik, die sich auf Smaida Greizi Nakamiba befindet. Inspiriert durch die Werke von George Orwell, Stanislav Lem, Aldous Huxley, Jean-Paul Satre, Knut Hmasun und Maynard James Keenan erschafft Oyaarss eine umheimliche Atmosphäre, die von Verfall erzählt. Die Soundkonstrukte, die dabei errichtet werden scheinen manchmal genause fragil und zerstört wie der gesamte Grundtenor des Albums. Wie eine dunkle Welle bauen sich bedrohliche Flächen, türmen sich Rhythmusstrukturen auf und stürzen sich mit aller Macht auf kleine, mit Melodien gespickte Klangfetzen. Stechend scharfe Electronica-Elemente, verzerrte Flächen, ungewöhnliche Sounds und verzerrte Beats, das alles findet man zwar zuhauf im IDM-Bereich, aber manchmal schafft es ein Künstler, diese Elemente so zu formen, zu bearbeiten und neu auszurichten, dass sie erfrischend anders klingen und sich genau in das Klangbild einbetten, welches der Künstler sich beim Erschaffen seines Werkes im Kopf zurechtgelegt hat. Oyaarss hat sich der selbst erschaffenen Herausforderung gestellt und mit Bravour gemeistert, denn obwohl altbekannte Elemente die Hauptrolle spielen, sind die Nebenrollen fantastisch besetzt, das Drehbuch ausgezeichnet geschrieben und die Bilder, die erschaffen werden, gewaltig in Szene gesetzt worden. Smaida Greizi Nakamiba ist der oft beschriebene Soundtrack für den Film im Kopf, der musikalisch beschriebene Ver- und Zerfall, ein Zeigen darauf, dass alles Vergänglich ist, ein Blick in die unvermeintliche Zukunft. Der Hörer entscheidet dabei selbst, ob er die von Zeit zu Zeit aufblitzenden Lichtblicke in Form von Streichern und Piano nun zusätzlich als düster und bedrohlich oder als freundlich und positiv erleben möchte. Oyaarss hat mit Smaida Greizi Nakamiba ein düsteres Werk geschaffen, das einen bleibenden Eindruck hinterlässt. (4,5 von 6)

Mimetic - Where we will never go

Nachdem die letzte reguläre Veröffentlichung schon beinahe 5 Jahre zurückliegt, nimmt uns Jerome Soudan alias Mimetic nun mit auf eine Reise an Orte, an die wir so nie gegangen wären.
Klingt alles ein wenig sehr poetisch, stimmt aber im Großen und Ganzen dann doch irgendwie. Wie eigentlich immer bei Veröffentlichungen von Mimetic weiß der Hörer im Vorfeld gar nicht, was ihn erwartet, außer, dass es sich um elekronische Musik handelt. Where we will never go zeigt wieder einmal auf, wie abwechslungsreich elektronische Musik sein kann und wie spielerisch Mimetic dieses aufzeigt. Mühelos wird zwischen Minimal-Techno, Electronica and ambienten Beats hin und hergewechselt, der Bogen zwischen komplexen Beats und kleinen Melodien gespannt, ohne jedoch zu sehr abzuschweifen. Der Rhythmus ist glasklar strukturiert, auch wenn er hier und da einmal ausbricht, tiefe Bässe versprühren ein wohliges Gefühl, denn sie sind nicht grundsätzlich punktuell aufgebaut sondern spielen ihre eigene Melodie. Das klingt jetzt doch ein wenig zu süß, stimmt aber trotzdem irgendwie und würde wahrscheinlich auch viel zu verspielt und eben zu süß sein, wenn da nicht diese kleinen Ausbrüche wären, die die Musik von Mimetic so einzigartig machen. Where we will never go ist weder elektronische Popmusik, noch Techno, noch Electronica, noch Dubstep noch irgendwas, aber trotzdem doch alles zusammen mit der kleinen Prise Mimetic obendrauf. Neben Neuinterpretationen von Sparkling Love durch Mira Calix und Where we will never go durch Mika Vainio, erschafft Niveau Zero mit seinem Remix von One of us ein wahres Monster! Ein Rhythmus- und Bassmonster, welches aus einer Mischung aus Dubstep, Industrial, Electronikc, Hardcoregitarren und was es sonst noch so auf dem Sektor gibt. Ein richtiger Tanzflächenfüller, der mit Sicherheit den Weg auf die ein oder andere Playlist finden wird. Mimetic nimmt uns wirklich dorthin mit, wo wir wahrscheinlich niemals von selber hingegangen wären und überrascht hierbei immer wieder mit unerwarteten Wendungen. Die Ausflugsziele sind Techno, Minimal-Electro und allerlei andere Formen der elektronischen Musik, die auf ihre Entdeckung gewartet haben. Unterstützt wird er hierbei durch Vorph, Agnes Martin-Sollien und Scalper. Where we will never go ist abwechslungsreich, druckvoll, spannend zu entdecken und hier und da überaus clubtauglich, besonders der Remix von Niveau Zero. Auf diesem Gebiet kann man kaum mehr erwarten. Wer also Mimetics Einladung annimt und mit ihm auf die Reise geht, der wird viel Neuland entdecken. (4,5 von 6)

The_Empath & Arx Kaeli - Meltdown

The_Empath und das russische Ein-Mann-Projekt Arx Kaeli haben sich extra für dieses Release zusammengetan und ein klassisches Splitalbum geschaffen, denn jeder Künstler zeigt sich für jeweils drei Songs verantwortlich.
Meltdown wurde bereits 2011 als 12“ Vinyl veröffentlicht, aber durch die strenge Limitierung auf 111 Stück, waren alle Scheiben binnen kürzester Zeit ausverkauft und das gute Stück somit vergriffen. Jetzt erscheint Meltdown erneut als digitales Album und mit zusätzlichen Remixen von The_Empath und Arx Kaeli selber, Dirk Geiger, Contagious Orgasm, Heimstatt Yipotash und Fint Glass. Diese zusätzlichen 6 Remixe sind aber nicht willkürlich ausgesucht oder platziert, denn das gesamte Album, in der vorgesehen Reihenfolge der Tracks, wurde durch die Remixe praktisch erneut erschaffen, der Hörer bekommt also genaugenommen zwei Alben zu hören: Das ursprüngliche und das durch die Remixe neu interpretierte Album. Es ist nicht gerade erbaulich, was man auf Meltdown zu hören bekommt, denn es wird hier das Reaktorunglück in Fukushima beschrieben, welches durch einen Tsunami ausgelöst wurde und dementsprechend finster ist die musikalische Ausrichtung, denn beide Künstler zeigen auf, was bei solchen Naturkatastrophen für Kräfte wirken und was alles in Nachhinein geschehen kann, wenn solche Kräfte walten und durch unglückliche Umstände eine dermaßen große Katastrophe entstehen kann. Grollende, tiefe Bässe, einzelne Beats, Geräusche unbekannter Herkunft, die eine bedrohliche Melodie formen und immer wieder die Erinnerung daran, wie unwirklich und bedrohlich dieses Unglück ist. Von ambienten Flächen geprägt und mit IDM-Elementen gespickt drücken sich die einzelnen Tracks bis ganz tief unten in die Magengrube. Mit dem Bewußtsein und Hintergrund, was hier eigentlich verarbeitet und beschrieben wird, wirkt das ganze Album wie eine Echtzeitdokumentation, wie ein Bericht aus der Endzeit – trostlos, düster und unwiderrufbar. Verstärkt wird die Atmosphäre noch dadurch, dass Samples von Fernsehberichten, also zum Beispiel Nachrichtensprecher und dergleichen, mit eingebunden werden. Die Remixe passen sich im Grunde genommen sehr gut der vorhandenen Grundstimmung an, sind hier und da aber mit etwas mehr Rhythmus bestückt. Meltdown ist anspruchsvoll, erfordert die gesamte Aufmerksamkeit des Hörers und ist nicht zum Nebenbei-Hören, aber bei dieser Thematik sollte man sowieso genau dabei sein. Dieses Release macht nicht den Eindruck, dass es wachrütteln möchte, sondern vielmehr wird die gesamte Szenerie, das gesamte Ausmaß, der gesamte Vorgang beschrieben und musikalisch analysiert. (4,5 von 6)

Fausten - Fausten

Fausten ist das Projekt von Monster-X und Stormfield, die auf ihrem gleichnamigen Debutalbum nicht einfach nur ihre bisherigen Styles wie Breakcore, Techno oder Dubstep zusammenbringen und auffrischen, sondern vielmehr etwas ganz Eigenes schaffen. Zunächst fällt auf, dass Fausten sehr düster und schleppend ist. Kein gewohnter Beat, sondern eher Beatfragmente, versetzte Schläge, kein Breakbeat an sich, sondern ein walzender, überrollender Rhythmus. Man wird vom ganzen Album überrollt, bei jedem Song ein wenig mehr. Der Hörer wird vereinnahmt, in Besitz genommen und kann sich einfach nicht wehren. Vergleichbar mit einer Tsunami-Welle, wenn sie auf Land trifft. Langsam, gnadenlos und alles mitreißend. Man muß seine Hörgewohnheiten jetzt nicht komplett umstellen, aber man sollte schon offen für etwas Anderes sein. Die Atmosphäre und die Flächen, die pulsierenden Sounds kommen als Dark-Ambient daher, aber die einzelnen Schläge, die vertrackten Beats eher aus dem IDM-Bereich. Diese Mischung gepaart mit einer stetigen Bewegung, mit dem immerwährenden Drang nach Vorne mach Fausten zu einem sehr intensiven Hörerlebnis, das zwar nicht so sehr auf die gängigen Clubs abzielt, aber durch die besondere Mixtur der verschiedenen Stile dennoch den Drang sich zu bewegen initiert. Evisceration im Remix von Ontal zielt dann aber doch eher auf die Tanzflächen ab und ein etwas straighterer Beat steht dem Song gut zu Gesicht. Der sehr sehenswerte Videoclip zu Punishment, der sich als Bonus auf der CD befindet, rundet das Gesamtbild ab, sollte aber von sensiblen Menschen eher nicht angeschaut werden.
Fausten ist ein Monster, ein alles verschlingendes Monster aus Geräuschen, Lärm, Beat und Bass und gerade das Mid-Tempo macht es so gefährlich. (4,5 von 6)

Various Artists - Forms of Hands 13

Dass jedes Jahr ein Festival des dortmunder Hands-Label stattfindet, dürfte sich mittlerweile rumgesprochen haben, denn dieses Jahr fanden sich bereits zum dreizehnten Mal die labeleigenen Künstler zusammen um es ordentlich krachen zu lassen. Hands als reines Industrial-Label zu bezeichnen käme der gebotenen Palette an Künstlern und der Anzahl verschiedenster musikalischer Stilarten bei weitem nicht gerecht. Auch bei der diesjährigen Zusammenstellung spiegelt die Tracklist die Setlist des Festivals wider und deckt ein weites Feld an elektronischer Musik ab. Den Anfang macht ein Neuzugang, das belgische Duo Kaibun, welches sich aus Laurent Delogne und Marie Hubart zusammensetzt, wobei ersterer auch als Le Moderniste bekannt ist. Kaibun bieten stampfende Industrialbeats mit Noise gepaart. Das ist eigentlich nichts Neues, wirkt hier aber nicht altbacken, sondern eher frisch und vor allen Dingen wuchtig. Phasenmensch, ein weiterer Neuzugang, hält sich mit Noise eher zurück und versetzt den Hörer mit sphärischen Flächen und stetigem technoiden Beat beinahe in Trance. Wieloryb läutet nun die Reihe der etablierten Acts ein, denn obwohl erst zwei Alben erschienen sind, ist das polnische Duo bereits eine feste Größe in der Hands-Familie und beweist das auch gekonnt mit der typischen, höchst clubtauglichen Mischung aus Rhythmus, harten Beats und eingebauten Samples. Auch gradlinig, aber eher im technoiden Sinne kommen Heimstatt Yipotash daher und zielen gandenlos auf die Tanzfläche ab. Xabec ist dieses mal eher beatlastig, was ihm aber sehr gut steht, denn die so typischen experimentellen und ambienten Flächen und Geräusche sind immer noch zu hören und so entsteht eine sehr interessante Mischung. Schade nur, dass der Auftritt beim diesjährigen Forms of Hands, nach eigener Aussage, das allerletzte Livekonzert von Xabec sein sollte. Geistform hämmert die typischen und ganz eigenen analogen Beats aus seinem Equipment und sorgt, wie bei seinen Alben, für rhythmische Zuckungen in sämtlichen Gliedmaßen, man kann bei Geistform einfach nicht still bleiben. Etwas ruhiger, aber nicht sanfter, geht es bei Ah Cama-Sotz zu, der ein geheimnisvolles und von düsteren Flächen getragenes Meisterwerk zum Besten gibt. Die zweite Hälfte der Compilation ist auch wieer die gleich Reihenfolge wie die des zweiten Tags des Festivals und wird somit auch von einem neuen Künstler eröffnet, dem französischem Projekt Yura Yura. Beats und Noise sind hier das Motto und genau wie beim darauffolgenden Le Moderniste schält sich ein stetiger Rhythmus aus dem Lärm und dem Krach, typisch für Rhythmindustrial und von beiden exzellent interpretiert und dargeboten. Um etwas verschnaufen zu können, schaltet sich mit Talvekoidik ein Vertreter der ruhigeren Klänge ein. Warme Flächen und Pianoklänge verleiten zum Träumen und Schwärmen. Dieses kleine Intermezzo in sanfte Sphären wird von Hysteresis knallhart und ohne Rücksicht auf Verluste unterbrochen und in ein Inferno von Beats und Gitarrenriffs, die schon auf dem letzten Album zu überzeugen wussten, verwandelt. Nullvektor baut seinen kompromisslos stampfenden Rhythmus nach und nach zu einem komplexen Beatkonstrukt auf, fast sekündlich kann man neue Fragmente innerhalb des Beats hören, was beinahe, nur etwas unverzerrter und minimaler auch auf Orphx, dem nächsten Act, zutrifft. Minimaltechno mit regelmäßigen Beats und kontinuierliche, aufeinander aufbauende Rhythmussequenzen machen den Sound des Duos aus Toronto so einzigartig, denn nur Orphx kann minimale Musik so spannend umsetzen. Headliner des Festivals und abschließender Act ist Winterkälte mit einem richtigen Biest. Weniger Noise, dafür mehr vertrackter Rhythmus ist die Devise und weiß damit zu überzeugen, denn aus diesem Beat-Inferno gibt es kein Entkommen. Auch die dreizehnte Ausgabe der Labelcompilation besticht durch eine exzellente Mischung, die keine Wünsche offenlässt und auf durchweg hohem Niveau einen aktuellen Überblick der Labelarbeit schafft. Mit den Neuzugängen haben die Labelmacher wiedereinmal ein glückliches Händchen bewiesen, ich bin mir sicher, dass es von sämtlichen Künstlern noch viel zu hören geben wird. Allerdings wird die Messlatte für die vierzehnte Compilation nochmal eine Stufe weiter höher gelegt, aber diese Marke zu erreichen wird bei der Auswahl an Künstler und den eventuellen Neuzugängen wohl kein Problem sein. (5 von 6)

Nullgrad - Seeds

Seeds ist das zweite Album von Nullgrad und, im Gegensatz zum Debutalbum, ein reines Technoalbum. Techno ? Auf einem Label wie Hands ? Ja, das geht durchaus und funktioren tut es auch noch prima. Dieses Album zeigt wieder einmal auf, wie groß der Pool an labeleigenen Bands ist, aus dem die Macher schöpfen können und wie weitreichend das Feld der elektronischen Musik ist. Nullgrad beherrscht sein Handwerk: Technobeats im Midtempo, eine prägnante, nach vorn treibende Bassline, spärlich gestreute Beatvariationen und Synthie-Flächen bestimmen das Erscheinungsbild von Seeds. Zunächst einmal also alle techno-typischen Zutaten die es braucht, um diese Musik zu produzieren. Aber Nullgrad geht einen Schritt weiter und versetzt den Hörer regelrecht in Trance, in einen angenehmen Schwebezustand in dem man nur noch die Musik hört, in ihr aufgeht. Techno wirkt oft langatmig und monoton, weil meistens einfach nicht für genug Abwechslung gesorgt wird und großartig überraschende Variationen gibt es auch bei Seeds nicht, aber irgendwie schafft es Nullgrad, dass man es nicht merkt und es einem nichts ausmacht, oder er hat hintergründig so gut gearbeitet, dass für genügend Abwechslung gesorgt ist. Meiner Meinung nach kann von letzterem ausgegangen werden, denn Seeds wird niemals langweilig, was bestimmt auch an den wunderschönen Melodien liegt, welche das ein oder andere Lied fast schon umschmeicheln. Das Hauptaugenmerk bei diesem Album liegt aber auf den Gesängen buddhistischer Mönche und Fieldrecordings, die während einer Reise durch Südostasien gemacht wurden und es ist genau diese Mischung, die das ganze so interessant machen. Seeds ist kein seelenloser, unterkühlter Techno, sondern irgendwie organisch und warm beziehungsweise auf eine seltsame Art lebendig.
Man kann sich auf den Pressetext verlassen, denn der besagt, dass Seeds sowohl im Club als auch Zuhause genossen werden kann – beides funktioniert. Aber auch beim Autofahren, frühmorgens auf der Landstraße, kann Nullgrad mit diesem Album überzeugen. Also: Scheuklappen weg und Ohren auf! (4,5 von 6)

Phasenmensch - Tagebuch eines Eremiten

Bei Phasenmensch, dem Projekt von Wolfram Bange und Neuzugang bei Hands, muss man sich folgende Frage stellen: Gibt es sphärischen Industrial ? Ganz klare Antwort: Ja! Aus dem IDM- und Electronica-Bereich ist man melodiöse Musik mit verzerrten, unregelmäßigen Beats ja schon gewohnt, aber Phasenmensch schafft aus diesen Elementen eine ganz eigene Mischung. Allein, wie jeder einzelne Song auf Tagebuch eines Eremiten eine eigene Atmosphäre aufbaut ist hörenswert. Ganz langsam umhüllt sie den Hörer, nimmt ihn mit, ergänzt durch verhaltene Beats, mal eher im Hintergrund gehalten, mal etwas weiter vorne, mal einzeln und zaghaft und mal bestimment sind. Die Musik von Phasenmensch ist weder Ambient, noch Electronica, noch IDM, noch Industrial, noch Noise, denn irgendwie ist alles und noch viel mehr vertreten. Diese ganz eigenen Klang- und Soundkreationen lassen sich schwer beschreiben und doch möchte man so viel dazu erzählen. Die Musik strahlt so unendlich viel Emotionen aus, dass man manchmal entweder vor Ergriffenheit losweinen, oder die ganze Zeit einfach nur zufrieden lächeln möchte. Beim Hören baut sich eine gewisse Spannung auf, die manchmal durch geschickt eingewobene Sprachsamples dezent aufgewühlt wird, deren Bogen aber die gesamte Zeit gehalten wird, ohne plump zu zerreissen und den Hörer ein Teil des eigenen Klangkosmos werden lässt. Neben richtigen und echten Sehnsuchtsmelodien hält Tagebuch eines Eremiten aber auch potenzielles Clubfutter parat, wie z. b. Epoché oder Poesie der Zerstörung. Remixe und Zusammenarbeiten von und mit Dirk Geiger, Decuntstructivision, ICD-10, Philipp Münch, Needle Sharing, Access to Arasaka und Dalot sprechen für sich und spiegeln die Stärken der jeweils Beteiligten wider, die mal mehr im sich kontinuierlich steigernden Beat, mal im hektischen Breakbeat und mal in eher ruhigeren Flächen liegen. Phasenmensch ist wohl eine der richtig interessanten Entdeckungen der letzten Zeit und eine wirkliche Empfehlung für Menschen, die Musik nicht nur hören, sondern auch fühlen.
(5,5 von 6)

Kaibun - Illogism

Kaibun ist ein belgisches Duo bestehend aus Laurent Delogne, auch bekannt als Le Moderniste, und Marie Hubart. Beide besitzen zwar musikalischen Background, allerdings unterschiedlichen und somit lässt sich vermuten, dass Illogism nicht so einfach kategorisiert werden kann, aber was ist das schon aus dem Hause Hands? Das Debutalbum der beiden Künstler vereinigt also beiderlei Vorlieben, nämlich Techno, House, Electro, Minimal und Noise. Wieder einmal wird also, vereinfacht ausgedrückt, Techno und Industrial in einen Topf geworfen, umgerührt und ein Album daraus gemacht. Weit gefehlt! Wer so etwas denkt, wird bei Kaibun aber schnell eines Besseren belehrt. Zwar sind beide Elemente durchaus herauszuhören und so manche Paralelle kann gezogen werden, aber Kaibun gehen einen Schritt weiter, indem sie beide Zutaten nicht nur miteinander vermischen, sondern verschmelzen. Grundsätzlich besteht Kaibuns Musik aus Rhythmus, mal mehr, mal weniger, mal schnell, mal langsamer, aber immer mitreißend, nie belanglos. Es werden gekonnt und gezielt immer wieder kleine Höhepunkte in und auf die Musik gesetzt, die nicht nur für die nötige Abwechslung sorgen, sondern eben auch für die Eigenständigkeit, die Illogism so interessant macht. Bis auf zwei bis drei Ausnahmen, die es aber dafür umso mehr in sich haben und durchaus auch die Tanzflächen bedienen können, bewegen sich alle Songs meist im zwar treibenden, aber nicht zu aggressiven Verhältnis zwischen Tanzbeinschwingen und aufmerksam zuhören. Man hat hier ein Album, welches auch dazu einlädt, intensiver gehört zu werden, sich Zeit zu nehmen, denn dann können alle Details und Finessen herausgehört werden und wer seinen Fokus auf eben diese lenkt, wird mit einem noch angenehmeren Hörerlebnis belohnt und bekommt somit den Bonus zu Hören, den Kaibun mit in ihr Album gepackt haben.
Ein mehr als gelungenes Debut, denn Kaibun bietet so ziemlich alles, was bei dieser Art von elektronischer Musik erwartet wird , vergisst aber auch nicht, das gewisse Etwas hinzuzufügen. (4,5 von 6)

Yura Yura - Be Sexual

Der Franzose Grégory Yura gibt mit Be Sexual sein Debüt auf Hands und erweitert somit die Labelfamilie um ein Rhythm and Noise-Projekt mehr. Alle nötigen Zutaten um feinsten rhythmischen Industrial zu produzieren wurden verwendet: tiefe Bässe, Rauschen, Dröhnen, Samples und natürlich extrem verzerrter Rhythmus. Rhythmus ist ohnehin das A und O auf Be Sexual, denn dieser steht immer im Vordergrund und ist, im Gegensatz zu den anderen Elementen schon sehr dominant, was bei dieser Art von Musik ja auch genau so sein soll. Das Tempo bewegt sich überwiegend im mittleren Bereich, also genau zwischen Mittwippen und einfach nur Zuhören – so weit, so gut möchte man sagen, ein klassisches Rhythm-Industrial Album, welches natürlich auch die ein und andere Uptempo-Nummer parat hat. Yura Yura bedeutet soviel wie Mitschwingen, sich hin und her bewegen und genau das ist die große Stärke von Be Sexual, denn der Beat, dieser stetige Rhythmus nimmt den Hörer mit und animiert , tatsächlich zum Mitschwingen und hat fast schon etwas Meditatives, wenn da nicht der ganz besondere Clou des Herrn Yura wäre, die Rhythmuswechsel, die meistens schleichend eingewoben werden oder auch mal bewusst abrupt gesetzt werden. Manchmal merkt man gar nicht, dass es sich immer noch um ein und dasselbe Lied handelt, so sehr ist der Grundbeat verändert. Nicht, dass diese Wechsel Be Sexual unhörbar machen, ganz im Gegenteil bereichern sie es dadurch auf sehr außergewöhnliche Art und weise, denn so kommt niemals Langeweile oder das Gefühl der Monotonie auf. Tempo- und Rhythmuswechsel lockern den reinen Industrial-Sound auf und verleihen dem gesamten Album etwas sehr Eigenes und Spezielles und beweist wieder einmal, dass es auch auf diesem musikalischen Gebiet immer wieder Spannendes zu entdecken gibt. Live ist Yura Yura durch die Dance-Performance von Macha Mélanie nicht mehr nur ein wahrer Ohren- sondern auch ein Augenschmaus. Yura Yura liefern ein perfektes Debüt ab und bringen mit Be Sexual neue Strukturen und Gesichtspunkte in das weite Feld des Rhythm and Noise. (4,5 von 6)

Le Moderniste - Too Rough Is Never Enough

Laurent Delogne, besser bekannt als Le Moderniste, ist kein Unbekannter, denn mit seinem bisherigen Output hat er sich bereits einen Namen innerhalb der großen Industrialfamilie gemacht und bringt nun mit Too rough is never enough sein Debutalbum auf Hands raus. Also ein weiteres Album mit rhythmischen Krach? Das könnte man zwar meinen, aber dem ist nicht so. Le Moderniste bedient sich zwar sämtlicher Grundelemente des Genres, setzt sie aber wieder so zusammen, dass eine ganz eigene Mischung mit persönlicher Note dabei herauskommt. Die Grundstimmung auf Too rough is never enough ist sehr düster, die Rhythmen treibend und teilweise schon fast hypnotisch, die verwendeten Samples stimmig und alles Weitere ist das I-Tüpelchen on Top. Das Album zeigt einige erfrischende Parallelen zum Rhythm-Industrial der 1990er auf ohne auf die Retro-Schiene zu zielen, denn dafür klingt es dann doch zu modern. Die Mischung aus noisigen Flächen, ultra verzerrten, sich stetig aufbauenden Rhythmen und einem gewissen Gespür für Melodie macht zum Beispiel Anthropomorphism zu einer regelrechten Hymne und das ist nicht die einzige auf Too rough is never enough. Neben diesen Krachern, die bestimmt auch die ein oder andere Tanzfläche zum Überkochen bringen werden, wird aber auch die eher experimentelle und, soweit man das so sagen kann, ruhige Seite des Laurent Delogne aufgezeigt, die eher schleichend, bedrohlich und nicht ganz so nach vorne treibend daherkommt, aber trotz des teilweise zurückgenommenen Tempos durch Ideenreichtum und Abwechslung überzeugt und für musikalische Vielfältigkeit sorgt. Too rough is never enough überzeugt in allen Punkten und sollte wirklich in keiner Rhythm-Industrial-Sammlung fehlen, denn mit diesem Album spannt Le Moderniste den Bogen zwischen den Klassikern des Genres und der modernen Variante. (5 von 6)

The Juggernauts - Phoenix

Peter Mastbooms, auch bekannt als Borg und als Live-Mitglied von The Klinik hat anscheinend, trotz seiner musikalischen Umtriebenheit, noch kreativen Output über und gründet mit The Juggernauts einfach sein eigenes Projekt. Mit Phoenix erhält der Hörer eine auf 666 Stück limitierte EP im schicken Digipack, die randvoll ist mit purer EBM, was eigentlich nichts Unerwartetes ist, wenn elektronische Musik aus Belgien kommt und Borgs musikalischer Hintergrund berücksichtigt wird. EBM der neueren Generation gibt es mittlerweile zuhauf und man muß schon gezielt suchen, um sich die ein oder andere Perle heraus zu picken. Was also macht Phoenix zu einer solchen Perle? Kraftvoller Rhythmus, minimale Basslines, schneidene Synthiesequenzen und vor Kraft strotzende Shouts, also alle EBM-Grundelemente der neuen Generation, sind vorhanden und werden entsprechend präsentiert und umgesetzt - reduced to the max, wie man so schön sagt. Aber The Juggernauts erweitern diese Elemente noch um die entsprechende Portion Coolness, vielleicht auch mit dem Wissen, dass die kraftvolle Produktion und die harten Sounds ihr Übriges zum Gesamtergebnis beitragen. Die drei eigenen Tracks sind knallharte EBM-Hits und dürften sowohl eingefleischte Fans dieser Musikrichtung als auch Neulinge gleichermaßen begeistern und auch die Remixe alter Bekannter interpretieren die Originalversionen artgerecht und Stilsicher. EBM kann man nicht neu erfinden, aber man kann sie in einem neuen Gewand präsentieren und genau das passiert mit Phoenix. Peter Mastbooms bereichert das weite Feld der EBM mit seinem Projekt The Juggernauts und macht mit dieser EP Lust auf´s Album. (4,5 von 6)

The Klinik - Eat your heart out

Die Zeit der Gerüchte, der hinter vorgehaltener Hand erzählten Vermutungen ist vorbei. Nach 22 Jahren veröffentlichen The Klinik ein neues Album und das in Originalbesetzung! Zu den beiden Personen, die hinter The Klinik stecken, muss eigentlich nichts mehr gesagt werden, denn Dirk Ivens und Marc Verhaeghen sind mittlerweile nicht nur Urgesteine der Szene, sondern richtige Legenden, wobei Dirk Ivens durch seine zahlreichen Projekte wie zum Beispiel Dive, Absolute Body Control oder Sonar, der bekanntere Teil des Duos sein dürfte. Nun liegt nach 22 Jahren mit Eat your heart out eine neuer Longplayer dieser Kultband vor, der passenderweise, neben der regulären CD, auch als limitiertes Vinyl veröffentlicht wurde. Der Einstieg ist mit Nothing you can do sehr minimal gehalten, mit einer einzelnen pulsierenden Sequenz ja fast schon zurücknehmend. Beim zweiten Song aber kommt sie, die für The Klinik so typische, tiefe und extrem mitreißende Bassline, die sofort für Gänsehaut sorgt. Gepaart mit einzelnen Versatzstücken aus Beats und Melodien sorgt sie dafür, dass sich sofort eine gewissse Vertrautheit beim Hören einstellt. Neben Mindswitch und Stay, zwei Songs, die schon beim Amphi-Festival 2008 live vorgestellt wurden, sind mit In your room, dem schon erwähnten zweiten Stück und Bite now bite auch noch zwei Songs dabei, die sich nahtlos in die lange Reihe der von The Klinik geschaffenen Klassikern reihen können. Das ganze Album ist in sich stimmig und lässt das alte Fieber wieder aufkommen, das Feuer, das The Klinik durch diese einzigartige Mischung aus dem typischen Sound von Marc Verhaeghen und dem durchdringenden, teilweise schon fast hypnotischen Gesang von Dirk Ivens entfachen. The Klinik schwelgen nicht in der Vergangenheit und ruhen sich auch nicht auf ihren Lorbeeren aus, sie halten sich nicht mit dem Aufbauschen ihrer Songs durch unnützes Beiwerk auf, sondern arbeiten eher an Nuancen, an der Verschachtelung der Instrumentierung, sie feilen an Feinheiten. Diese Hingabe, dieses Konzentrieren auf jede noch so kleine Einzelheit bestimmte schon in der Vergangenheit ihren typischen Sound und macht The Klinik auch Heute noch so einzigartig und dieses Album so hörenswert, denn Dirk Ivens und Marc Verhaeghen schaffen nach 22 Jahren den sicherlich schwierigen Spagat zwischen alten Gewohnheiten und neuen Sounds mit Bravour.
Eart your heart out ist jetzt schon ein weiterer Klassiker des von The Klinik selber geschaffenen Genres und weit darüber hinaus. Ein absolutes Muß. (5,5 von 6)

Ah Cama-Sotz - Obsession Diabolique

Bei Ah Cama-Sotz weiß man eigentlich nie, was einen erwartet, denn Herman Klapholz versteht es wie kaum ein anderer, die unterschiedlichsten Formen verschiedener Musikstile und -richtungen zusammenzufügen und diesen dazu noch seinen eigenen Stempel aufzudrücken. Mit Obsession Diabolique ist nun ein weiteres Album des Meisters der dunklen Töne erschienen. Die Schlagzeile zum Album heißt „ Covering the Orient, the Middle-East, Western culture, the Unknown and the Unspoken“ und das trifft es auf den Punkt genau. Anfangs wird der Hörer mit orientalischen Klängen auf die noch folgenden Stücke eingestimmt und die entwickeln sich, bei zunächst gleichbleibendem Tenor, hin zu einer dunklen Stimmung, die durch tiefe Flächen, Streichern und der typisch orientalischen Instrumentierung erzeugt und aufgebaut wird. Beim Hören entstehen unausweichlich Bilder im Kopf, Bilder von älteren Filmen, die damals noch Gruselfilme oder phantastische Filme hießen und eher subtiler waren und nicht so eine Effekthascherei betrieben wie die heutigen Filme. In solchen Filmen wird auch immer eine unheilvolle Stimmung aufgebaut, die Spannung teilweise bis kurz vor Ende aufrecht erhalten um so den Zuschauer zu fesseln und mitzunehmen, auf die finstere Reise. So geschieht es auch bei Obsession Diabolique. Die Stimmung wird fast unmerklich in die gewünschte Richtung getrieben, die Spannung gehalten und der Hörer zunächst im Unklaren gelassen, bis es zu spät ist und er schon mitten in der unheilvollen Klangwelt gefangen ist, denn ungefähr ab der Hälfte des Albums schlägt die Stimmung in düstere, bedrohliche Klänge um, in tiefe, grollende Bässe und dunkle Stimmungen, um gegen Ende dann sogar teilweise beschwingt daherzukommen aber ohne diese gewisse dunkle Grundstimmung zu verlieren, die durch das geschickte Einweben von Sprachsamples bei einigen Stücken noch unterstrichen und verstärkt wird. Erstaunlich ist wieder einmal die Vielfältigkeit, die Ah Cama-Sotz darbietet, von Dark-Ambient über Noise bis hin zu Breakbeat ist alles dabei und das ist und bleibt das Markenzeichen, das Ah Cama-Sotz so außergewöhnlich macht: Abwechslung schaffen, Neues ausprobieren und sich selbst dabei treu bleiben ohne sich zu wiederholen und auf ganzer Linie zu überzeugen wissen. Beim Hören von Obsession Diabolique werden verborgene Türen geöffnet und Platz für die Phantasie des Hörers gelassen. Dabei handelt es sich sicherlich nicht um ein Album, welches einfach so nebenbei gehört werden kann, aber gerade die Tatsache, dass eine gewisse Portion Aufmerksamkeit erforderlich ist, macht es so einzigartig und interessant. Herman Klapholz zeigt einmal mehr auf, dass er mit Ah Cama-Sotz die volle Bandweite des Genres beherrscht – ein Genre, dass er seit Bestehen seines Projekts merklich geprägt hat und dies immer noch tut.
Ah Cama-Sotz nimmt den Hörer mit in unheimliche, düstere und unentdeckte Welten und jeder Liebhaber dieser Klänge sollte seinem Ruf nicht nur jetzt, sondern jedes mal aufs Neue folgen. (5 von 6)

Ben Lukas Boysen - Gravity

Mit seinen zahlreichen Veröffentlichungen, unter anderem als Hecq oder auch als Komponist von Soundtracks, hat Ben Lukas Boysen bereits mehr als einmal bewiesen, dass er ein wahres Ausnahmetalent ist und sowohl die brachialen als auch die zarten Sounds beherrscht. Mit Gravity erscheint nun sein erstes reines Soloalbum unter diesem Namen. Eine sanfte Pianomelodie leitet das Album ein und zieht sich auch, mal mehr und mal weniger dominant, durch das gesamte Werk. Getragen von dieser, natürlich variierenden Pianolinie, erscheinen fast unmerklich hauchzarte Flächen und Melodien, die den Hörer in ein fragiles, unbeständiges Konstrukt aus Tönen und Klängen stoßen. Rhythmus, beziehungsweise Beat, wird sehr spärlich eingesetzt und wenn, dann durch natürliche, organische Töne, die sich komplett in die bereits bestehende Klanglandschaft integrieren, diese unterstützen und nicht überlagern. Überwiegend aber wird mit Piano und eigenen Soundkreationen gearbeitet und das geht so dermaßen vorsichtig und sanft von statten, dass man unweigerlich die Augen schließt und sich ganz und gar auf das eigene Kopfkino einlässt. Gravity erschafft dabei aber selbst keine Bilder, sondern lässt vielmehr Bilder erschaffen und das ist genau das, was man als Hörer möchte: Wenn man es zulässt entsteht exakt nur das, was auch entstehen soll. Diese einzigartige Eigenschaft, Bilder durch Emotionen, die wiederum durch die Musik erschaffen und hervorgerufen werden, entstehen zu lassen, machen dieses Album zu etwas ganz Besonderem. Gravity besticht durch die Reduzierung, durch die Zurückhaltung und die Konzentration auf die reine Emotion. Der Pressetext hat diesmal hundertprozentig recht, wenn er sagt, dass Gravity nur so traurig ist, wie man es zulässt und wenn man es zulässt, erlebt man eine wunderbare Reise durch die eigenen Emotionen und die müssen auch nicht immer traurig sein, es sei denn, man möchte es, man möchte neben der Höhen auch die Tiefen erleben, was auch durchaus eine Befreiung sein kann. Ben Lukas Boysen hat mit Gravity ein wahres Meisterwerk erschaffen, welches zwar durchaus etwas braucht, aber nach vollständiger Entfaltung umso mehr wirkt und auch bewirkt. Es empfiehlt sich, Gravity mit Kopfhörer zu genießen. (5 von 6)

VNDL - Gahrena: Structures

Wie schon auf dem Vorgänger Paysages Électriques erschafft Philippe Vandal als VNDL beeindruckende Klanglandschaften die sowohl aus Eingängigkeit als auch Experimentierfreudigkeit bestehen. Structures kommt ein wenig ruhiger als der Vorgänger daher und macht den Eindruck, als wenn mehr Wert auf Atmosphäre gelegt worden ist, was jetzt aber nicht bedeutet, dass es sich um ein komplett ruhiges Album handelt. Vielmehr ist es die Mischung aus ruhigen Passagen und aufgewühlten, zerrissenen Beats und Strukturen, die das Werk von VNDL so hörenswert machen. Sämtliche Sounds scheinen aus den ungewöhnlichsten Quellen zu stammen, bestehende, bereits gefertigte Melodien scheinen vollkommen auseinandergenommen und irgendwie wieder zusammengefrickelt worden zu sein, sodass etwas wirklich Einzigartiges und Unkonventionelles entstanden ist. Sicherlich birgt diese Methode das Risiko, dass das gesamte Soundkonstrukt irgendwann aus dem Ruder laufen und überladen wirken könnte, aber VNDL lenkt seine Kompositionen immer genau in die richtige Richtung und hält bei jedem Aufbau den Spannungsbogen bis zum Schluss. Zu keinem Zeitpunkt wirkt Structures konzeptlos oder gar zufällig, jeder noch so kleine Soundschnipsel wirkt präzise und absichtlich gesetzt und doch schimmert immer eine gewisse Leichtigkeit durch. Mal bleibt es sphärisch und ruhig, mal aufgewühlt und rhythmisch, mal zurückhaltend und mal imposant. Structures funktioniert sehr gut als Soundtrack für trübe Tage, aber auch bei schönem Wetter kann das Album durchaus genossen werden. Die drei enthaltenen Remixe von Valance Drakes, Mero und Hexogramme interpretieren die Originalstücke auf gekonnte Weise und runden ein sehr gelungenes Album gekonnt ab. Der Bereich IDM/Elektronica wird durch VNDL auf sehr angenehme Weise bereichert und jeder Liebhaber frickeliger und versetzter Elektronik und Beats wird nicht an diesem Album vorbeikommen. (4,5 von 6)

Ah Cama-Sotz - Murder Themes II

Mit dieser Veröffentlichung bekommt der Hörer ein richtiges Sammlerstück, denn Murder Themes II erscheint als auf nur 300 Stück limitierte Picture-Vinyl inklusive Bonus-CD-Version. Murder Themes II fängt dort an, wo Murder Themes I im Jahr 1999 aufgehört hat und Herman Klapholz zeigt auch hier seine ganze Stärke, die ihn zu einem wahren Ausnahmekünstler des Genres macht, wenn nicht sogar zum maßgeblichen Erfinder des selbigen. Tiefe, bedrohliche Flächen, einzelne verhaltene Rhythmen, Bässe und Strukturen untermalen dokumentarische Berichterstattungen aus TV und Radio, zerfetzt von beängstigenden Klanglandschaften und verstörenden Sounds. Es wird kein Hehl daraus gemacht, dass es sich hier, wie der Name schon sagt, um musikalische Beschreibungen und Auseinandersetzungen von Mördern geht, die aus verschiedensten Motivationen heraus gehandelt haben und dieses wird entsprechend umgesetzt. Manchmal bedient sich Ah Cama-Sotz neben der thematisch unumgänglichen tiefen Bässe auch mal engelsgleicher Chöre und Streicher-Sounds, die nicht minder bedrohlich wirken. Als reine Dokumentation, also Sprachsamples und -ausschnitte, die auf musikalische Untermalung gelegt wurden, kann Murder Themes II aber nicht betrachtet werden und das käme dieser Veröffentlichung von Ah Cama-Sotz in keinster Weise gerecht, denn Murder Themes II ist viel mehr als das, viel mehr als reine Unterhaltung. Die Musik und auch die beabsichtigte Aussage des Ganzen geht so dermaßen tief, dass das Böse, welches beschrieben wird, tatsächlich greifbar zu sein scheint und beim Hören für den ein oder anderen Gänsehautmoment sorgt. Man muss schon einen gewissen Hang zu düsteren Klängen haben um Murder Themes II regelrecht genießen zu können, denn die Thematik ist schon echt schwere Kost und bestimmt nichts für zarte Gemüter, denn hier wird schonungslos aufgezeigt, zu was Menschen fähig sein können. Als Gesamtkunstwerk bzw. -konzept funktioniert Murder Themes II am besten mit dem ersten Teil zusammen und ist ein wahrliches Meisterwerk der düsteren Musik. (5,5 von 6)

Lingouf - Illumina-TV

Jeder, der das Schaffen von Lingouf verfolgt, weiß, dass man sich bei jedem Release auf etwas komplett Neues und Anderes einstellen muß. So auch beim neusten Output Illumina-TV. Im Gegensatz zum Vorgänger Terre de Pierres wird bei Illumina-TV nahezu gänzlich auf zerbrechliche und experimentelle Sounds für den Kopf verzichtet und vielmehr auf den gesamten Rest des Körper gezielt. Es scheint, als ob Lingouf, ganz dem Titel des Albums gleich, durch sämtliche Kanäle seines Fernsehapparates gezappt hätte und das dort Gesehene und Erlebte musikalisch verarbeitet hat. Zuerst wurde gemächlich von einem Kanal zum anderen geschaltet um eventuell doch bei einem Programm stehenzubleiben, aber als nichts passendes zu finden war, wurde immer schneller umgeschaltet, immer haltloser gezappt, die realisierten Programmfetzen immer kürzer, immer unmittelbarer und schneller verarbeitet, immer absurder wurde das so vermittelte Programm und genau das hat Lingouf auf Illumina-TV gebannt. Die anfänglich komplexen Sound- und Beatstrukturen mit eingewobenen Samples, steigern sich im Laufe der Zeit bis hin zu extrem schnellen und tanzbaren Beats, die immer mit hin- und mitreissenden Melodien gepaart sind, wie sie nur Lingouf zaubern kann. Sollte man Illumina-TV tatsächlich mit dem Beschriebenen, also TV-Inhalten, beschreiben wollen, dann käme eigentlich nur ein vollkommen überdrehter, sehr farbenfroher Zeichentrickfilm in Frage, zum dem dieses Album aber auch zu 100% als Soundtrack passt. Trotz Tanzflächenkompatibilität und Hau-Drauf-Momenten besticht Illumina-TV durch die doch Lingouf-typische Experimentierfreudigkeit und Abwechslung. Das Wichtigste und Schönste überhaupt ist aber, dass man Lingouf den Spaß am Musikmachen abnimmt und bei jedem Track erneut heraushören kann. Illumina-TV ist ein irrwitziger Trip durch´s elektronische Märchenland und wenn ein DJ offen für Neues ist, dann wird der ein oder andere Track auch bestimmt mal zum Einsatz kommen. (4,5 von 6)

Mlada Fronta - Every Thing

Der Franzose Rémy Pelleschi ist mit seinem Projekt Mlada Fronta seit nunmehr über 20 Jahren aktiv und präsentiert mit der 10CD-Box Every Thing eine Retorspektive, die ihresgleichen sucht und aufzeigt, dass Mlada Fronta so viel mehr ist als der Clubhit XB-33. Das muß man sich erstmal auf der Zunge zergehen lassen: Sämtliche(!) Releases seit Gründung des Projekts im Jahr 1992 werden in dieser Box zur Verfügung gestellt und zwar als Audio-CD, MP3, Bild- und und Video-Dateien. In der Fülle des gebotenen Materials scheint man zunächst den Überblick zu verlieren, aber dank der sehr guten Dokumentationen der einzelnen Werke, sei es im Booklet oder als Bilder der entsprechenden Artworks im Bonusteil der jeweiligen CDs, kann alles bequem nachvollzogen werden und die Reise durch das Schaffen des Rémy Pelleschi kann beginnen. Sehr schön ist es, die Entwicklung zu beobachten, die Mlada Front im Laufe der Jahre genommen hat. Von den treibenden, fast EBM-lastigen Erstlingswerken, über mehr krachige Sounds bis hin zu den mehr sphärischen und so typischen IDM-Industrial-Elektro-EBM-Noise-Ambient-Style, der bzw. den Mlada Fronta so geprägt hat. Quantitativ gibt es an Every Thing überhaupt nichts auszusetzen, da es sich ja um die Vollständige Discographie des Künstlers handelt. Qualitativ kann das Release ebenso mithalten, denn die Box ist sehr schick und durch das Hardcover sehr wertig produziert. Sowohl das Audiomaterial, als auch auch die digitalen Files auf den jeweiligen CDs, die durchweg in 32bit 96kHz (hi-definition) vorliegen, sind vom Künstler selbst remastert worden. Every Thing ist mehr als nur eine reine Retrospektive, wie sie andere Bands herausbringen, was sich meistens sowieso lediglich als etwas bessere Best of herausstellt. Diese 10 CD-Box beinhaltet vom kleinsten Demo bis zum DVD-Release das komplette Schaffen des Künstlers, das gesamte künstlerische Leben des Rémy Pelleschi sozusagen und es gebührt wahrlich eine Menge Respekt vor diesem Release, denn mit der Darlegung des gesamten Schaffens spricht uns der Künstler auch sein vollstes Vertrauen aus, denn wie jedes ernstgemeinte Kunstwerk ist auch das musikalische Schaffen eines Künstlers etwas sehr persönliches und wird in der Regel nur in vertrauensvolle Hände gegeben. Vielleicht ist das auch der Grund für die Limitierung auf weltweit 490 Stück. Bleibt nur zu hoffen, dass dieses Release nicht als abschließendes Geschenk an die Fans gedacht ist und sich Rémy Pelleschi nun anderen Tätigkeiten zuwendet, aber da die ersten Livetermine von Mlada Fronta für 2014 bereits bekannt sind, kann dieser Gedanke wahrscheinlich zunächst einmal in den Hintergrund geschoben werden. Als Freund elektronischer Musik und Fan des Genres führt absolut kein Weg an Every Thing vorbei und selbstverständlich kann hier nur die Höchstwertung gegeben werden.
(6 von 6)

Monolog - 2 Dots Left

Der Däne und seit einigen Jahren Wahl-Berliner Mads Lindgren, der hier sein Album unter den Namen Monolog veröffentlicht, ist durch seine zahlreichen Kollaborationen mit anderen Künstlern und seine Arbeit bei Native Instruments und Ableton, wahrlich kein Unbekannter und so verwundert es kaum, dass 2 Dots Left glasklar und auf den Punkt genau produziert ist. Vereinfacht könnte man zum Output von Monolog schlichtweg Breakbeat und Drum and Bass sagen, aber eigentlich ist da viel mehr. Sicherlich sind die Beats im Vordergrund und dominieren das gesamte Album, aber im Hintergrund arbeiten unentwegt sehr beeindruckende Bässe und Flächen, Beeps und sonstige elektronische Klänge, die teilweise kaum hörbar sind, aber dennoch das gesamte Szenario umspielen und ihren Teil zum Ganzen beitragen. Meistens bewegt sich 2 Dots Left im mittleren Tempobereich, bricht hier und das aus, aber wird niemals zu hektisch, so dass man dem Gesamtwerk angenehm folgen und es auf sich wirken lassen kann. Die Beats sind sehr trocken, knallhart und so reduziert eigentlich kaum einsetzbar, aber Monolog schafft es, dass trotz der überwiegenden Konzentration auf die Beats, weder Melodie noch sonstiges Beiwerk vermisst wird. Die Beats alleine sprechen für sich und füllen jeden Track bis zum Rand mit allem, was benötigt wird, um das vom Musiker gewünschte auszudrücken. 2 Dots Left ist mehr als reines Breakbeat- und Drum and Bass-Gewitter, sondern sehr abwechslungs- und facettenreich, manchmal zerbrechlich wirkend und manchmal auch temporeich und fordernd. Monolog hat ein sehr überzeugendes Album geschaffen. (4,5 von 6)

Proyecto Mirage - Steam Tech

Proyecto Mirage sind zurück bei Hands und liefern mit ihrem neusten Output Steam Tech sowas von ordentlich ab, als wenn sie niemals weg gewesen wären. Das Album beginnt zwar eher verhalten, mit mäßigem Beat und zurückgenommenem Krach, aber schon beim zweiten Titel schraubt sich der so typische Style in die Ohren und ist dort kaum wegzubekommen. Steam Tech erinnert an die Anfangstage von Proyecto Mirage, klingt aber dadurch keineswegs angestaubt, sondern taufrisch. Die eingesetzten Vocals sind sehr gut in die Soundteppiche eingewebt und werden hier und da mit Effekten verfeinert, die Rhythmusstrukturen sind detailliert ausgearbeitet, optimal platziert und auch die kleinen Melodien machen sehr viel Spaß. Proyecto Mirage kennen sich seit jeher sowohl mit Clubkrachen als auch mit ruhigeren Stücken aus und wissen auf beiden Ebenen sehr zu überzeugen. Mal wird ordentlich Stoff gegeben und mal wird sich eher ruhig verhalten und der Beat erst ein wenig später aus der Reserve gelockt, aber dafür gehen solche Tracks eher tiefer als reine Tanzflächenfüller. Es ist, wie eigentlich typisch Proyecto Mirage, denn es ist sowohl für die Tanzfläche als auch für das Zuhören gesorgt und das auf gleichbleibend hohem Niveau. Also alles eigentlich wie immer? Keine Weiterentwicklung? Selbstverständlich wurde der eigene Stil natürlich weiterentwickelt, verfeinert und aufgefrischt, aber eine komplette Änderung möchte doch auch keiner haben, oder? Steam Tech geht eher in Richtung der beiden ersten Alben, das ist deutlich hörbar und Proyecto Mirage zeigen hiermit auch, dass ein wenig Back to the roots zusammen mit neuen Ideen sehr Spannend sein kann und somit ist dieses Album jedem Freund der Anfangstage, aber auch denen, die diesen Sound für sich entdecken möchten, sehr zu empfehlen denn der so typisch eigene Style von Proyecto Mirage ist bisher unerreicht und überzeugt auf Steam Tech mehr denn je. (4,5 von 6)

Cervello Elettronico - Anima Meccanica

David Christian aus Los Angeles, Mastermind hinter Cervello Elettronito, konnte sich seit der Gründung des Projekts im Jahr 2001, nicht nur durch seine zahlreichen Livekonzerte einen sehr guten Namen machen, auch alle seine bisherigen Veröffentlichungen fanden sehr viel Beachtung. Nun ist mit Anima Meccanica sein neustes Werk bei Hands erschienen. Der Sound auf Anima Meccanica klingt zunächst sehr zurückgenommen und reduziert und erinnert stellenweise an Orphx, wenn auch nicht ganz so minimal gehalten. Sich wiederholende Sequenzen werden durch einzelne Ausreisser aufgebrochen und hier und da durch Flächen und Basslinien ergänzt und unterstützt. Aber ganz so ruhig wie es hier klingen mag, ist die Musik wiederum nicht. Die Sequenzen der ruhigeren Tracks blubbern nicht nur so vor sich hin, sie scheinen sich aufzubauen, zu überwerfen, manchmal sich gegenseitig zu überholen um den Sound in eine andere Richtung, nämlich nach vorne, zu lenken. Diese Richtungswechsel können mal ruhig bleiben aber auch durch Samples und Industrial-Sounds aufgewühlt werden. Neben eher zurückgehaltenen Kompositionen im mittleren Tempobereich gibt es aber auch durchaus clubtaugliche Songs, die durch schnelle Bässe und Beats auffallen. Von technoidem Elektro über EBM-Anleihen bis hin zu Minimal-Elektro und Industrial-Sounds ist also alles dabei, was das Herz begehrt und letztendlich dann wohl am besten unter dem großen Begriff der IDM zusammengefasst werden kann, obwohl diese Katalogisierung dem Gesamtwerk bei weitem nicht gerecht wird. Anima Meccanica ist ein rundrum gelungenes Album, sehr facettenreich und es macht sehr viel Spaß beim Hören, denn es gibt viel zu entdecken. Das komplette Album ist hervorragend produziert, klingt sehr voll, ohne jemals künstlich aufgebauscht zu wirken. Freunde der genannten Stilrichtungen werden ihre wahre Freude an diesem Album haben. Cervello Elettronico bereichert jede Musiksammlung um mindestens drei verschiedene Styles und ist somit eine absolute Empfehlung. (5 von 6)

Stavros Gasparatos – Seven

Stavros Gasparatos ist einer der führenden modernen Komponisten und Sounddesigner Griechenlands und mit Seven liegt nun sein Soundtrack zu einer in 2011 aufgeführten Tanzperformance vor.
Der gesamte Soundtrack wurde für diese Veröffentlichung nochmals komplett überarbeitet, um sowohl den Charakter der Performance zu bewahren, als auch den Ansprüchen einer reinen Album-Veröffentlichung gerecht zu werden. Seven handelt von den sieben Todsünden und allein schon die Tatsache, dass sich bei sieben Sünden nicht auch gleich sieben Tracks auf dem Album befinden zeigt, dass Stavros Gasparatos dieses Thema nicht oberflächlich behandelt, sondern auch in die Tiefe geht. Bei einer Instrumentierung von hauptsächlich Streichern und Piano, gemischt und verbunden mit dezent und wundervoll eingesetzter Elektronik, kommt natürlich auch der künstlerische Aspekt und der Charakter eines Soundtracks durch, aber das hier ist anders. Vielleicht ist es die Überarbeitung, die vorgenommen wurde, aber Seven kann durchaus auch als reguläres Album angesehen werden und es funktioniert wunderbar. Wenn man möchte, kann man Seven als Electronica bezeichnen, aber das wird dem Album nicht im Geringsten gerecht. Vielmehr müsste es moderne Klassik mit Electronica-Elementen heißen, denn Gasparatos verwebt gekonnt die Hauptinstrumentierung mit elektronischen Beats, Bässen und Flächen. Das gesamte Album ist eher ruhig gehalten, sollte aber dennoch, oder gerade deswegen, bewusst gehört und genossen werden, denn es geht mächtig in die Tiefe und bringt die musikalisch beschriebenen Sünden zum Vorschein, mal eher hintergründig, aber dann auch wieder mal heftig, denn trotz der manchmal minimalen Instrumentierung gelingt es Gasparatos Spannungsbögen aufzubauen und hier und da gekonnt Ecken und Kanten einzubauen. Seven ist moderne Klassik im elektronischen Gewand und richtet sich an alle, die gängige Schubladen gerne einmal verlassen. Kopfhörer auf, Augen zu und genießen. (4,5 von 6)

Maschinenkrieger KR 52 Vs. Disraptor - roTEN years

Wenn jemand die Fahne für den Rhythm ´n´ Noise hochhält, dann Maschinenkrieger KR52 vs. Disraptor und das schon seit 10 Jahren, wobei 5 Jahre davon das Label Hands für die Veröffentlichungen des musikalischen Outputs sorgt. Auf ihrem dritten Album, welches bei Hands erschienen ist, kann zwar weiterhin von klassischem Rhythm ´n´ Noise gesprochen werden, aber dennoch sind Maschinenkrieger KR52 vs. Disraptor wieder einmal flexibel genug um hier und da gelungene Variationen einzubauen und demnach befinden sich neben garantierten Clubhits auch der ein oder andere Track zum geschmeidigen Hören auf dem Album. Natürlich kann das Genre nicht komplett neu definiert werden, aber es kann sich innerhalb desselben bewegt werden und diesen Platz nehmen sich die beiden Musiker und schöpfen dabei aus den Vollen und platzieren Noise, Bässe und weitere verzerrte Flächen gekonnt auf den kompromisslosen und eingängigen Rhythmus. Selbstverständlich muss erwähnt werden, dass roTEN years die volle Wirkung nur bei geeigneter, also maximaler, Lautstärke die volle Wirkung erzielt, nämlich vom Ohr direkt in den Bewegungsapparat und damit genau dorthin, wo das Rhythm von Rhythm ´n´ Noise hingehört.
Zehn Jahre Maschinenkrieger KR52 vs. Disraptor sind zehn Jahre purer Rhythm ´n´ Noise ohne Schnörkel und ohne Kompromisse .Auf mindestens weitere zehn Jahre! (5 von 6)

Ambassador21 - X

Das weißrussische Duo Ambassador21 dürfte mittlerweile nicht mehr zu den unbekannten Acts zählen, denn seit Jahren veröffentlichen Natasha A. Twentyone und Alexey Protasov auf verschiedenen Label, vorzugsweise auf dem hauseigenen Invasion Wreckcords, und bringen scheinbar unermüdlich ihren Sound bei zahlreichen Live-Gigs weltweit unter´s Publikum. Ihr Bekanntheitsgrad dürfte sich aufgrund des jetzigen Wechsels zu Hands noch um einiges erhöhen. X, so der Titel des Albums, ist im Grunde genommen kein neues Album, sondern eher eine Zusammenstellung von 9 bisher unveröffentlichten Tracks und 7 Compilationbeiträge aus der Zeit von 2005 bis 2012 und deckt somit 7 Jahre musikalisches Schaffen ab. Wer sich also einen Überblick bzw. einen Einblick über Ambassador21 verschaffen möchte, der ist mit X gut bedient. Natasha und Alexey in eine musikalische Schublade zu stecken ist vollkommen zwecklos, denn im Laufe der bisherigen aktiven Jahre haben sich die beiden einen ganz eigenen Stil entwickelt und hauen dem Hörer eine ordentliche Mischung aus Digital Hardcore, Electro-Clash, Industrial, Breakbeat, Noise und Speedcore um die Ohren und all das mit einer gehörigen Portion Wut im Bauch. Ambassador21 ist nichts für schwache Nerven, bietet keine Schonkost und hält sich weder bei der Musik, noch bei der Message zurück. Alle 16 Tracks auf X sind zwar von der Ausrichtung her gleich und bedienen durchaus die oben genannten Styles, aber eintönig wird es deswegen nie, denn für Abwechslung wird bestens gesorgt. Zwischen grandiosen Lärm-und Rhythmusorgien blitzt hier und da immer mal wieder ein kleiner, ruhiger Moment auf, ein treibender, dominanter Bass und noisige Flächen werden eingewebt, auch Melodien kommen nicht zu kurz und immer wieder wird das aufgebaute Konstrukt mit den aggressiven Vocals zerschnitten. Was an Power und Aggressivität auf dem Album gebannt ist, entfaltet sich zur Gänze bei Live-Konzerten, denn auf der Bühne fühlen sich Ambassador21 am wohlsten. X vermittelt einen guten Überblick über das bisherige Schaffen von Ambassador21 und zeigt auf, dass diese Art von Musik auch durchaus Facettenreich und vielschichtig sein kann. Auf den ersten regulären Longplayer bei Hands kann man also mehr als gespannt sein aber es lohnt sich auch, im sehr gut sortierten Backkatalog auf der Internetseite von Ambassador21 zu stöbern. (5 von 6)

Tatlum - Mechanical Rite

Das russische Ein-Mann-Projekt Tatlum ist ein weiterer Neuzugang bei Hands. Nachdem er sich durch zahlreiche Liveauftritte in Russland und den angrenzenden Ländern bereits einen Namen gemacht hat, liegt nun mit Mechanical Rite sein Debutalbum vor. Eine Mischung aus Breakcore mit Industrial- und Technoanleihen und ein wenig Drum and Bass und Gabba – das ist der erste grobe Eindruck, den Mechanical Rite hinterlässt. Lässt man sich etwas mehr auf die Musik ein, fällt sofort auf, dass neben den mächtigen Beats eine durchgehend düstere Atmosphäre herrscht. Tiefe Flächen mit getragenen und manchmal auch leicht verspielten Melodien durchziehen die Rhythmuskonstrukte und mächtige Bässe begleiten den Hörer auf der Reise durch die Welt von Tatlum. Was sich hier vielleicht etwas ruhig und märchenhaft anhört, ist es in Wirklichkeit gar nicht, aber man kann die Musik tatsächlich mit etwas Ähnlichen vergleichen, wenngleich es sich auch um ein eher apokalyptisches Märchen handelt, denn Tatlum macht keine halben Sachen, wenn es darum geht, dem Hörer seinen Sound um die Ohren zu hauen. Auch wenn der ein oder andere Song mal etwas weniger heftig beginnt, so ist es nur das Vorspiel, denn spätestens im Mittelteil geht es meistens richtig zur Sache und aus dem Breakcore wird ein gradliniger Tanzflächenabräumer mit Kopfnickfaktor. Mechnical Rite verbindet die bereits genannten musikalischen Styles mit ordentlich Atmosphäre und haucht den sonst eher sterilen Sounds eine Seele ein.
Tatlum hat mit Mechanical Rite in Sachen Breakcore ein erbamungsloses Beat-Monster erschaffen und auch wer bis jetzt vielleicht keinen so richtigen Zugang zu Breakcore hatte, wird sich, nicht zuletzt wegen der tiefen Atmosphäre, mit diesem Album anfreunden und nicht mehr davon loskommen. (5 von 6)

Ruby my Dear - Form

Der französische Musiker Julien Chastagnol, besser als Ruby my Dear bekannt, veröffentlicht auf Ad Noiseam sein zweites Album und bringt damit frischen Wind in das Genre. Form, so der Albumtitel, hätte ein sehr gutes und ausgefeiltes IDM-Album werden können, wenn es nicht die Handschrift von Ruby my Dear tragen würden, aber für einfache und gradlinige Sachen ist Julien Chastagnol anscheinend nicht zu haben. Kaum hat sich das Ohr an die Flächen und Basslines gewöhnt und hat die verschachtelten Beats sortieren können, gibt es meistens einen Bruch und alles beginnt von Neuem. Was sich hier eventuell ein wenig negativ anhören kann, ist es in Wirklichkeit gar nicht, denn zu gepflegtem Breakcore gehören Aussreisser und eine gewisse Komplexität, eben diese gewissen unerwarteten Wechsel im Gesamtbild. Ruby my Dear setzt aussergewöhnliche Spannungspunkte und Unterbrechungen als Stilmittel ein und experimentiert hier und da mit Tempo- und Rhythmuswechseln. Diese Zutaten mögen zwar auch nicht mehr ganz neu sein, aber hier werden sie komplexer und überlegter eingesetzt und verarbeitet, es wird mehr gewagt, wenn zum Beispiel neben den drückenden Bässen auch einmal mit Piano und Sprachsamples gearbeitet wird. Trotz der oben genannten Unterbrechungen und Wechselpunkte klingt Form sehr flüssig und harmonisch, obwohl es natürlich auch hektische Phasen mit heftigeren Beats und durchaus schnellere und unübersichtlichere Momente auf Form gibt. Das ganze Album klingt frisch, modern und steckt voller Überraschungsmomente, die das musikalische Niveau um mehr als nur eine Stufe heben. Form vereinigt alles, was moderne elektronische Musik im weiten Feld des Breakcores und der IDM ausmacht, allerdings mit einer sehr persönlichen Note und einer erfrischenden Experimentierfreudigkeit. (4,5 von 6)

Shorai - Interferences

Interference ist das mittlerweile vierte Album des Spaniers Fernando Garcia, welches er unter dem Projektnamen Shorai bei Hands herausbringt. Nach Außen hin bleibt Shorai seinen Prinzipien und seinem Konzept treu, denn die 75 Minuten Spielzeit verteilen sich auf 15 Tracks zu je 5 Minuten. Musikalisch verlässt Shorai die vom Vorgängeralbum noch bekannten klaren und warmen Sounds, denn, wie der Albumtitel schon verrät, liegt das Hauptaugenmerk auf Störungen und deren Geräusche. Zunächst einmal scheinen die Shorai-typischen Sounds und deren Manipulationen aus den Boxen zu klingen, aber schon nach kurzer Zeit schleichen sich die bereits angekündigten Störungen ein und legen sich hinter und zwischen den verschachtelten Beats und Loops, welche ganz klar Shorais Handschrift tragen, denn nur einer kann die Sounds derart manipulieren und aufbrechen und diese dann so gekonnt in den, meistens nicht typisch gradlinigen, Fluss der einzelnen Tracks einbauen. Shorai kreiert faszinierende Klanglandschaften, die sich dem Hörer zwar nicht nicht immer auf Anhieb erschließen, aber spätestens beim zweiten Mal garantiert einen hohen Wiedererkennungswert und sogar Ohrwurmcharakter aufweisen, denn mit Demasiadas Notas hat das Album auch einen erstklassigen Tanzflächenfüller zu bieten. Interference bewegt sich, wenn man es denn überhaupt kategorisieren kann, irgendwo zwischen Electro, IDM, Minimal und EBM, aber das seien hier nur grobe Richtungsangaben, denn nach 4 Alben und 10 Jahren musikalischen Output bei Hands, hat sich Shorai mittlerweile seine eigene Nische geschaffen und braucht somit eigentliche keine Vergleiche mehr.
Im Pressetext wird Shorai mit Fug und Recht als Missing Link zwischen Kraftwerk und Winterkälte beschrieben und auch diese Aussage bestätigt, so wie die Musik auch, wieder einmal mehr, dass Shorai im selbst abgesteckten Genre einzigartig ist. (5 von 6)

DJ Hidden - Enclosed

Noel Wessels veröffentlicht als DJ Hidden sein drittes Full-Lenght-Album und das sogar als Doppelpack.
Enclosed, so der Titel, ist stilistisch sehr schwer einzuordnen, denn es wird viel Verschiedenes gemischt, verdreht und wieder neu zusammengesetzt und letztendlich zum eigenen DJ Hidden-Sound erklärt, denn der reicht von Ambient und Electronica bis hin zu heftigen Drum and Bass-Eskapaden, also von sanften und ruhigen Tönen bis hin zu dem ein oder anderen rhythmusbetonten Dauerfeuer, welches sich durchaus auch im Club hören lassen könnte. DJ Hidden verbindet auf eine sehr angenehme Art und Weise teils sogar sehr heftige Beats mit warmen Flächen und Melodien und schafft damit eine alles umgebene Sound-Atmosphäre, die niemals enden sollte. Gerade auf der zweiten CD kommt die Vielfalt und Struktur des langsamen Aufbaus und der Mitnahme des Hörers in die so einzigartige Klangwelt bestens zur Geltung und hier kommt die Länge des Tracks, denn CD 2 besteht aus nur einem einzigen, langen Track, dem Hörer sehr zu Gute, denn spätestens hier taucht man vollends in die Welt von DJ Hidden ein, wenn auch nicht ganz so sanft wie bei reinen Ambient-Veröffentlichungen, aber trotz der Beats erstaunlich schnell und fließend. Auch wenn man bisher nichts mit dieser Art von Musik anfangen konnte und sich aufgrund dessen nicht an Alben dieses Genres herangewagt hat, so ist das bei DJ Hidden vollkommen anders, denn mit Enclosed werden Türen in eine vollkommen andere Klangwelt geöffnet. Sicherlich ist diese Art von Musik nicht grundsätzlich neu und ein neues Genre wird auch hiermit nicht erfunden, aber die typischen Stilmittel werden von Grund auf neu eingesetzt, überdacht und gezielt zum Einsatz gebracht und genau das ist es, was an diesem Album so anders ist und es zu einem unbedingtem Muß für alle Genre-Freunde und solche, die ihren musikalischen Horizont gerne mal erweitern, macht. Enclosed wird man, einmal für sich entdeckt, so schnell nicht wieder aus der Hand geben.
(5 von 6)

Mobthrow - Unfolded

Drei Jahre nach seinem Debutalbum schickt uns Angelos Liaros (Mobthrow) mit Unfolded, seinem neusten Werk, auf eine musikalische Reise, auf der es sehr viel zu entdecken gibt und das beinhaltet auch das wunderschöne Artwork, welches es auch Poster angeboten wird. Die Reise beginnt gemächlich, der Hörer wird behutsam an die Klänge und Soundteppiche, die allmählich immer mehr ausgebreitet werden, herangeführt. Die Bässe und das gemäßigte Tempo zeigen schon mal grob in Richtung, die eingeschlagen werden soll und laden zum entspannten Mitwippen ein. Gekonnt spannt Mobthrow von Anfang an einen Bogen über seine Musik, der nur darauf wartet, sich vollends entfalten zu können und das lässt nicht lange auf sich warten, denn nach der sehr atmosphärischen Einführung, bricht es ungefähr ab dem zweiten Drittel des Albums heraus und das Tempo wird angezogen, die Sequenzen werden fordernder und die Sounds schneller. Die Reise bis hierhin überschlägt sich beinahe vor Vielfältigkeit und musikalischen Eindrücken und der Bogen bleibt auch noch eine ganze Zeit gespannt, sodass das bisher Erlebte noch eine ganze Weile genossen werden kann, bevor es behutsam und ganz allmählich zum Ausklang kommt. Das Album ist eine Reise, eine musikalische Reise, die über einen Berg führt bzw. durch ein komplettes Gebirge. Es gibt hunderte von Eindrücken, von sehenswerten Dingen, es gibt einen Anstieg und das Erreichen des Gipfels mit all seinen wunderschönen Seiten, die die bisherigen Strapazen des Aufstiegs wieder wettmachen und den Bezwinger des Gipfels mit einer atemberaubenden Aussicht belohnt und tief ein- und ausatmen lässt um die klare Luft auf dem Gipfel zu genießen, bevor es an den Abstieg geht. Das mag jetzt sehr bildhaft gesprochen sein, aber es beschreibt die Vielfältigkeit und Bildgewalt des Albums ziemlich treffend. Ein derartiger Spannungsbogen, der Unfolded durchläuft, ist selten zu finden und somit sei auch die Empfehlung ausgesprochen, dieses Album komplett an einem Stück durchzuhören. Mobthrow entfaltet im wahrsten Sinne des Wortes sein neustes Werk und führt den Hörer durch entspannendes Midtempo bis hin zum musikalischen und dramaturgischen Höhepunkt um gegen Ende langsam wieder Tempo und Aufregung herauszunehmen und die gesamte Reise sanft ausklingen und nicht abrupt enden zu lassen. Bei Unfolded kann auch vom, bei Reviews oft erwähnten, Kopfkino gesprochen werden, denn zum Kopfhörer sollte auf jeden Fall auch einmal gegriffen werden, denn so ist ein noch intensiveres Abtauchen in Mobthrows cineastische Musiklandschaft möglich. Ohne Zweifel ist dieses Album ein Muss für jeden Musikbegeisterten, denn neben dem Kopfkino und der Bildhaftigkeit wird von sphärischem Ambient und Elektronika bis hin zu analogen Sequenzen und teilweise schon clubtauglichen Sounds alles geboten. (5 von 6)